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Schlehblüthe bis Schleichhandel (Bd. 3, Sp. 1513 bis 1514)
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Artikelverweis Die Schlehblüthe, Schlehdorn, S. Adelung Schlehenblüthe u. s. f.
 
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Die Schlehe, plur. die -n, die Frucht des Schwarz- oder Schlehendornes, welche in einer runden schwarzblauen Beere von der Größe einer Weinbeere bestehet, und einen sehr herben Geschmack hat.
   Anm. Im Nieders. Slee, im Oberd. Schlech, in einigen gemeinen Sprecharten Schlinke, im Angels. Sla, im Engl. Sloe, im Schwed. Slån, im Slavon. Sliwa. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die herbe, den Mund zusammen ziehende Eigenschaft dieser

[Bd. 3, Sp. 1514]


Frucht, welche sie so eigenthümlich von andern unterscheidet, auch der Grund ihrer Benennung ist. In einigen Oberdeutschen Gegenden hat man wirklich das Bey- und Nebenwort schlehe, schlähe, herbe, was die Zähne stumpf macht; ein schleher Geschmack, die Zähne werden schlehe. Ingleichen das Zeitwort schlehen, die Zähne stumpf machen, Ital. ohne Zischlaut, legare, allegare, lazzare. Im Nieders. ist slee und im Schwed. slö stumpf überhaupt. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißt diese Frucht Pinserling, welches Frisch von Pinne herleitet, wegen der Dornen, womit ihre Staude besetzt ist.
 
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Die Schlehenblüthe, plur. die -n, die Blüthe oder Blumen des Schlehendornes; im gemeinen Leben Schlehblüthe.
 
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Der Schlehendorn, des -es, plur. die -en, im gemeinen Leben Schlehdorn, derjenige dornartige oder mit Dornen versehene Strauch, welcher die Schlehen träget, welcher nach dem Linnee zu dem Geschlechte der Pflaumen gehöret; Prunus spinosa L. Schwarzdorn.
 
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Schlehenroth, adj. et adv. ein in dem Weinbaue übliches Wort, wo der schlehenrothe Wein eine Art schlechter rother Weintrauben ist, welcher saure und herbe Beeren, gleich den Schlehen hat.
 
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Der Schlehenwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein aus dem Safte der Schlehen bereiteter Wein.
 
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Der Schleichbrief, des -es, plur. die -e, ein noch in den Rechten einiger Gegenden übliches Wort, eine Urkunde zu bezeichnen, welche über die geschehene Vertauschung zweyer Dinge ausgefertiget wird; besonders eine Urkunde über die Vertauschung eines Leibeigenen mit dem andern. Und so ist es auch wohl bey dem Wyhner zu verstehen, wenn er in Observ. Pract. Schleichbrief durch litteras manumissorias, sive super manumissione datas erkläret. Wenn diese Vertauschung (wie ich doch nicht gewiß weiß) etwas Unrechtmäßiges und Heimliches voraussetzt, so ist die Erklärung dieses Wortes leicht zu machen.
 
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Der Schleichdrucker, des -s, plur. ut nom. sing. wie Schleichhändler, ein Buchdrucker, welcher insgeheim verbothene Bücher druckt, oder die Bücher anderer auf unrechtmäßige Art im Verborgenen nachdruckt.
 
