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Schleimstein bis Schleißzwiebel (Bd. 3, Sp. 1520 bis 1522)
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Artikelverweis Der Schleimstein, des -es, plur. die -e. 1) Eine Art weißlicher Steine, welche schlüpfrig, wie ein Schleim anzufühlen

[Bd. 3, Sp. 1521]


sind. 2) Auch die Krebssteine führen zuweilen diesen Nahmen, weil sie aus einem Schleime entstehen sollen.
 
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Der Schleißbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden ein Nahme des Kienbaumes, weil sein fettes Holz häufig zu leuchtenden Schleißen gebraucht wird; die Schleißkiefer. S. Adelung Fichte.
 
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Die Schleiße, plur. die -n, von dem Zeitworte schleißen. 1) Dünne lange geschliffene oder gespaltene Späne führen sehr häufig den Nahmen der Schleißen; von welcher Art besonders die aus dem Holze des Kienbaumes gerissenen Späne sind, deren sich die gemeinen Leute auf dem Lande und nahe an holzreichen Wäldern anstatt der Lichte und der Fackeln bedienen; Leuchtspane. Im mittlern Lat. Esclichium, Franz. Èclisse. 2) Die abgezupften oder geschabten Fäden, deren sich die Wundärzte zu den Wunden bedienen, werden in manchen Gegenden gleichfalls Schleißen genannt. In andern heißen sie Meißeln, (S. 1 Meißel,) gemeiniglich aber mit einem aus dem Französischen entlehnten Kunstworte Charpie. 3) In einigen Gegenden sind die Schleißen eine Art grober Nudeln, Böhm. Ssleyssky; vielleicht weil sie nur von dem Teige abgeschliffen oder abgerissen werden.
 
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Schleißen, verb. irreg. Imperf. ich schliß, (in einigen Gegenden schloß,) Mittelw. geschlissen, (in einigen Gegenden geschlossen;) Imper. schleiß. Es ist eine Onomatopöie, welche den Laut einer zwar schnellen, aber doch gleichförmigen etwas heftigen Bewegung nachahmet und daher in allen den Fällen gebraucht wird, wo dieser Laut Statt findet, ob es gleich im Hochdeutschen sehr veraltet ist, und kaum noch hin und wieder in einigen Fällen gebraucht wird. Es kommt in doppelter Gestalt vor.
   I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, aber im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird. 1) Reißen, spalten, abgenutzet werden, vergehen, alle in neutraler Bedeutung; Nieders. sliten. Die Kinder schleißen allgemach, fangen an zu schleißen, zu reißen, im Oberdeutschen. 2) * Entweichen, die Flucht ergreifen, einen Ort verlassen, wo es sich von lassen nur durch den Zischlaut unterscheidet; eine noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche Bedeutung. Wir mußten Haus und Hof schleißen, verlassen, Scheuchz. Nieders. ehedem sleiten. 3) * Vergehen, ingleichen verfließen, von der Zeit; Niedersächs. sliten. Ehe noch zehen Jahre schleißen, verfließen, in einigen Oberdeutschen Gegenden.
   II. Als ein Activum, schleißen machen, in den Bedeutungen des vorigen Neutrius. 1) Reißen, spalten; bey dem Ottfried sleizan, der es auch figürlich für verletzen, übertreten gebraucht, da es denn von laedere, und unserm letzen in verletzen nur durch den Zischlaut unterschieden ist. Weiden schleißen, spalten. Rienholz schleißen, zu Schleißen spalten. Federn schleißen, den weichen haarigen Theil von dem Kiele reißen; Nieders. spleeten. Geschlissene Federn, in einigen Gegenden geschlossene; im Gegensatze der ungeschlissenen. Rinden schleißen, wofür im Hochdeutschen schälen oder abschälen üblicher ist. Im Oberdeutschen schleißet man auch Steine, welche man im Hochdeutschen spaltet. In noch weiterm Verstande schleißet man in einigen Oberdeutschen Gegenden Häuser, Mauern und Städte, wofür im Hochdeutschen schleifen, üblicher ist; Nieders. sliten. 2) * Fortbewegen, fortgehen machen, welche Bedeutung noch in verschleißen übrig ist, (S. dasselbe.) 3) * Zu Ende bringen, endigen; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, welche in dem Nieders. sliten sehr gangbar ist. 4) Mit Schleißen versehen; Nieders. slesen. Zwey Breter schleißen, ihre Fugen mit Schleißen verstopfen. So auch das Schleißen.
   Anm. Das Schwed. slita hat alle Bedeutungen mit unserm schleißen und dem Niedersächsischen sliten gemein, und bedeutet

[Bd. 3, Sp. 1522]


über dieß auch leiden, vermuthlich als ein durch den intensiven Zischlaut aus leiden gebildetes Wort. Unser Schlitten und schlitzen sind Intensiva von schleißen, welches überhaupt den Laut einer schnellen einförmigen Bewegung auf einer Fläche nachahmet. Im Hochdeutschen sagt man fast häufiger schließen, ich schloß und geschlossen, als schleißen, schliß und geschlissen. (Siehe auch 1 Schließen.) In manchen Gegenden gehet es regulär; ich schleißete, geschleißet.
 
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Die Schleißenkiefer, plur. die -n, S. Schleißenbaum.
 
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Der Schleißenschnitzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein an der Spitze gekrümmtes Messer mit einem dicken Rücken, die Schleißen oder Leuchtspäne damit zu schleißen, d. i. zu spalten.
 
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Der Schleißenstamm, des -es, plur. die -stämme, ein zu Schleißen dienlicher, zu Schleißen bestimmter Stamm.
 
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Der Schleißenstock, des -es, plur. die -stöcke, in den Gegenden, wo sich die gemeinen Leute der Schleißen zum Leuchten bedienen, ein an einem Ende mit Eisen beschlagener Stock, die Schleiße darein zu stecken.
 
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Die Schleißfêder, plur. die -n, die stärkern Federn, welche geschlissen werden müssen, wenn man sie in den Federbetten gebrauchen will; zum Unterschiede von den Flaumfedern.
 
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Das Schleißholz, des -es, plur. inus. zu Schleißen dienliches Holz. Besonders ist das Holz des Kienbaumes in einigen Gegenden unter diesem Nahmen bekannt.
 
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Die Schleißzwiebel, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Winterzwiebeln, weil sie sich oben zu schleißen oder zu spalten pflegen; Spaltzwiebel.

 

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