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Schleißfêder bis Schlêppe (Bd. 3, Sp. 1522 bis 1523)
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Artikelverweis Die Schleißfêder, plur. die -n, die stärkern Federn, welche geschlissen werden müssen, wenn man sie in den Federbetten gebrauchen will; zum Unterschiede von den Flaumfedern.
 
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Das Schleißholz, des -es, plur. inus. zu Schleißen dienliches Holz. Besonders ist das Holz des Kienbaumes in einigen Gegenden unter diesem Nahmen bekannt.
 
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Die Schleißzwiebel, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Winterzwiebeln, weil sie sich oben zu schleißen oder zu spalten pflegen; Spaltzwiebel.
 
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Schlêmmen, S. Adelung Schlämmen.
 
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Der Schlênder, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte schlendern. 1) Ein schlendernder Gang; wo es doch eigentlich nicht gewöhnlich ist, wohl aber zuweilen figürlich für Schlendrian, d. i. die Fertigkeit zu Handlungen einer Art ohne Bewußtseyn der Bestimmungsgründe, das Herkommen; Nieders. Slender, am Niederrheine der Schlaun. Man lasse ihn nach dem Schlenter (Schlender) so vieler beliebter Künstler nach der Mode zeichnen, Geßn. 2) In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. zu Wien, auch im Niedersächsischen, ist Schlender, so wie Schlumper, ein Schleppkleid des weiblichen Geschlechtes.
 
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Der Schlêndergang, des -es, plur. inus. 1) Ein schlenderhafter, schlendernder Gang. Seinen Schlendergang gehen. 2) Wie Schlender 1 und Schlendrian. Dem alten Schlendergange folgen. S. Adelung Schlendrian.
 
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Schlêndern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, bey einigen mit haben, langsam, träge und gedankenlos einher gehen; Nieders. slendern, in einigen Oberdeutschen Gegenden schlenzen, im Mecklenb. sleusen, im Osnabrück. sluren, im Brem. keyern. Allein ich schlentre (schlendre) mit, Haged. Sie waren ohngefähr eine Meile fortgeschlendert.
   Indessen mag er (der Pegasus) doch um deine Tafel schlendern,
   Günth.
   Wenn mit Bacchus oder Cypria
   Ich den Scherz im Nachtrock schlendern sah,
   Götting. Musen-Alman. 1776. So auch das Schlendern.
   Anm. Im Schwed. slentra, welches aber auch überhaupt müßig seyn und müßig gehen bedeutet, wo auch slens müßig ist, im Franz. lanterner, ohne Zischlaut. Es ist das Iterativum oder Intensivum von einem veralteten slenden, welches ein Ausdruck der trägen, gedankenlosen Bewegung ist, und wohin, wenn man den Zischlaut wegnimmt, auch das Lat. lentus gehöret. Im Holländ. ist slindern kriechen. Die Schreibart schländern läßt sich mit nichts vertheidigen, so wie schlentern wider die allgemeine Aussprache

[Bd. 3, Sp. 1523]


streiket, zu geschweigen, daß das t auch der Sache selbst nicht angemessen ist.
 
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Der Schlếndriān, des -s, plur. die -e, im figürlichen Verstande, die Fertigkeit Handlungen einer Art auf eine gedankenlose Art zu verrichten, ohne Plural; ingleichen, Handlungen, welche man nach gewissen Vorschriften auf eine gedankenlose Art, d. i. ohne Bewußtseyn der Bestimmungsgründe, verrichtet. Den Schlendrian verstehen, die hergebrachte Gewohnheit. Dem alten Schlendrian folgen. So wollen sie auch der Väter ihren Schlendrian mitmachen, und ihrer Tochter einen Mann wählen? Schleg.
   Anm. Schon im Narrenschiffe Schlendrianus, im Schwed. Slenterjan, im Nieders. Slenderjaan. Ihre und Stosch glauben, daß es aus Schlendergang verderbt worden; allein die letzte Hälfte kann auch bloß die Lateinische Endung ianus seyn, welche man dem Worte Schlender im Scherze angehängt, um demselben dadurch ein Lateinisches Ansehen zu geben, so wie Grobian oder Grobianus, und andere auf eben dieselbe Art gebildet sind. Das Nieders. Slenderjaan bedeutet auch einen müßigen nachlässigen Menschen, bey welchem das Schlendern zur Fertigkeit geworden ist.
 
