Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schlênge bis Schlêppkleid (Bd. 3, Sp. 1523 bis 1525)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Schlênge, plur. die -n, ein nur in den Niederdeutschen Marschländern übliches Wort, ein in das Wasser gebauetes Flechtwerk zur Abhaltung des Wassers zu bezeichnen, welches daselbst auch eine Schlacht genannt wird. Die Fluthschlenge, ein solcher aus Flechtwerk und Faschinen bestehender Damm, das Wasser zur Zeit der Fluth abzuhalten. Die Scherschlenge, eine auf Ebbe und Fluth angelegte Schlenge in Gestalt einer Krebschere. Daher das Schlengengeld, der Schlengenmeister u. s. f. in eben den Bedeutungen, in welchen daselbst auch Schlachtgeld, Schlachtmeister u. s. f. üblich sind. Es ist von dem Niederd. schlengen, schlingen, winden, flechten.
 
Artikelverweis 
Schlênkern, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Für schlendern; wo es doch nur in einigen gemeinen Sprecharten üblich ist. 2) Sich nachlässig hin und her bewegen, von schlanken biegsamen Körpern. Die Arme schlenkern lassen. 2. Als ein Activum, mit einer zitternden oder mit einem mehrmaligen Stoße verbundenen Bewegung werfen, Paulus schlenkerte die Otter ins Feuer, Apost. 28, 5. Jemanden Koth an die Kleider schlenkern, so wohl im Gehen mit den Füßen, als auch von den Rädern eines Wagens. Mit den Armen im Gehen schlenkern sie nachlässig hin und her werfen. Im Ober- und Niederdeutschen ist es auch für schläudern üblich, wo auch Schlenker eine Schläuder ist. So auch das Schlenkern.
   Anm. Im Nieders. slenkern, slingern, slunkern, im Holländ. slingeren. Es ist das Intensivum oder Frequentativum von dem im Hochdeutschen veralteten schlenken, wovon schlank abstammet, und welches wiederum ein Intensivum von schlentzen, schlingen ist. Im Engl. ist daher to sling, und im Schwed. slängia, für unser schlenkern üblich. Bey dem Pictorius ist der Schlenker ein Schlender, Schlumper oder weibliches Schleppkleid.
 
Artikelverweis 
Die Schlêppe, plur. die -n, Diminut. das Schleppchen, Oberd. Schlepplein, von dem Zeitworte schleppen. 1) Bey dem andern Geschlechte in vielen Gegenden ist die Schleppe, in Baiern Schlappe, eine Art der Bekleidung des Kopfes, welche mit einer dreyeckigen Spitze die Stirn bedecket. In weiterer Bedeutung ist es eine leinwandene u. s. f. Bekleidung des Kopfes, welche mehr aus einem Überschlage bestehet, der hinten zugezogen, und oft auch nur eine Mütze genannt wird. Vermuthlich weil eine solche Bekleidung den Kopf nur schlaff bedecket, oder doch anfänglich eine nur schlaffe Bekleidung war. Im Nieders. ist Schlippe die Schürze.

[Bd. 3, Sp. 1524]


2) Ein schleppendes Ding, besonders derjenige Theil eines Kleides, welcher auf der Erde nachschleppet. Die Schleppe eines Mantels, eines Frauenzimmerkleides, siehe Schleppkleid. Jemanden die Schleppe tragen, die Schleppe des Kleides oder Mantels, daher derjenige, welcher vornehmen Personen die Schleppe nachträgt, der Schleppenträger genannt wird. Im Niedersächsischen heißt die Schleppe eines Kleides Sleep, Slepe, sonst auch im Hochdeutschen der Schweif, bey den Schwäbischen Dichtern der Gehren, der Pfeil, in einigen Oberdeutschen Gegenden die Zesche, von ziehen. 3) Ein Werkzeug zum Schleppen; in welchem Verstande im Bergbaue die zwey Stangen, worauf der Schlepptrog fortgeschleppet wird, Schleppen heißen. 4) Bey den Papiermachern ist die Schleppe ein dünnes schmales Bret mit wollenem Beuteltuche überzogen, welches auf die aus der Presse genommenen noch nassen Papierbogen gelegt, und auch der Schlitten genannt wird; vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit, da denn Schleppe so viel als Schleife seyn würde.
 
