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Schleichen bis Schleife (Bd. 3, Sp. 1514 bis 1516)
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Artikelverweis  Schleichen, verb. irreg. Imperf. ich schlich; Mittelw. geschlichen; Imper. schleiche, schleich. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des langsamen, leisen, kaum in das Gehör fallenden Ganges, und in weiterer Bedeutung einer solchen Bewegung, und ist in doppelter Gestalt üblich.
   I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, sich auf solche Art fortbewegen.
   1. Für kriechen, doch zunächst nur von solchen Thieren, welche ohne alle Füße sich durch Bewegung des Leibes fortbewegen, dagegen kriechen sehr kurze Füße voraus setzet. Die Schlangen schleichen. Was auf Erden schleicht, soll euch unrein seyn, 3 Mos. 11, 41 f. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung wenig gangbar, weil man dafür kriechen gebraucht selbst von solchen Gewürmen, welche aller Füße beraubt sind. S. Adelung Blindschleiche.
   2. Einen leisen und dabey langsamen Gang haben, leise und langsam gehen, besonders so fern man dadurch seinen Gang zu verheimlichen sucht, und in weiterer Bedeutung, sich auf solche Art unbemerkt bewegen. 1) Eigentlich. Er schleicht wie eine Katze, wie ein Fuchs. Er ist davon geschlichen. Ein alter Bauer, der mit seinem Knotenstocke an der Hecke schlich. Jacobi.
   Gleich schlich zu seinem Glücke ein siecher Alter vor ihr Haus,
   Gell.
   Und schleicht mit scheuem Blicke
   Und mehr als diebischer Furcht zurücke,
   Haged. Die Pest, die im Finstern schleicht, Ps. 91, 6. Schleichend kommen, wofür doch, wie bey den meisten übrigen Zeitwörtern der eigenen Bewegung, das Mittelwort der vergangenen Zeit, geschlichen kommen, üblicher ist. Das Blut, das so träge in deinen Adern schleicht.
   Ha, wenn ein solcher Wunsch in meine Seele schlich,
   Weiße. Ingleichen in Gestalt eines Reciproci, wo es aber eigentlich das folgende Activum ist, daher es alsdann auch wie alle Reciproca das Hülfswort haben bekommt. Jetzt schlich ich leise zu ihrem Bette mich hin, Geßn. Sich in das Haus schleichen. Er schlich sich ganz leise wieder nach seinem Zimmer. Diese Thräne, die sich aus ihrem Auge schleicht, Less. In meine Spiele schleicht sich nicht späte Klage, Weiße. 2) Figürlich. (a) Ein schleichendes Fieber, welches den Kranken langsam und unbemerkt auszehret. (b) Ein Stück Butter zerschleichen lassen, in den Küchen, es langsam und bey gelinder Wärme zergehen lassen. (c) In seinem Betragen mit merklicher Verheimlichung seiner Absichten und Mittel verfahren. Von einem solchen Menschen sagt man, er schleiche. Ein schleichendes Wesen haben. Siehe Schleicher.
   II. Als ein Activum, auf eine leise und langsame Art fortbewegen; wo es doch nicht so gangbar ist, als das vorige Neutrum. Hier schlich sie ihre Hand in die seinige. Verbothene Waaren in eine Stadt schleichen, heimlich bringen, wofür doch schleifen üblicher ist.
   So auch das Schleichen.
   Anm. Bey dem Ottfried sleihen, bey dem noch ältern Kero slihhan, von welcher Form das Imperfect und Mittelwort unsers schleichen herstammen, im Nieders. sliken, im Schwed. slika, slinka, im Angels. mit dem Naselaute slincan, im Lettischen slenku. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, und daher mit Schlick und Schlich, Schleiche u. s. f. in welchen der Begriff des Schleimigen und Glatten der herrschende ist, nahe verwandt. S. auch Schleifen, welches diesem Zeitworte nahe angehöret.
 
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Der Schleicher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ding, eine Person, welche schleicht. In dem Thierreiche ist der Schleicher eine den Vipern ähnliche Art Eidechsen mit kurzen Füßen, Seps L. welcher auch Kurzbein genannt wird. Ingleichen von Menschen, eine Person, welche schleicht; auch figürlich, welche ihre Absichten auf eine unbemerkte Art zu erreichen sucht, wo von weiblichen Personen auch das weibliche Geschlecht, die Schleicherinn, üblich ist. Nieders. Sliker, Lieskentreder, Leisetreter.
 
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Der Schleichhandel, des -s, plur. inus. ein heimlicher Handel mit verbothenen, oder verstohlner Weise eingeführten erlaubten Waaren; Nieders. Sluuphandel, von sluppen, schliefen, schlüpfen, schlupfen, auch im Hochdeutschen wohl Schleifhandel.
 