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Die Schlênge, plur. die -n, ein nur in den Niederdeutschen Marschländern übliches Wort, ein in das Wasser gebauetes Flechtwerk zur Abhaltung des Wassers zu bezeichnen, welches daselbst auch eine Schlacht genannt wird. Die Fluthschlenge, ein solcher aus Flechtwerk und Faschinen bestehender Damm, das Wasser zur Zeit der Fluth abzuhalten. Die Scherschlenge, eine auf Ebbe und Fluth angelegte Schlenge in Gestalt einer Krebschere. Daher das Schlengengeld, der Schlengenmeister u. s. f. in eben den Bedeutungen, in welchen daselbst auch Schlachtgeld, Schlachtmeister u. s. f. üblich sind. Es ist von dem Niederd. schlengen, schlingen, winden, flechten.
 
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Schlênkern, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Für schlendern; wo es doch nur in einigen gemeinen Sprecharten üblich ist. 2) Sich nachlässig hin und her bewegen, von schlanken biegsamen Körpern. Die Arme schlenkern lassen. 2. Als ein Activum, mit einer zitternden oder mit einem mehrmaligen Stoße verbundenen Bewegung werfen, Paulus schlenkerte die Otter ins Feuer, Apost. 28, 5. Jemanden Koth an die Kleider schlenkern, so wohl im Gehen mit den Füßen, als auch von den Rädern eines Wagens. Mit den Armen im Gehen schlenkern sie nachlässig hin und her werfen. Im Ober- und Niederdeutschen ist es auch für schläudern üblich, wo auch Schlenker eine Schläuder ist. So auch das Schlenkern.
   Anm. Im Nieders. slenkern, slingern, slunkern, im Holländ. slingeren. Es ist das Intensivum oder Frequentativum von dem im Hochdeutschen veralteten schlenken, wovon schlank abstammet, und welches wiederum ein Intensivum von schlentzen, schlingen ist. Im Engl. ist daher to sling, und im Schwed. slängia, für unser schlenkern üblich. Bey dem Pictorius ist der Schlenker ein Schlender, Schlumper oder weibliches Schleppkleid.
 
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Die Schlêppe, plur. die -n, Diminut. das Schleppchen, Oberd. Schlepplein, von dem Zeitworte schleppen. 1) Bey dem andern Geschlechte in vielen Gegenden ist die Schleppe, in Baiern Schlappe, eine Art der Bekleidung des Kopfes, welche mit einer dreyeckigen Spitze die Stirn bedecket. In weiterer Bedeutung ist es eine leinwandene u. s. f. Bekleidung des Kopfes, welche mehr aus einem Überschlage bestehet, der hinten zugezogen, und oft auch nur eine Mütze genannt wird. Vermuthlich weil eine solche Bekleidung den Kopf nur schlaff bedecket, oder doch anfänglich eine nur schlaffe Bekleidung war. Im Nieders. ist Schlippe die Schürze.

[Bd. 3, Sp. 1524]


2) Ein schleppendes Ding, besonders derjenige Theil eines Kleides, welcher auf der Erde nachschleppet. Die Schleppe eines Mantels, eines Frauenzimmerkleides, siehe Schleppkleid. Jemanden die Schleppe tragen, die Schleppe des Kleides oder Mantels, daher derjenige, welcher vornehmen Personen die Schleppe nachträgt, der Schleppenträger genannt wird. Im Niedersächsischen heißt die Schleppe eines Kleides Sleep, Slepe, sonst auch im Hochdeutschen der Schweif, bey den Schwäbischen Dichtern der Gehren, der Pfeil, in einigen Oberdeutschen Gegenden die Zesche, von ziehen. 3) Ein Werkzeug zum Schleppen; in welchem Verstande im Bergbaue die zwey Stangen, worauf der Schlepptrog fortgeschleppet wird, Schleppen heißen. 4) Bey den Papiermachern ist die Schleppe ein dünnes schmales Bret mit wollenem Beuteltuche überzogen, welches auf die aus der Presse genommenen noch nassen Papierbogen gelegt, und auch der Schlitten genannt wird; vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit, da denn Schleppe so viel als Schleife seyn würde.

 

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