Artikelverweis 
Schlêppen, verb. reg. welches theils von schlaff, schlapp abstammet, theils auch das Intensivum von schleifen ist. Es ist in doppelter Gestalt üblich.
   I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, schlaff auf der Erde nachschleifen, wo der Begriff des Schlaffen der herrschende ist. Das Kleid, der Mantel schleppt. Das Kleid schleppen lassen. Der Anker schleppt in der Schifffahrt, wenn er aus dem Grunde weicht und auf dem Boden des Meeres nachschleifet. Figürlich gebraucht man es auch von der Schreibart und der Art des Vortrages. Eine schleppende Schreibart, welche mit unnöthigen Wiederholungen und Nebenbegriffen überladen ist.
   II. Als ein Activum, wo es zunächst das Intensivum von schleifen ist, und den verstärkten Laut nachahmet, welchen ein schwerer Körper macht, wenn er geschleifet wird. 1. Eigentlich, wo es überhaupt von dem langsamen Ziehen schwerer oder widerstehender Dinge gebraucht wird. Die Pferde können den Wagen kaum aus dem Kothe schleppen. Jemanden fortschleppen, der Widerstand leistet. Ingleichen von dem Tragen schwerer Lasten, weil dieses dem äußern Anscheine nach mit einer Art des Ziehens verbunden ist. Etwas kaum fortschleppen können, kaum forttragen. Sich mit etwas schleppen, eine schwere Last tragen. 2. Figürlich. 1) Eine lästige unangenehme Sache, ingleichen eine verächtliche Sache bey sich führen, und in noch weiterer Bedeutung, mit solchen Personen oder Sachen verbunden seyn; da es denn als ein Reciprocum üblich ist. Sich mit jemanden schleppen, mit einer verächtlichen Person genau verbunden seyn, oder doch auf eine verächtliche Art mit derselben verbunden seyn. Sich mit Grillen, mit einer Krankheit schleppen, als mit einer lästigen, unangenehmen Sache. 2) Sehr häufig wird es im Hochdeutschen für das mehr Oberdeutsche schleifen gebraucht, auch von leichten Dingen, da denn wieder der Begriff der Schlaffheit der herrschende wird. Ein Band, einen Strick hinter sich her schleppen. Wo man doch in der anständigern Sprechart lieber schleifen gebraucht. So auch das Schleppen.
   Anm. Im Nieders. slepen, im Schwed. släppa, welches aber eigentlich nachlassen, schlaff machen bedeutet, im Böhm. sslepowati, ziehen. S. Adelung Schleifen, Schlaff und Schlapp.
 
Artikelverweis 
Der Schlêppenträger, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Schleppe.
 
Artikelverweis 
Der Schlêpper, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz, große breite und schwere Rechen, welche von Pferden geschleppet werden, die in der Ernte verloren gegangenen Halmen damit zusammen zu rechen, S. Adelung Hungerrechen.

[Bd. 3, Sp. 1525]



 
Artikelverweis 
Der Schlêpphaken, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, der Haken an der Schleppkette, Zimmerholz u. s. f. damit fortzuschleppen; die Schleppklammer.
 
Artikelverweis 
Der Schlêppkasten, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Kasten, Erz und Gestein darin aus den Stollen zu schleppen, wenn man den Karren nicht anbringen kann.
 
Artikelverweis 
Die Schlêppkêtte, plur. die -n, eben daselbst, eine Kette, Lasten vermittelst derselben fortzuschleppen.
 
Artikelverweis 
Die Schlêppklammer, plur. die -n, S. Adelung Schlepphaken.
 
Artikelverweis 
Das Schlêppkleid, des -es, plur. die -er, ein hinten mit einer Schleppe versehenes, hinten nachschleifendes Kleid, besonders bey dem weiblichen Geschlechte, wo es in manchen Gegenden auch ein Schlender und Schlumper, und im Franz. Andrienne genannt wird.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: