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Schließhahn bis Schlíngbaum (Bd. 3, Sp. 1534 bis 1535)
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Artikelverweis Der Schließhahn, des -es, plur. die -hähne, ein Hahn an den Bier- oder Weinfässern, wo der Dreher mit einem eigenen dazu gehörigen Schlüssel umgedrehet wird; zum Unterschiede von einem gemeinen Hahne.
 
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Der Schließhaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein eiserner Haken in Gestalt eines halben Keiles an den Küsten und Laden welcher in das Schloß eingreift. Ingleichen an den Thüren, ein ähnlicher Haken, worein der Riegel des Schlosses schnappt, wenn die Thür kein versenktes Schloß hat. In beyden Fällen auch die Krampe.
 
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Die Schließkappe, plur. die -n, ein Stück Eisen an den Französischen Schlössern, in Gestalt eines vierseitigen Kastens, der an der Thürpfoste befestigt ist, und in dessen Löcher der Riegel des Schlosses fällt.
 
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Die Schließkêtte, plur. die -n, eine Kette, womit etwas verschlossen wird.
 
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Schließlich, adv. zum Schlusse, zum Beschlusse; von schließen, beschließen. Im Oberdeutschen ist es auch als ein Beywort gangbar. Sie wurden ohne schließlichen Bescheid fortgeschickt.
 
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Der Schließ-Muskel, des -s, plur. die -n, oder das Schließmäuslein, des -s, plur. ut nom. sing. in der Anatomie, ein Muskel oder Mäuslein, welches die Gestalt eines Ringes hat, und zur Verschließung des Mastdarmes dienet; Spincter.
 
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Der Schließnagel, des -s, plur. die -nägel, ein eiserner Nagel oder Bolzen, große Riegel an den Thoren, Schließbäume u. s. f. damit zu verschließen. Bey den Buchdruckern schließet man die Formen damit zu.
 
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Das Schlīeß-Quadrǟtchen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Buchdruckern, der vierte Theil eines Quadrates oder Geviertes, die Zeilen damit auszuschließen.
 
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Die Schließsäge, plur. die -n, bey den Tischlern, eine gemeine Säge von mittlerer Größe, solche Stücke damit zu sägen, welche genau schließen oder passen sollen; S. Adelung Schlußsäge.
 
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Schlimm, -er, -ste, adj. et adv. 1. * Schief, von der geraden Horizontal- oder Perpenticular-Linie abweichend; eine im Hochdeutschen unbekannte, aber in den gemeinen Ober- und Niederdeutschen Sprecharten sehr gangbare Bedeutung; Oberd. schläm, schliem, und mit einem andern Endlaute schläb, Nieders. slimm, im Fries. slom, im Lat. ohne Zischlaut limus. Einen schlimmen Hals haben, einen schiefen. Schlimm schreiben, schief. Je schlimmer, je dümmer, ein Oberdeutsches Sprichwort. 2. Figürlich. 1) Sich nicht wohl befindend, und zwar so wohl Neigung zum Erbrechen empfindend, für übel, als auch Neigung zur Ohnmacht u. s. f. empfindend; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, und zwar nur als ein Nebenwort. Es ist mir recht sehr schlimm. Wenn sie länger verziehen, so wird ihre Mama glauben, daß sie sehr schlimm sind, Weiße. Es muß ihr wohl recht sehr schlimm seyn, Gell. 2) Fertigkeit besitzend, alles mit übertriebener Schärfe und Pünctlichkeit zu verlangen; auch nur im gemeinen Leben, wofür man auch böse, arg, gebraucht. Ein schlimmer Hausherr, eine schlimme Frau. Sehr schlimm seyn. Die Männer sind nicht alle so schlimm, als sie ausgeschrien werden. 3) Neigung und Fertigkeit besitzend, Schaden, oder Böses zu thun, und in weiterer Bedeutung auch zuweilen für schädlich, von Sachen; in beyden Fällen auch nur im gemeinen Leben. Ein schlimmer Hund, ein Schlimmer Knabe. Der Müßiggang, der schlimmste Feind der Jugend, Gell. 4) Der Absicht, dem Endzwecke der gehörigen Beschaffenheit zuwider; in der vertraulichen Sprechart, für übel, böse, wo es doch im Hochdeutschen nur in einigen Fällen üblich ist, in manchen Mundarten aber ohne alle Einschränkung gebraucht wird. Es ist ihm sehr schlimm gegangen, sehr übel, sehr schlecht. Das ist

[Bd. 3, Sp. 1535]


nun freylich ein schlimmer Umstand, ein übler. Schlimm genug, daß man den Neid an so viel hundert albernen Menschen gewahr werden muß. Ich würde am schlimmsten dabey zu recht kommen. Sie sagte, sie wäre unruhig, und das war eben schlimm, Gell. Es stehet sehr schlimm mit ihm. Es sind schlimme Zeiten. Die Sache könnte nicht schlimmer seyn. Ein schlimmer Weg. Schlimmes Wetter. Da es denn in manchen gemeinen Sprecharten für schlecht überhaupt, d. i. dem Verlangen, der Absicht, nicht gemäß, (ohne daß es eben derselben zuwider sey,) gebraucht wird. Schlimme Augen haben, schlechte, welche nicht mehr gut sehen.
   Anm. Die jetzt angeführten figürlichen Bedeutungen müssen eben nicht alle Figuren schiefen Richtung seyn, indem schlimm, oder ohne Intension schlem, schlim, wenn es in seinem Umfange und in Verwandtschaft mit Schleim, lahm u. s. f. betrachtet wird, noch mehrerer eigentlicher Bedeutungen fähig ist. Im Schwed. ist slem schändlich, und im Deutschen wurot schlimm ehedem auch für geringe, bloß ungekünstelt gebraucht; ein schlimmer Edelmann, der weiter nichts als ein bloßer Edelmann ist. Das Nieders. slimm bedeutet auch schlau, verschlagen, selbst im guten, wenigstens im gleichgültigen Verstande; er war mir zu schlimm, zu schlau.
 
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Der Schlíngbaum, des -es, plur. die -bäume. 1) Der Sumach; Rhus coriaria L. (S. Adelung Färberbaum.) 2) Der Mehlbeerbaum, Viburnum Lantana L. wird in vielen Gegenden so wohl Schlingbaum, Schlungbaum, als auch Schlinge, Rothschlinge, Wegschlinge genannt; ohne Zweifel wegen seiner schlanken Zweige, wenn es anders nicht mit dem Slavonischen Nahmen des sehr nahe verwandten Wasserhohlunders, Kalina, verwandt ist, der daher auch in vielen, ehedem von Wenden bewohnten Provinzen Kalinke, Kalinkenbaum, Galingenbaum, genannt wird.

 

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