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Schleye bis Schlichfaß (Bd. 3, Sp. 1527 bis 1528)
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Artikelverweis Die Schleye, S. Adelung Schleihe.
 
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Der Schleyer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eigentlich, eine Art der Tracht, besonders des andern Geschlechtes, welche aus einem locker gewebten Zeuge bestehet, welcher auf mancherley Act über den Kopf geschlagen wird, entweder das Gesicht allein, oder auch den Oberleib, ja oft den ganzen Leib zu verhüllen. In den Morgenländern ist der Schleyer eine gewöhnliche Tracht des andern Geschlechtes, in den Abendländern ist er sehr aus dem Gebrauche gekommen, und nur noch in einigen Fällen, besonders bey einer tiefen Trauer üblich, wo aber der Nahme im gemeinen Leben schon ungangbar zu werden anfängt, indem man einen solchen Trauerschleyer häufig einen Flor nennet. Dich rufen junge Wittwen an, im hochbetrübten Schleyer, Raml. Figürlich, dasjenige, was uns eine Sache verbirgt. Der Wahrheit den Schleyer entreißen. 2) Ein lockeres und leichtes Gewebe, aus klarem Garne, durch welches man sehen kann; vielleicht weil es ehedem am häufigsten zu Schleyern gebraucht worden, und wovon man so wohl Schleyerflor, als Schleyerleinwand hat.
   Anm. Im Nieders. Slijer, Sligger, im Schwed. Sloya, im Böhm. Sslogjr. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe -er, welche ein Werkzeug, ein Subject bedeutet. Die erste Sylbe scheinet die Bedeutung des Bedeckens, des Verhüllens, zu haben, und würde alsdann zu schlagen gehören, welches unter seinen vielen Bedeutungen auch diese gar wohl verstattet, wie unter andern aus der Bedeutung des hohlen Raumes in Schlauch, Schlucht u. s. f. erhellet. (S. auch Schleyern 2.) Indessen kann auch die lockere, herab hangende, schlaffe Beschaffenheit des Schleyers der Grund seiner Benennung seyn, (S. Schlackig.) In einigen Ober- und Niederdeutschen Gegenden heißt der Schleyer Weiler, Nieders. Feyle, welches zu dem Lat. Velum und unserm Fell gehöret.
 
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Die Schleyereule, plur. die -n, ein Nahme der gemeinen Kircheule, weil sie einen sehr merklichen weißen Strich um die Augen in Gestalt eines Schleyers hat; Ulula Aluco Klein.
 
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Die Schleyerfrau, plur. die -en, an denjenigen Orten, wo die Schleyer noch häufiger getragen werden, eine Art Putzmacherinnen, welche die Schleyer aller Art verfertigen.
 
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Die Schleyerkappe, plur. die -n, eine Kappe des andern Geschlechtes, welche das ganze Gesicht, wie ein Schleyer verhüllet. Auch wohl eine Kappe von Schleyer, der so genannten Art Zeuges.
 
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Das Schleyerlêhen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen, welches auch auf den Schleyer, d. i. das weibliche Geschlecht, fällt; das Kunkellehen, Weiberlehen.
 
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Die Schleyermeise, plur. die -n, eine Art Meisen mit einer weißen Platte auf dem Kopfe in Gestalt eines Schleyers; vielleicht eben die, welche auch Haubenmeise oder Häubelmeise genannt wird.
 
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Schleyern, verb. reg. act. 1) Im Bergbaue und bey den Wasserkünsten wird der Kolm oder Kolben geschleyert, wenn er mit Lumpen umwunden wird, damit er desto genauer in die Röhre passe und die Luft abhalte; wo die erste eigentliche Bedeutung des Bedeckens, Bekleidens sehr merklich hervorsticht. 2) In engerer Bedeutung, mit einem Schleyer verhüllen. Eine Braut schleyern. Cythere schleyert sich in eine schwarze Binde, Günth. Jemanden einen Affen schleyern, ihm etwas aufheften.
 
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1. Der Schlich, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte schleichen, ein verborgener, geheimer Weg, in weiterer Bedeutung, ein verborgener, geheimer Ort, und figürlich, geheime Kunstgriffe, verborgene Art und Weise zum Schaden anderer zu handeln; in welchen sämmtlichen Fällen es im Plural am üblichsten ist, obgleich die Natur der Sache den Singular gar wohl verstattet.

[Bd. 3, Sp. 1528]


Diebschliche, Hurenschliche, verborgene Wege und Gänge der Diebe und Huren. Alle Schliche in einem Walde wissen, alle geheime Wege und Örter. Jemanden hinter seine Schliche, hinter die Schliche kommen, seine Kunstgriffe, seine heimliche Absicht und versteckte Art und Weise zu handeln, entdecken. Er weiß die rechten Schliche, die Art und Weise, wie die Sache geschickt anzufangen ist. Recht, als ob es der Himmel hätte haben wollen, daß ich hinter ihre Schliche kommen sollte, Gell.
   Anm. Nieders. Sieke. Der Singular ist noch im Oberdeutschen völlig üblich, wo es auch den Gang, die Handlung des Gehens, und in weiterer Bedeutung die Bewegung bezeichnet. In den Schlich kommen, in den Gang. Eben daselbst ist es figürlich auch das, was wir den Schlendrian nennen, die eingeführte Art und Weise zu handeln, das Herkommen. Den Schlich verstehen. Im alten Schliche bleiben. Ja überhaupt die Art und Weise, wie eine Sache behandelt werden muß. Den Schlich von etwas haben.
 
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2. Der Schlich, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e im Hüttenbaue und gemeinen Leben, ein klein gepochter oder gepülverter und mit Wasser vermischter fester Körper; dicker Schlamm. So nennet man den mit Wasser vermischten Sand, der im Schleifen von dem Schleifsteine abgehet, den Schlich. Im Hüttenbaue ist Schlich oder Schlamm das klar gepochte, gewaschene und mit Wasser noch vermischte Erz. Eben daselbst wird aber auch trocken gepochtes und folglich mit keinem Wasser vermischtes Erz Schlich genannt, weil der Grund der Benennung, der die glatte, weiche und zähe Beschaffenheit ist, auch hier bleibet. S. auch Schlick, welches von Schlich nur in der Mundart verschieden ist.
 
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Das Schlichfaß, des -sses, plur. die -fässer, von dem vorigen, im Hüttenbaue, diejenigen Fässer, worin die Planen gewaschen werden, damit nichts von dem Schliche verloren gehe.

 

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