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Schleuse bis Schleyerlêhen (Bd. 3, Sp. 1526 bis 1527)
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Artikelverweis Die Schleuse, plur. die -n. 1) Ein Canal, welcher mit Fall- oder Flügelthüren verschlossen werden kann, das Wasser darin nach Gefallen einzuschließen oder abzulassen, dergleichen Schleusen in der Schifffahrt, in dem Mühlenwesen, bey den Deichen und Dämmen u. s. f. von großem Nutzen sind. Eine Schleuse öffnen, zumachen. In weiterer Bedeutung werden auch die verdeckten Canäle unter den Gassen in den Städten, die Unreinigkeiten abzuführen, an vielen Orten Schleusen genannt; vielleicht weil sie von oben her verschlossen sind. 2) Bey den Büchsenmachern ist die Schleuse ein Theil der Ziehbank, und da bestehet sie aus zwey senkrechten eisernen Säulen, zwischen welchen sich in einer Falze zwey starke Blätter, die Schleusenblätter genannt, befinden, die ein rundes Loch haben, den Zapfen des Mundrohres, wenn es gezogen werden soll, aufzunehmen; vielleicht auch, weil sich dieser Theil zur Festhaltung des Rohres vermittelst eines aufgeschraubten Riegels verschließen läßt. Bey den Orgelbauern wird auch die Gieß- oder Zinnbrücke die Schleuse genannt; vermuthlich, weil sie durch zwey bewegliche Querbreter verschlossen werden kann.
   Anm. In der ersten Bedeutung im Schwed. Sluss, im Engl. Sluice, im Pohln. Sloza, im Franz. Ecluse, im Ital. Chiuse, im mittlern Lat. Exclusa, Inclusura, Conclusio, Sclusa, Clusa; woraus aber nicht folgt, das unser Schleuse aus dem Lateinischen entlehnet ist, indem es, wie es aus den beyden letztern Bedeutungen erhellet, eben so gut von dem Zeitworte schließen gebildet seyn kann, als die Latein. von claudere und cludere. Im Niederdeutschen wird eine Schleuse in der ersten Bedeutung ein Siel und Schütt genannt.
 
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Das Schleusenblatt, des -es, plur. die -blätter, S. das vorige.
 
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Das Schleusengêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches zur Unterhaltung einer Schleuse von den durchfahrenden Schiffen, oder andern Theilnehmern, gefordert und entrichtet wird; der Schleusenzoll, im mittlern Lat. Exclusagium.
 
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Der Schleusenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einer Schleuse vorgesetzet ist, die Aussicht über dieselbe führet.
 
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Der Schleusenräumer, des -s, plur. ut nom. sing. an denjenigen Orten, wo die Abzüchte der Unreinigkeiten aus den Häusern

[Bd. 3, Sp. 1527]


oder unter dem Gassenpflaster Schleusen heißen, Personen, welche das Räumen oder die Reinigung derselben besorgen.
 
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Die Schleye, S. Adelung Schleihe.
 
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Der Schleyer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eigentlich, eine Art der Tracht, besonders des andern Geschlechtes, welche aus einem locker gewebten Zeuge bestehet, welcher auf mancherley Act über den Kopf geschlagen wird, entweder das Gesicht allein, oder auch den Oberleib, ja oft den ganzen Leib zu verhüllen. In den Morgenländern ist der Schleyer eine gewöhnliche Tracht des andern Geschlechtes, in den Abendländern ist er sehr aus dem Gebrauche gekommen, und nur noch in einigen Fällen, besonders bey einer tiefen Trauer üblich, wo aber der Nahme im gemeinen Leben schon ungangbar zu werden anfängt, indem man einen solchen Trauerschleyer häufig einen Flor nennet. Dich rufen junge Wittwen an, im hochbetrübten Schleyer, Raml. Figürlich, dasjenige, was uns eine Sache verbirgt. Der Wahrheit den Schleyer entreißen. 2) Ein lockeres und leichtes Gewebe, aus klarem Garne, durch welches man sehen kann; vielleicht weil es ehedem am häufigsten zu Schleyern gebraucht worden, und wovon man so wohl Schleyerflor, als Schleyerleinwand hat.
   Anm. Im Nieders. Slijer, Sligger, im Schwed. Sloya, im Böhm. Sslogjr. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe -er, welche ein Werkzeug, ein Subject bedeutet. Die erste Sylbe scheinet die Bedeutung des Bedeckens, des Verhüllens, zu haben, und würde alsdann zu schlagen gehören, welches unter seinen vielen Bedeutungen auch diese gar wohl verstattet, wie unter andern aus der Bedeutung des hohlen Raumes in Schlauch, Schlucht u. s. f. erhellet. (S. auch Schleyern 2.) Indessen kann auch die lockere, herab hangende, schlaffe Beschaffenheit des Schleyers der Grund seiner Benennung seyn, (S. Schlackig.) In einigen Ober- und Niederdeutschen Gegenden heißt der Schleyer Weiler, Nieders. Feyle, welches zu dem Lat. Velum und unserm Fell gehöret.
 
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Die Schleyereule, plur. die -n, ein Nahme der gemeinen Kircheule, weil sie einen sehr merklichen weißen Strich um die Augen in Gestalt eines Schleyers hat; Ulula Aluco Klein.
 
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Die Schleyerfrau, plur. die -en, an denjenigen Orten, wo die Schleyer noch häufiger getragen werden, eine Art Putzmacherinnen, welche die Schleyer aller Art verfertigen.
 
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Die Schleyerkappe, plur. die -n, eine Kappe des andern Geschlechtes, welche das ganze Gesicht, wie ein Schleyer verhüllet. Auch wohl eine Kappe von Schleyer, der so genannten Art Zeuges.
 
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Das Schleyerlêhen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen, welches auch auf den Schleyer, d. i. das weibliche Geschlecht, fällt; das Kunkellehen, Weiberlehen.

 

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