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Schleif bis Schleiflade (Bd. 3, Sp. 1516 bis 1519)
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Artikelverweis Der Schleif, ein nur in der Zusammensetzung Unterschleif übliches Wort, S. dasselbe.
 
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Die Schleifbank, plur. die -bänke, eine Bank, d. i. ein Gestell, auf und vor derselben zu schleifen, dergleichen die Glasschleifer, Edelsteinschneider u. s. f. haben.
 
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Der Schleifbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Webern, ein Baum, an welchem das Werft herunter schleifet oder schleichet, damit sie straff anhalte.
 
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Die Schleife, plur. die -n, von dem regulären Zeitworte schleifen. 1. Was geschleifet wird. 1) Bey den Jägern wird jede stark riechende Lockspeise, welche an eine Schnur gebunden und vor dem Holze her geschleppet wird, so wohl Schleife, als Schleppe und das Geschlepp genannt. In einigen Oberdeutschen Gegenden führet auch die Schleppe eines Kleides den Nahmen einer Schleife. 2) Eine Schlinge, sie bestehe nun aus Fäden, Haaren oder Draht, ist sehr häufig unter dem Nahmen der Schleife bekannt, Nieders. Slepe; ob man gleich bey den Jägern und Vogelstellern einen Unterschied macht, und ein solches Werkzeug, wenn sich das Federwild darin an dem Halse fängt, eine Schlinge, wenn es sich aber an den Füßen fängt, eine Schleife nennet. Ferner sind die Schleifen das, was man sonst auch Öhre, im Nieders. Öhsen nennet, sie bestehen nun aus einer biegsamen oder festen Materie. Die Schleifen an der Leinwand, womit sie im Bleichen an die Pflöcke befestiget wird, bestehen aus Band. Die kleinen Öhre von Draht, das Häkchen aufzunehmen, heißen in vielen Gegenden Schleifen, und in andern hat man auch aus biegsamen Holze gebogene Schleifen, dergleichen z. B. die an den Schleifkannen sind, (S. dieses Wort.) Von noch anderer Art sind die aus Band gemachten Schleifen zur Zierde, welche aus Einer oder mehrern Schleifen der vorigen Art bestehen und auch Maschen genannt werden. Die Hutschleife, Halsschleife u. s. f.
   Den weißen Hals umgab ein schwarzes seidnes Band,
   Das sich bey seinem Kinn in eine Schleife wand,
   Zachar. 3) Auf den Gränz- und Marksteinen werden die willkührlichen Zeichen, welche auf dieselben eingehauen werden, sie bestehen nun aus Kerben und Linien oder aus andern Figuren, Schleifen genannt. Vermuthlich von dem Nieders. Intensivo Slopp, ein tiefer Einschnitt, eine Fleischwunde, welches ein Zeitwort schleifen voraus setzet, welches schneiden bedeutet hat, und zu welchem ohne Zischlaut das Wallis. Ilifio, feilen, gehöret.
   2. Ein Werkzeug, darauf oder damit zu schleifen, in welchem Verstande besonders ein kleiner plumper Schlitten, Lasten darauf fortzuschleifen, eine Schleife genannt wird. Steine, Waaren auf der Schleife fortschaffen. Die Sturmfässer stehen gleichfalls auf solchen Schleifen. Nieders. Slöpe, im Österreichischen die Schlapfen.
 
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Schleifen, ein Zeitwort, welches so, wie alle, eine unmittelbare Nachahmung eines eigenthümlichen Lautes ist, und hernach zu Bezeichnung aller derjenigen Handlungen gebraucht wird, welche mit diesem Laute verbunden sind, oder doch zuerst unter demselben gedacht wurden. Daher kommt es denn, daß es in mehrern, dem Anscheine nach so verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. Es ist in doppelter Gestalt üblich.
   I. Als ein reguläres Zeitwort, welches wiederum in einer zwiefachen Form vorkommt.
   1. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, eigentlich einen schleifenden Laut von sich geben, und in weiterer

[Bd. 3, Sp. 1517]