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Schleichen, verb. irreg. Imperf. ich schlich; Mittelw. geschlichen; Imper. schleiche, schleich. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des langsamen, leisen, kaum in das Gehör fallenden Ganges, und in weiterer Bedeutung einer solchen Bewegung, und ist in doppelter Gestalt üblich.
   I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, sich auf solche Art fortbewegen.
   1. Für kriechen, doch zunächst nur von solchen Thieren, welche ohne alle Füße sich durch Bewegung des Leibes fortbewegen, dagegen kriechen sehr kurze Füße voraus setzet. Die Schlangen schleichen. Was auf Erden schleicht, soll euch unrein seyn, 3 Mos. 11, 41 f. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung wenig gangbar, weil man dafür kriechen gebraucht selbst von solchen Gewürmen, welche aller Füße beraubt sind. S. Adelung Blindschleiche.
   2. Einen leisen und dabey langsamen Gang haben, leise und langsam gehen, besonders so fern man dadurch seinen Gang zu verheimlichen sucht, und in weiterer Bedeutung, sich auf solche Art unbemerkt bewegen. 1) Eigentlich. Er schleicht wie eine Katze, wie ein Fuchs. Er ist davon geschlichen. Ein alter Bauer, der mit seinem Knotenstocke an der Hecke schlich. Jacobi.
   Gleich schlich zu seinem Glücke ein siecher Alter vor ihr Haus,
   Gell.
   Und schleicht mit scheuem Blicke
   Und mehr als diebischer Furcht zurücke,
   Haged. Die Pest, die im Finstern schleicht, Ps. 91, 6. Schleichend kommen, wofür doch, wie bey den meisten übrigen Zeitwörtern der eigenen Bewegung, das Mittelwort der vergangenen Zeit, geschlichen kommen, üblicher ist. Das Blut, das so träge in deinen Adern schleicht.
   Ha, wenn ein solcher Wunsch in meine Seele schlich,
   Weiße. Ingleichen in Gestalt eines Reciproci, wo es aber eigentlich das folgende Activum ist, daher es alsdann auch wie alle Reciproca das Hülfswort haben bekommt. Jetzt schlich ich leise zu ihrem Bette mich hin, Geßn. Sich in das Haus schleichen. Er schlich sich ganz leise wieder nach seinem Zimmer. Diese Thräne, die sich aus ihrem Auge schleicht, Less. In meine Spiele schleicht sich nicht späte Klage, Weiße. 2) Figürlich. (a) Ein schleichendes Fieber, welches den Kranken langsam und unbemerkt auszehret. (b) Ein Stück Butter zerschleichen lassen, in den Küchen, es langsam und bey gelinder Wärme zergehen lassen. (c) In seinem Betragen mit merklicher Verheimlichung seiner Absichten und Mittel verfahren. Von einem solchen Menschen sagt man, er schleiche. Ein schleichendes Wesen haben. Siehe Schleicher.
   II. Als ein Activum, auf eine leise und langsame Art fortbewegen; wo es doch nicht so gangbar ist, als das vorige Neutrum. Hier schlich sie ihre Hand in die seinige. Verbothene Waaren in eine Stadt schleichen, heimlich bringen, wofür doch schleifen üblicher ist.
   So auch das Schleichen.
   Anm. Bey dem Ottfried sleihen, bey dem noch ältern Kero slihhan, von welcher Form das Imperfect und Mittelwort unsers schleichen herstammen, im Nieders. sliken, im Schwed. slika, slinka, im Angels. mit dem Naselaute slincan, im Lettischen slenku. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, und daher mit Schlick und Schlich, Schleiche u. s. f. in welchen der Begriff des Schleimigen und Glatten der herrschende ist, nahe verwandt. S. auch Schleifen, welches diesem Zeitworte nahe angehöret.
 
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Der Schleicher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ding, eine Person, welche schleicht. In dem Thierreiche ist der Schleicher eine den Vipern ähnliche Art Eidechsen mit kurzen Füßen, Seps L. welcher auch Kurzbein genannt wird. Ingleichen von Menschen, eine Person, welche schleicht; auch figürlich, welche ihre Absichten auf eine unbemerkte Art zu erreichen sucht, wo von weiblichen Personen auch das weibliche Geschlecht, die Schleicherinn, üblich ist. Nieders. Sliker, Lieskentreder, Leisetreter.
 
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Der Schleichhandel, des -s, plur. inus. ein heimlicher Handel mit verbothenen, oder verstohlner Weise eingeführten erlaubten Waaren; Nieders. Sluuphandel, von sluppen, schliefen, schlüpfen, schlupfen, auch im Hochdeutschen wohl Schleifhandel.

 

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