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Schlêppsack bis Schleusengêld (Bd. 3, Sp. 1525 bis 1526)
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Artikelverweis Der Schlêppsack, des -es, plur. die -säcke. 1. Eigentlich, ein schleppender Sack, besonders bey den Fischern, wo es ein Fischnetz in Gestalt eines Sackes ist, welches auf dem Grunde fortgezogen wird, die Tiefen auszufischen; Franz. la Drague, von dem Nieders. trecken, ziehen. 2. Figürlich. 1) Eine träge, nachlässig und schmutzig gekleidete weibliche Person, welcher die Röcke aus Nachlässigkeit gleichsam auf der Erde schleppen; in welcher Bedeutung es besonders im Niedersächsischen üblich ist. 2) Eine verächtliche weibliche Person, mit welcher sich jemand schleppet, d. i. in einer verächtlichen Verbindung mit derselben lebet.
 
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Das Schlêppseil, des -es, plur. die -e, in der Seefahrt, dasjenige Tau, womit ein Schiff in manchen Fällen durch die Schaluppe fortgeschleppet oder gezogen wird.
 
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Der Schlêppstrang, des -es, plur. die -stränge, im Bergbaue, Stränge oder Seile, Lasten damit fortzuschleppen.
 
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Das Schlêpptau, des -es, plur. die -e, in dem Wallfischfange, dasjenige Tau, womit der getödtete Wallfisch an das Schiff geschleppet oder gezogen wird.
 
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Der Schlêpptrog, des -es, plur. die -tröge, im Bergbaue, ein Schleppkasten in Gestalt eines Troges.
 
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Die Schleuder, Schleudern, S. Adelung Schläuder u. s. f.
 
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Schleuen, verb. reg. act. ein vorzüglich bey den Fleischern übliches Wort, besonders in dem zusammen gesetzten ausschleuen; die Därme ausschleuen oder schleuen, sie mit Wasser ausspülen; wohl ausgeschleute Därme. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, und mit schlauchen und ausschlauchen, welches in andern Fällen in ähnlichem Verstande gebraucht wird, verwandt.
 
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Schleunig, -er, -ste, adj. et adv. welches eine Eigenschaft der Bewegung ausdruckt, da sie in kurzer Zeit einen großen Raum zurück leget, so wie schnell und geschwinde. 1) * Eigentlich, von einer geschwinden oder schnellen Bewegung, in welchem Verstande es doch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist; aber in einigen Oberdeutschen Gegenden sagt man, schleunig gehen, für geschwinde, hurtig, die schleunige Post, die geschwinde. 2) In weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine Eigenschaft solcher Handlungen, welche ohne merklichen Zwischenraum der Zeit, d. i. ohne Aufschub, vorgenommen werden; wo es doch den Begriff des Unerwarteten

[Bd. 3, Sp. 1526]


nicht bey sich hat, der mit plötzlich verbunden ist. Meine Freundschaft verbindet mich, ihnen schleunig Nachricht davon zu geben, ohne Aufschub, so bald als möglich. Jemanden auf das schleunigste antworten, zu Hülfe kommen, ihm eine schleunige Antwort ertheilen. Einen Bothen schleunig abfertigen. Ein schleuniger Tod. Sich schleunig aus dem Staube machen. Jemanden schleunig auf den Hals kommen.
   Anm. Im Nieders. slünig. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe -ig; es kommt hier also nur auf das Wort Schleun oder Schlaun an. Frisch sagt, daß das Daseyn dieses Wortes noch nicht erwiesen sey. Allein in Baiern und der Oberpfalz ist das Zeitwort schlaunen noch völlig gangbar, wo es fortrücken, fortgehen bedeutet, und zugleich das Stammwort von schlendern ist. Die Sache schlaunet nicht, ist daselbst figürlich, es will nicht mit ihr fort, sie kommt nicht von der Stelle; es schlaunt nicht, nach einer andern Figur, es häuft sich nicht, in Obersachsen, es fleckt nicht. Ohne Ableitungssylbe ist bey dem Ottfried mit dem verwandten m sliumo schleunig. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes einer geschwinden gleichförmigen Bewegung und mit Schleim, schlau und andern nahe verwandt. Das Hauptwort die Schleunigkeit ist im Hochdeutschen unbekannt, indem dafür Geschwindigkeit üblich ist.
 
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Die Schleuse, plur. die -n. 1) Ein Canal, welcher mit Fall- oder Flügelthüren verschlossen werden kann, das Wasser darin nach Gefallen einzuschließen oder abzulassen, dergleichen Schleusen in der Schifffahrt, in dem Mühlenwesen, bey den Deichen und Dämmen u. s. f. von großem Nutzen sind. Eine Schleuse öffnen, zumachen. In weiterer Bedeutung werden auch die verdeckten Canäle unter den Gassen in den Städten, die Unreinigkeiten abzuführen, an vielen Orten Schleusen genannt; vielleicht weil sie von oben her verschlossen sind. 2) Bey den Büchsenmachern ist die Schleuse ein Theil der Ziehbank, und da bestehet sie aus zwey senkrechten eisernen Säulen, zwischen welchen sich in einer Falze zwey starke Blätter, die Schleusenblätter genannt, befinden, die ein rundes Loch haben, den Zapfen des Mundrohres, wenn es gezogen werden soll, aufzunehmen; vielleicht auch, weil sich dieser Theil zur Festhaltung des Rohres vermittelst eines aufgeschraubten Riegels verschließen läßt. Bey den Orgelbauern wird auch die Gieß- oder Zinnbrücke die Schleuse genannt; vermuthlich, weil sie durch zwey bewegliche Querbreter verschlossen werden kann.
   Anm. In der ersten Bedeutung im Schwed. Sluss, im Engl. Sluice, im Pohln. Sloza, im Franz. Ecluse, im Ital. Chiuse, im mittlern Lat. Exclusa, Inclusura, Conclusio, Sclusa, Clusa; woraus aber nicht folgt, das unser Schleuse aus dem Lateinischen entlehnet ist, indem es, wie es aus den beyden letztern Bedeutungen erhellet, eben so gut von dem Zeitworte schließen gebildet seyn kann, als die Latein. von claudere und cludere. Im Niederdeutschen wird eine Schleuse in der ersten Bedeutung ein Siel und Schütt genannt.
 
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Das Schleusenblatt, des -es, plur. die -blätter, S. das vorige.
 
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Das Schleusengêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches zur Unterhaltung einer Schleuse von den durchfahrenden Schiffen, oder andern Theilnehmern, gefordert und entrichtet wird; der Schleusenzoll, im mittlern Lat. Exclusagium.

 

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