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Der Schleichhändler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schleichhändlerinn, eine Person, welche einen Schleichhandel treibt, mit verbothenen Waaren handelt, oder erlaubte Waaren auf eine verbothene und verstohlene Art einführet oder verhandelt; der Schleifhändler. Im gemeinen Leben hat man verschiedene besondere Nahmen für solche Schleichhändler, wohin die Nieders. Lorrendreiher, Snuggeler, Engl. Smuggler, das Oberdeutsche Schwärzer, Pascher u. s. f. gehören, mit ihren Zeitwörtern snuggeln, schwärzen, paschen u. s. f. Schleichhandel treiben.
 
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Die Schleichtrêppe, plur. die -n, eine verborgene, nicht jedermann bekannte Treppe in einem Hause, mit niedrigen Stufen, vermittelst derselben in die obern Zimmer zu schleichen, d. i. unbemerkt zu kommen; die Schleiftreppe.

[Bd. 3, Sp. 1516]



 
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Der Schleichwêg, des -es, plur. die -e. 1) Ein Fußsteig in einem Gehölze, das Wild zu beschleichen; der Bürschsteig. 2) Ein heimlicher verbothener Weg, welcher nur verstohlner Weise befahren wird; der Schleifweg.
 
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Der Schleier, S. Adelung Schleyer.
 
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Der Schleif, ein nur in der Zusammensetzung Unterschleif übliches Wort, S. dasselbe.
 
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Die Schleifbank, plur. die -bänke, eine Bank, d. i. ein Gestell, auf und vor derselben zu schleifen, dergleichen die Glasschleifer, Edelsteinschneider u. s. f. haben.
 
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Der Schleifbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Webern, ein Baum, an welchem das Werft herunter schleifet oder schleichet, damit sie straff anhalte.
 
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Die Schleife, plur. die -n, von dem regulären Zeitworte schleifen. 1. Was geschleifet wird. 1) Bey den Jägern wird jede stark riechende Lockspeise, welche an eine Schnur gebunden und vor dem Holze her geschleppet wird, so wohl Schleife, als Schleppe und das Geschlepp genannt. In einigen Oberdeutschen Gegenden führet auch die Schleppe eines Kleides den Nahmen einer Schleife. 2) Eine Schlinge, sie bestehe nun aus Fäden, Haaren oder Draht, ist sehr häufig unter dem Nahmen der Schleife bekannt, Nieders. Slepe; ob man gleich bey den Jägern und Vogelstellern einen Unterschied macht, und ein solches Werkzeug, wenn sich das Federwild darin an dem Halse fängt, eine Schlinge, wenn es sich aber an den Füßen fängt, eine Schleife nennet. Ferner sind die Schleifen das, was man sonst auch Öhre, im Nieders. Öhsen nennet, sie bestehen nun aus einer biegsamen oder festen Materie. Die Schleifen an der Leinwand, womit sie im Bleichen an die Pflöcke befestiget wird, bestehen aus Band. Die kleinen Öhre von Draht, das Häkchen aufzunehmen, heißen in vielen Gegenden Schleifen, und in andern hat man auch aus biegsamen Holze gebogene Schleifen, dergleichen z. B. die an den Schleifkannen sind, (S. dieses Wort.) Von noch anderer Art sind die aus Band gemachten Schleifen zur Zierde, welche aus Einer oder mehrern Schleifen der vorigen Art bestehen und auch Maschen genannt werden. Die Hutschleife, Halsschleife u. s. f.
   Den weißen Hals umgab ein schwarzes seidnes Band,
   Das sich bey seinem Kinn in eine Schleife wand,
   Zachar. 3) Auf den Gränz- und Marksteinen werden die willkührlichen Zeichen, welche auf dieselben eingehauen werden, sie bestehen nun aus Kerben und Linien oder aus andern Figuren, Schleifen genannt. Vermuthlich von dem Nieders. Intensivo Slopp, ein tiefer Einschnitt, eine Fleischwunde, welches ein Zeitwort schleifen voraus setzet, welches schneiden bedeutet hat, und zu welchem ohne Zischlaut das Wallis. Ilifio, feilen, gehöret.
   2. Ein Werkzeug, darauf oder damit zu schleifen, in welchem Verstande besonders ein kleiner plumper Schlitten, Lasten darauf fortzuschleifen, eine Schleife genannt wird. Steine, Waaren auf der Schleife fortschaffen. Die Sturmfässer stehen gleichfalls auf solchen Schleifen. Nieders. Slöpe, im Österreichischen die Schlapfen.

 

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