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Schließnagel bis 1. Schlingen (Bd. 3, Sp. 1534 bis 1536)
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Artikelverweis Der Schließnagel, des -s, plur. die -nägel, ein eiserner Nagel oder Bolzen, große Riegel an den Thoren, Schließbäume u. s. f. damit zu verschließen. Bey den Buchdruckern schließet man die Formen damit zu.
 
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Das Schlīeß-Quadrǟtchen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Buchdruckern, der vierte Theil eines Quadrates oder Geviertes, die Zeilen damit auszuschließen.
 
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Die Schließsäge, plur. die -n, bey den Tischlern, eine gemeine Säge von mittlerer Größe, solche Stücke damit zu sägen, welche genau schließen oder passen sollen; S. Adelung Schlußsäge.
 
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Schlimm, -er, -ste, adj. et adv. 1. * Schief, von der geraden Horizontal- oder Perpenticular-Linie abweichend; eine im Hochdeutschen unbekannte, aber in den gemeinen Ober- und Niederdeutschen Sprecharten sehr gangbare Bedeutung; Oberd. schläm, schliem, und mit einem andern Endlaute schläb, Nieders. slimm, im Fries. slom, im Lat. ohne Zischlaut limus. Einen schlimmen Hals haben, einen schiefen. Schlimm schreiben, schief. Je schlimmer, je dümmer, ein Oberdeutsches Sprichwort. 2. Figürlich. 1) Sich nicht wohl befindend, und zwar so wohl Neigung zum Erbrechen empfindend, für übel, als auch Neigung zur Ohnmacht u. s. f. empfindend; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, und zwar nur als ein Nebenwort. Es ist mir recht sehr schlimm. Wenn sie länger verziehen, so wird ihre Mama glauben, daß sie sehr schlimm sind, Weiße. Es muß ihr wohl recht sehr schlimm seyn, Gell. 2) Fertigkeit besitzend, alles mit übertriebener Schärfe und Pünctlichkeit zu verlangen; auch nur im gemeinen Leben, wofür man auch böse, arg, gebraucht. Ein schlimmer Hausherr, eine schlimme Frau. Sehr schlimm seyn. Die Männer sind nicht alle so schlimm, als sie ausgeschrien werden. 3) Neigung und Fertigkeit besitzend, Schaden, oder Böses zu thun, und in weiterer Bedeutung auch zuweilen für schädlich, von Sachen; in beyden Fällen auch nur im gemeinen Leben. Ein schlimmer Hund, ein Schlimmer Knabe. Der Müßiggang, der schlimmste Feind der Jugend, Gell. 4) Der Absicht, dem Endzwecke der gehörigen Beschaffenheit zuwider; in der vertraulichen Sprechart, für übel, böse, wo es doch im Hochdeutschen nur in einigen Fällen üblich ist, in manchen Mundarten aber ohne alle Einschränkung gebraucht wird. Es ist ihm sehr schlimm gegangen, sehr übel, sehr schlecht. Das ist

[Bd. 3, Sp. 1535]


nun freylich ein schlimmer Umstand, ein übler. Schlimm genug, daß man den Neid an so viel hundert albernen Menschen gewahr werden muß. Ich würde am schlimmsten dabey zu recht kommen. Sie sagte, sie wäre unruhig, und das war eben schlimm, Gell. Es stehet sehr schlimm mit ihm. Es sind schlimme Zeiten. Die Sache könnte nicht schlimmer seyn. Ein schlimmer Weg. Schlimmes Wetter. Da es denn in manchen gemeinen Sprecharten für schlecht überhaupt, d. i. dem Verlangen, der Absicht, nicht gemäß, (ohne daß es eben derselben zuwider sey,) gebraucht wird. Schlimme Augen haben, schlechte, welche nicht mehr gut sehen.
   Anm. Die jetzt angeführten figürlichen Bedeutungen müssen eben nicht alle Figuren schiefen Richtung seyn, indem schlimm, oder ohne Intension schlem, schlim, wenn es in seinem Umfange und in Verwandtschaft mit Schleim, lahm u. s. f. betrachtet wird, noch mehrerer eigentlicher Bedeutungen fähig ist. Im Schwed. ist slem schändlich, und im Deutschen wurot schlimm ehedem auch für geringe, bloß ungekünstelt gebraucht; ein schlimmer Edelmann, der weiter nichts als ein bloßer Edelmann ist. Das Nieders. slimm bedeutet auch schlau, verschlagen, selbst im guten, wenigstens im gleichgültigen Verstande; er war mir zu schlimm, zu schlau.
 
