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Schlingel bis Schlittenfahrt (Bd. 3, Sp. 1535 bis 1537)
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Artikelverweis Der Schlingel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im höchsten Grade träger und ungesitteter Mensch; nur von Personen männlichen Geschlechtes. Ein fauler Schlingel. Ein grober Schlingel.
   Anm. Im Schwed. Slyngel, in Baiern mit einem andern Endlaute Schliffel, im Nieders. Schleef, Sleef, Slunkersleef. Die Endsylbe ist die Ableitungssylbe -el, ein Subject zu bezeichnen. Es scheinet, daß mit diesem Worte der schlendernde, oder vielmehr von einer Seite zur andern wankende Gang angedeutet werde, welcher so wohl eine Folge der Trägheit, als auch der Ungezogenheit ist, daher beyde Begriffe diesem Worte ankleben. Im Niedersächs. ist slinkfüsten müßig herum gehen, eigentlich die Fäuste oder Hände im trägen Gange hin und her schlenkern. Siehe auch Schläks.
 
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Die Schlingelēy, plur. die -en, ein grobes, ungesittetes Betragen.
 
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Schlingelhaft, -er, -este, adj. et adv. grob, ungesittet; Nieders. sleefhaftig.

[Bd. 3, Sp. 1536]



 
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1. Schlingen, verb. irreg. act. et neutr. welches im letzten Falle das Hülfswort haben bekommt. Imperf. ich schlang, (im gemeinen Leben ich schlung;) Mittelw. geschlungen. Heftig und in großen Massen hinunter schlucken. Ein Heißhungriger schlingt die Speisen ungekauet hinunter. Zuweilen auch für schlucken überhaupt. Nicht schlingen können, nicht schlucken. Daher das Schlingen.
   Anm. Bey dem Notker und spätern Oberdeutschen Schriftstellern slinden, (S. Adelung Schlund,) im Nieders. slingen, im Bretagnischen ohne Zischlaut lounqua. Es ist eine Onomatopöie des damit verbundenen Lautes.
 
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2. Schlingen, verb. irreg. welches mit dem vorigen auf einerley Art conjugieret wird. Es kommt in doppelter Gestalt vor. 1. * Als ein Neutrum, da es ehedem, und vielleicht noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden, für kriechen gebraucht wurde, in welchem Falle es mit schleichen verwandt ist, welches eben dieselbe Bedeutung hat; Angels. slincan. Alle tier so geen oder schlingen auf der Erden, in dem 1483 zu Augsburg gedruckten Buche der Natur. 2. Als ein Activum. 1) * Mit einem Schwunge werfen, schläudern, eine gleichfalls im Hochdeutschen veraltete Bedeutung; Nieders. slingen. 2) In einer Schraubenlinie umgeben. Sich um etwas schlingen, wie gewisse Gewächse thun, in welchem Falle auch ranken und winden üblich sind. Die Arme in einander schlingen. Ingleichen in einer Schlangenlinie fortbewegen. Ein Bach der sich durch die Wiesen schlinget; wofür doch das Diminutivum schlängeln üblicher ist. So auch das Schlingen.
   Anm. Im Nieders. slengen, welches auch flechten bedeutet, (S. Adelung Schlenge,) im Schwed. slinga. Schlank, Schlange, schlängeln, schlenkern, Geschlinge u. s. f. sind insgesammt Geschwister Eines Stammes und drucken die sich jeder Krümme überlassende Biegsamkeit aus.
 
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Der Schlingrabe, des -n, plur. die -n, eine Art Patschfüße, welche dem Raben gleicht, im Fischfange sehr geschickt ist, und die gefangenen Fische gierig hinunter schlinget; der Schlucker, Seerabe, großer schwarzer Taucher, Plancus, Corvus lacustris Klein.
 
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Die Schlippe, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, einen engen Weg oder Ort zu bezeichnen, durch welchen man gleichsam schlüpfen muß. Besonders nennet man so den engen Raum zwischen zwey Häusern, der, so fern er zur Abhaltung des Feuers angeleget ist, auch die Brandgasse heißt. S. Adelung Schluff.
   Anm. Es ist vermuthlich von schlupfen, (S. dasselbe.) Von schleppen aber im Nieders. die Schlippe die Schürze, und der Schlipp der Zipfel an einem Kleide. S. Schleppe.
 
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Der Schlitten, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fuhrwerk ohne Räder, welches auf zwey Kufen oder vorn gekrümmten Balken stehet, im Winter auf dem Schnee oder Eise darin schnell fortzugleiten. Auf dem Schlitten fahren. Ein Rennschlitten, Schellenschlitten u. s. f.
   Anm. Im Nieders. Schlede, und mit Ausstoßung des d im Osnabrück. Slye, im Schwed. Släda, im Isländ. Slede, im Engl. Sled, Sledge, im Ital. Schlitta, im Lothar. Chlitte. Es stammet von dem veralteten schlitten, Engl. to slide, Angels. slidan, her, welches ein doppeltes Intensivum von gleiten ist. Über den Rhein schlittete man mit Lästen, Tschudi bey dem Frisch. In Niedersachsen hat man davon das Intensivum schliddern, auf dem Eise zur Lust gleiten oder schleifen. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird ein Schlitten eine Reibe genannt.
 
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Die Schlittenbahn, plur. die -en, ein Weg, welcher mit Schlitten befahren werden kann, ingleichen die Beschaffenheit der

[Bd. 3, Sp. 1537]


Oberfläche, so daß sie bequem mit Schlitten befahren werden kann. Es ist Schlittenbahn. Schlittenbahn machen.
 
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Der Schlittenbaum, des -es, plur. die -bäume, die vorn gekrümmten Haupthölzer, welche auf der Erde fortgleiten, und worauf das ganze übrige Gebäude eines Schlittens ruhet; in Obersachsen die Kufen, Schlittenkufen, in Oberdeutschland die Läufe, im Nieders. die Slittern.
 
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Die Schlittenfahrt, plur. die -en, die Fahrt, d. i. Reise auf einem Schlitten. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, das Fahren mehrerer zur Lust mit Schlitten. Eine Schlittenfahrt anstellen.

 

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