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Schlêppen bis Schlêppriegel (Bd. 3, Sp. 1524 bis 1525)
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Artikelverweis  Schlêppen, verb. reg. welches theils von schlaff, schlapp abstammet, theils auch das Intensivum von schleifen ist. Es ist in doppelter Gestalt üblich.
   I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, schlaff auf der Erde nachschleifen, wo der Begriff des Schlaffen der herrschende ist. Das Kleid, der Mantel schleppt. Das Kleid schleppen lassen. Der Anker schleppt in der Schifffahrt, wenn er aus dem Grunde weicht und auf dem Boden des Meeres nachschleifet. Figürlich gebraucht man es auch von der Schreibart und der Art des Vortrages. Eine schleppende Schreibart, welche mit unnöthigen Wiederholungen und Nebenbegriffen überladen ist.
   II. Als ein Activum, wo es zunächst das Intensivum von schleifen ist, und den verstärkten Laut nachahmet, welchen ein schwerer Körper macht, wenn er geschleifet wird. 1. Eigentlich, wo es überhaupt von dem langsamen Ziehen schwerer oder widerstehender Dinge gebraucht wird. Die Pferde können den Wagen kaum aus dem Kothe schleppen. Jemanden fortschleppen, der Widerstand leistet. Ingleichen von dem Tragen schwerer Lasten, weil dieses dem äußern Anscheine nach mit einer Art des Ziehens verbunden ist. Etwas kaum fortschleppen können, kaum forttragen. Sich mit etwas schleppen, eine schwere Last tragen. 2. Figürlich. 1) Eine lästige unangenehme Sache, ingleichen eine verächtliche Sache bey sich führen, und in noch weiterer Bedeutung, mit solchen Personen oder Sachen verbunden seyn; da es denn als ein Reciprocum üblich ist. Sich mit jemanden schleppen, mit einer verächtlichen Person genau verbunden seyn, oder doch auf eine verächtliche Art mit derselben verbunden seyn. Sich mit Grillen, mit einer Krankheit schleppen, als mit einer lästigen, unangenehmen Sache. 2) Sehr häufig wird es im Hochdeutschen für das mehr Oberdeutsche schleifen gebraucht, auch von leichten Dingen, da denn wieder der Begriff der Schlaffheit der herrschende wird. Ein Band, einen Strick hinter sich her schleppen. Wo man doch in der anständigern Sprechart lieber schleifen gebraucht. So auch das Schleppen.
   Anm. Im Nieders. slepen, im Schwed. släppa, welches aber eigentlich nachlassen, schlaff machen bedeutet, im Böhm. sslepowati, ziehen. S. Adelung Schleifen, Schlaff und Schlapp.
 
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Der Schlêppenträger, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Schleppe.
 
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Der Schlêpper, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz, große breite und schwere Rechen, welche von Pferden geschleppet werden, die in der Ernte verloren gegangenen Halmen damit zusammen zu rechen, S. Adelung Hungerrechen.

[Bd. 3, Sp. 1525]



 
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Der Schlêpphaken, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, der Haken an der Schleppkette, Zimmerholz u. s. f. damit fortzuschleppen; die Schleppklammer.
 
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Der Schlêppkasten, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Kasten, Erz und Gestein darin aus den Stollen zu schleppen, wenn man den Karren nicht anbringen kann.
 
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Die Schlêppkêtte, plur. die -n, eben daselbst, eine Kette, Lasten vermittelst derselben fortzuschleppen.
 
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Die Schlêppklammer, plur. die -n, S. Adelung Schlepphaken.
 
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Das Schlêppkleid, des -es, plur. die -er, ein hinten mit einer Schleppe versehenes, hinten nachschleifendes Kleid, besonders bey dem weiblichen Geschlechte, wo es in manchen Gegenden auch ein Schlender und Schlumper, und im Franz. Andrienne genannt wird.
 
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Der Schlêppkübel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Kübel im Bergbaue, welche auf flachen aber nicht senkrecht gehenden Schächten gebraucht wird, weil er auf der einen Fläche des Schachtes gleichsam schleppet.
 
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Das Schlêppnètz, des -es, plur. die -e, ein Netz der Fischer, welches im Ziehen auf dem Grunde des Wassers hinschleppet. S. Adelung Schleppsack.
 
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Der Schlêppriegel, des -s, plur. ut nom. sing. an den Deutschen Cassen-Schlössern, der große Riegel, welcher die übrigen in Bewegung setzet.

 

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