Bedeutung, sich mit diesem Laute fortbewegen; wo es noch in manchen Gegenden für schleichen und das sehr nahe verwandte schliefen, dessen Intensivum schlüpfen und schlüpferig ist, gebraucht wird. Nieders. slipen, Engl. to slipp, Angels. slipan, Schwed. släpa, slipa, kriechen, ingleichen heimlich entfliehen. Daher ist für Schleichhandel auch Schleifhandel, für Schleichweg auch Schleifweg, für Schleichtreppe auch Schleiftreppe üblich. Im Hochdeutschen kommt es in dieser Bedeutung nur selten vor.
   2. Als ein Activum, einen schleifenden Laut hervor bringen, und in weiterer Bedeutung diejenige Veränderung mit einem Dinge vornehmen, welche mit diesem Laute verbunden ist.
   1) Einen Buchstaben schleifen, ihn ohne Stoß aussprechen. So wird das f geschleifet, dagegen das v gestoßen wird. In einem andern Verstande wird ein Buchstab geschleifet, wenn er gelinde und ohne Stoß mit dem folgenden Selbstlaute verbunden wird; z. B. Leibes, wo das b sanft in das e übergehet. Eben so werden in der Musik zwey Noten geschleifet, wenn sie ohne Stoß mit einander verbunden werden, daher zwey oder mehrere auf solche Art verbundene Noten auch wohl ein Schleifer genannt werden.
   2) Einen Knoten schleifen, ihn vermittelst einer Schleife, eines um sich selbst geschlungenen Bandes oder Fadens, hervor bringen.
   3) Einen auf einer Fläche ausgedehnten Körper unmittelbar auf derselben fortziehen. (a) Eigentlich, wo man es in einigen Gegenden in allen den Fällen gebraucht, wo dieser Begriff Statt findet. Z. B. ein Kleid schleifen, nach sich schleifen, einen Theil desselben auf der Erde nach sich ziehen; ein Kleid schleifen lassen; der Mantel schleift, als ein Neutrum, wird auf der Erde fortgezogen. Ich will Samaria zum Steinhaufen machen, und will ihre Steine ins Thal schleifen, Micha 1, 6. Die Juden schleifeten den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt, Apost. 17, 6. In welchen sämmtlichen Fällen im Hochdeutschen schleppen üblicher ist, indem man daselbst schleifen nur von größern Körpern gebraucht, wenn sie auf die obige Art fortgezogen werden. Ein Stück Bauholz aus dem Walde schleifen, es ganz oder zum Theil auf der Erde liegend, aus dem Walde fortziehen lassen. Einen Missethäter auf einer Haut zum Richtplatze schleifen. Die Juden steinigten Paulum und schleiften ihn zur Stadt hinaus, meynten, er wäre gestorben, Apost. 14, 19. Das Pferd schleifte seinen Reiter. Im Fischfange schleifet man, wenn man mit einem Garne hart auf dem Grunde herfähret, (S. Adelung Schleifhamen.) Man siehet hieraus, daß schleifen im Hochdeutschen gerade nur in den Fällen üblich ist, wo der damit verbundene Laut diesem Worte angemessen ist. Schleppen ist zwar gewisser Maßen das Intensivum davon, allein es tritt in demselben auch der Begriff des schlapp mit ein, daher dasselbe in mehrern Fällen üblich ist als schleifen. Wenn aber die Oberdeutschen das letztere in allen Fällen für schleppen gebrauchen, so scheinet sich alsdann der Begriff des schlaff damit zu verbinden. In noch engerer Bedeutung schleifet man Waaren, Güter, Laster u. s. f. wenn man sie auf einer Schleife von einem Orte zum andern schaffet. (b) Figürlich. Eine Feuermauer schleifen, sie nach einer schiefen Richtung führen, anstatt sie senkrecht gehen zu lassen. Eine geschleifte Feuermauer. S. auch Schleiflade.
   4) Einreißen, zerstören. Im Niedersächsischen ist ein Schiff slopen, es, wann es baufällig ist, aus einander nehmen oder einreißen. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur von Städten und Schlössern, seltener von Gebäuden und Mauern, wenn sie mit Gewalt zerstöret und gleichsam dem Erdboden gleich gemacht werden. Wir müssen das Land räumen, denn sie haben

