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Schlittenbaum bis Schlohweiß (Bd. 3, Sp. 1537 bis 1538)
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Artikelverweis Der Schlittenbaum, des -es, plur. die -bäume, die vorn gekrümmten Haupthölzer, welche auf der Erde fortgleiten, und worauf das ganze übrige Gebäude eines Schlittens ruhet; in Obersachsen die Kufen, Schlittenkufen, in Oberdeutschland die Läufe, im Nieders. die Slittern.
 
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Die Schlittenfahrt, plur. die -en, die Fahrt, d. i. Reise auf einem Schlitten. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, das Fahren mehrerer zur Lust mit Schlitten. Eine Schlittenfahrt anstellen.
 
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Die Schlittenkufe, plur. die -n, S. Adelung Schlittenbaum und Kufe.
 
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Der Schlittschuh, des -es, plur. die -e, eine Bekleidung der Fußsohlen, welche unten mit langen glatten Eisen versehen ist, damit auf dem Eise schnell fortzugleiten. Auf Schlittschuhen fahren, im gemeinen Leben nur Schlittschuh laufen.
   Anm. Die erste Hälfte ist von dem veralteten Zeitworte schlitten, auf dem Eise gleitend fahren. (S. der Schlitten Anm.) In vielen Gegenden ist dafür Schrittschuh, Nieders. Striedschöe, üblich, von strieden, weit ausschreiten, weil solches zu dieser Art des Fahrens nothwendig ist.
 
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Der Schlitz, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches ehedem einen jeden Riß, Bruch, Schnitt oder Spalt bedeutete. Bey dem Notker ist Sliz der Bruch, im Tatian Gisliz der Riß in einem Kleide. Im Bergbaue ist Geschlitz noch jetzt ein Einschnitt, eine Kerbe, und im Oberdeutschen nennet man noch den Spalt einer Feder einen Schlitz. Im Hochdeutschen ist es nur noch in einigen Fällen üblich. 1) Ein langer schneller Schnitt in einen elastischen Körper, so daß dadurch eine von einander stehende Öffnung entstehet. Einem Pferde einen Schlitz in das Ohr machen. Ein Schlitz in der Nase, in dem Backen. 2) Gewisse längliche Öffnungen in den Kleidungsstücken, besonders wenn sie durch einen Schnitt entstanden sind, oder doch auf solche Art entstanden zu seyn scheinen. Der Schlitz am Hemde, die lange Öffnung desselben auf der Brust oder auf dem Rücken. Der Schlitz an dem Ärmel eines Hemdes, an den Weiberröcken u. s. f. Im Engl. Slit. S. Adelung Schlitzen.
 
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Das Schlitzeisen, des -s, plur. ut nom. sing. an den Stühlen der Sammetweber, eine eingeniethete Messerklinge, womit die Fäden der Kette aufgeschlitzet werden.
 
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Schlitzen, verb. reg. act. einen Schnitt der Länge nach in einen weichen, besonders elastischen, Körper machen, wo es oft für aufschlitzen gebraucht wird. In Persien schlitzet man den Verbrechern den Bauch. Ein Fisch schlitzen. Einem Pferde die Ohren, die Nasen schlitzen. In weiterer Bedeutung, gebraucht man es im Oberdeutschen oft auch für spalten. Eine Feder schlitzen. So auch das Schlitzen.
   Anm. Es ist das Intensivum von schleißen, und wurde daher ehedem in dessen sämmtlichen Bedeutungen gebraucht. In der Bedeutung der schnellen eigenen Bewegung oder Entfernung war Herisliz ehedem die bösliche Verlassung des Kriegsheeres, wo jetzt nach einer ähnlichen Figur ausreißen üblich ist. Am häufigsten war es von allen gewaltsamen Verletzungen eines Dinges, für reißen, brechen, spalten, schneiden u. s. f. Sleizer sin giuuati, Ottfr. er zerriß sein Gewand. Im Nieders. ist Slitse ein abgerissener Lappe. Nach einer gewöhnlichen Figur wurde es denn auch für theilen überhaupt gebraucht; die drey Personen unzuslizt, ungetheilt, Jeroschin. Das sch ist so wohl in diesem Zeitworte, als in dessen Stammworte schleißen, das Zeichen einer Intension; ziehet man dasselbe ab, so wird die Verwandtschaft mit verletzen, laedere, und dem veralteten verliesen für

[Bd. 3, Sp. 1538]


verlieren, begreiflich. Bey dem Ulphilas ist gasleithjan verliesen, oder verlieren. Noch jetzt sagt man active, Waaren verschleißen, sie absetzen, unter die Leute bringen.
 
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Das Schlitzfênster, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fenster in Gestalt eines Schlitzes, d. i. eine lange schmale Öffnung in einer Mauer, Licht dadurch zu gewinnen.
 
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Der Schlitzgraben, des -s, plur. die -gräben, in einigen Gegenden, ein kleiner, schmaler Graben, die Wiesen durch denselben zu wässern.
 
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Schlodern, verb. reg. act. welches nur bey den Schlössern üblich ist, welche, dem Frisch zu Folge, ihre Arbeit schlodern, wenn sie selbige löthen wollen, und daher das darauf gelegte Loth mit Lehm überziehen, denselben in Kohlen trocknen lassen, und hernach die Hitze verstärken, bis das Loth schmilzet. Es scheinet zu schlottern zu gehören.
 
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Schlohweiß, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, sehr weiß, schneeweiß. Im Nieders. sluwit; eben daselbst gebraucht man es auch als ein Hauptwort, so weiß als ein Schlu. Die erste Hälfte ist, so wie sie da steht, ein wenig dunkel; Schlu ist zwar im Nieders. eine Hülse, Schote, aber was hat die mit der weißen Farbe zu thun? Wenn man indessen bemerket, daß man in manchen Gegenden wirklich schloßweiß spricht, und der große Haufe in manchen Gegenden eine große Weiße auch durch schneehagel-weiß ausdruckt: so bleibt wohl kein Zweifel übrig, daß dieses Wort aus schloßweiß verderbt worden, indem die Schloßen oder Hagelkörner eine blendende Weiße haben.

 

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