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Der Schlíngbaum, des -es, plur. die -bäume. 1) Der Sumach; Rhus coriaria L. (S. Adelung Färberbaum.) 2) Der Mehlbeerbaum, Viburnum Lantana L. wird in vielen Gegenden so wohl Schlingbaum, Schlungbaum, als auch Schlinge, Rothschlinge, Wegschlinge genannt; ohne Zweifel wegen seiner schlanken Zweige, wenn es anders nicht mit dem Slavonischen Nahmen des sehr nahe verwandten Wasserhohlunders, Kalina, verwandt ist, der daher auch in vielen, ehedem von Wenden bewohnten Provinzen Kalinke, Kalinkenbaum, Galingenbaum, genannt wird.
 
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1. Die Schlinge, plur. die -n, S. das vorige.
 
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2. Die Schlinge, plur. die -n, von dem Zeitworte schlingen. 1) * Ein Werkzeug zum Schlingen, d. i. Schläudern; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. 2) Ein mit dem einen Ende locker durch das andere Ende geschlungenes Band, oder ähnlicher biegsamer Körper, besonders so fern eine solche Schlinge zum Fangen gebraucht wird, da sie denn auch eine Schleife, eine Masche, und im Oberd. ein Läufel genannt wird. (S. Adelung Schleife.) Schlingen legen. In die Schlinge gerathen. Den Kopf aus der Schlinge ziehen, figürlich, der Gefahr klüglich entgehen. Der Schlinge entgehen, der von einem andern zubereiteten Gefahr. Englisch Sling. S. 2 Schlingen.
 
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Der Schlingel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im höchsten Grade träger und ungesitteter Mensch; nur von Personen männlichen Geschlechtes. Ein fauler Schlingel. Ein grober Schlingel.
   Anm. Im Schwed. Slyngel, in Baiern mit einem andern Endlaute Schliffel, im Nieders. Schleef, Sleef, Slunkersleef. Die Endsylbe ist die Ableitungssylbe -el, ein Subject zu bezeichnen. Es scheinet, daß mit diesem Worte der schlendernde, oder vielmehr von einer Seite zur andern wankende Gang angedeutet werde, welcher so wohl eine Folge der Trägheit, als auch der Ungezogenheit ist, daher beyde Begriffe diesem Worte ankleben. Im Niedersächs. ist slinkfüsten müßig herum gehen, eigentlich die Fäuste oder Hände im trägen Gange hin und her schlenkern. Siehe auch Schläks.
 
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Die Schlingelēy, plur. die -en, ein grobes, ungesittetes Betragen.
 
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Schlingelhaft, -er, -este, adj. et adv. grob, ungesittet; Nieders. sleefhaftig.

[Bd. 3, Sp. 1536]



 
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1. Schlingen, verb. irreg. act. et neutr. welches im letzten Falle das Hülfswort haben bekommt. Imperf. ich schlang, (im gemeinen Leben ich schlung;) Mittelw. geschlungen. Heftig und in großen Massen hinunter schlucken. Ein Heißhungriger schlingt die Speisen ungekauet hinunter. Zuweilen auch für schlucken überhaupt. Nicht schlingen können, nicht schlucken. Daher das Schlingen.
   Anm. Bey dem Notker und spätern Oberdeutschen Schriftstellern slinden, (S. Adelung Schlund,) im Nieders. slingen, im Bretagnischen ohne Zischlaut lounqua. Es ist eine Onomatopöie des damit verbundenen Lautes.

 

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