[Bd. 3, Sp. 1518]


unsere Wohnungen geschleifet, Jer. 9, 19. Eine Stadt, ein Schloß schleifen lassen.
   Die Mauern hast du ihm herunter lassen reißen,
   Und seine Festungen ganz schleifen und zerschmeißen,
   Opitz. Ps. 89. Mit andern Endlauten ist dafür im Nieders. sligten, (schlichten, von schlecht, eben,) und in der Schweiz schleizen (S. Adelung Schleißen) üblich.
   II. Als ein irreguläres Zeitwort; Imperf. ich schliff; Mittelw. geschliffen; Imperat. schleife oder schleif. Auch dieses wird in einer zwiefachen Form gebraucht.
   1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Von dem Auerhahne sagt man, daß er schleife, wenn er im Balzen einen aus Zischen und Kirren zusammen gesetzten Laut von sich hören läßt, von welchem das Wort schleifen eine Nachahmung ist. 2) Stehend auf dem glatten Eise fortfahren, auch als eine unmittelbare Nachahmung des damit verbundenen Lautes. S. Adelung Gleiten.
   2. Als ein Activum, durch Umdrehung einer scharf oder glatt machenden Scheide schärfen oder polieren. Messer, Scheren schleifen, durch Haltung an den um seine Achse sich drehenden Schleifstein; wodurch sich wetzen von schleifen unterscheidet. Ein geschliffener Degen. Glas, Marmor, Edelsteine schleifen, ihnen vermittelst einer um ihre Achse beweglichen Scheibe Glätte und Glanz ertheilen. Von den Edelsteinen sagt man auch schneiden. Figürlich bedeutete es ehedem auch gesittet machen, welche Bedeutung doch jetzt nur noch in dem Gegensatze ungeschliffenen übrig ist, S. dasselbe.
   So auch das Schleifen, und in einigen wenigen activen Bedeutungen des regulären Zeitwortes die Schleifung.
   Anm. Bey dem Ottfried, der es auch für fortgehen, fortschreiten gebraucht, sleifan, in dem alten Gedichte des heil. Anno in der letzten activen Bedeutung des irregulären Zeitwortes slifan, wovon noch das irreguläre Imperfect und Mittelwort unsers heutigen schleifen abstammen, im Österreich. schlaipfen, im Nieders. slepen, sliepen, im Schwed. slipa, im Wallis. yslipanu, wo ohne Zischlaut auch Ilifo schärfen, und Ilifio feilen ist, wohin auch das Lat. laevis, glatt, laevigare, glätten, und Griech. λειος, glatt, gehören. Schleppen ist das Intensivum davon, so wie auch schliefen und dessen Intensivum schlüpfen nahe damit verwandt sind.
 
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Der Schleifer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein schleifendes Ding. In der Musik, zwey oder mehrere mit einander verbundene Noten. Bey dem Sprungfischen wird das untere längere Ende der Angel der Schleifer genannt, zum Unterschiede von dem Hüpfer. 2) Eine Person, welche schleifet, in der activen Bedeutung des irregulären Zeitwortes, besonders, wenn sie ihr Geschäft daraus macht; Fämin. die Schleiferinn. Am häufigsten in den Zusammensetzungen Scherenschleifer, Schwertschleifer, Rauhschleifer, Glasschleifer. 3) Ein alter Deutscher Tanz, welcher noch hin und wieder auf dem Lande üblich ist, und ein Sinnbild der Bewerbung um Gegenliebe abgibt, da im ersten Theile die Sprödigkeit des Mädchens, im zweyten aber die Erhörung abgebildet wird. Daher das Schleiferlied, welches die Melodie desselben enthält.
 
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Die Schleifgöttinn, plur. die -en, bey den Handwerkern, und dem Schleifen, d. i. Deponiren des angehenden Gesellen, zwey andere Gesellen, welche bey dem Schleifen die Pathenstelle vertreten und dem Deponirten einen neuen Nahmen ertheilen; von dem Oberdeutschen Göthe, ein Pathe, daher sie in andern Gegenden auch Schleifpathen heißen.

[Bd. 3, Sp. 1519]



 
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Der Schleifhaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein oben links und unten rechts gekrümmter Haken, dessen sich die Scherenschleifer bedienen, und welchen sie auch in ihrem Wapen führen.
 
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Der Schleifhamen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fischerhamen, welcher hart auf dem Grunde des Wassers fortschleifet. Mit einem solchen Hamen fischen wird gleichfalls schleifen genannt.
 
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Die Schleifkanne, plur. die -n, eine hölzerne aus Dauben zusammen gesetzte Kanne von verschiedener Größe, mit einer Schnautze und Handhabe; die Humpe. Vielleicht von der auf dem Deckel befindlichen hölzernen Schleife oder Bügel, oder auch, weil man die größern Kannen dieser Art mehr schleifen als tragen muß.
 
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Die Schleiflade, plur. die -n, eine Art von Windladen in den Orgeln, vielleicht, weil sie geschleifet, d. i. schief geführet wird.

 

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