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Schläuder bis Schlếcht (Bd. 3, Sp. 1509 bis 1510)
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Artikelverweis Die Schläuder, plur. die -n, ein Werkzeug, damit zu schläudern, es bestehe nun in einem bloßen ledernen Riemen, Steine, Kugeln u. s. f. damit aus freyer Hand zu schläudern, oder in einem Gerüste, große Lasten damit fortzuschläudern, dergleichen Werkzeuge man ehedem vor Erfindung des groben Geschützes im Kriege gebrauchte. In weiterer Bedeutung ist die Schläuder bey den Landleuten, ein starkes Band oder lederner Riemen, womit der Mähder die Sense an dem rechten Arme befestiget, damit er sie desto sicherer und gewisser führen könne.
   Anm. Im Nieders. Slenker, Engl. Sling, Schwed. Sljunga, von schlenkern, S. dasselbe.
 
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Der Schläuderer, des -s, plur. ut nom. sing. der mit der Schläuder geschickt umzugehen weiß. In der ältesten Kriegsverfassung wurden diejenigen Soldaten, deren vornehmstes Gewehr in der Schläuder bestand, Schläuderer genannt.
 
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Schlaudern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Neutrum des folgenden Activi ist, aber nicht überall gehöret wird, sich schnell und mit einem Schwunge hin und her bewegen. Eine Spule schlaudert, wenn sie in der Bewegung um ihre Achse sich zugleich seitwärts, hin und her beweget. So schlaudert auch das Holz auf der Drehbank. Der Schlitten schlaudert, wenn er im Fahren mit einem Schwunge seitwärts gleitet. In vielen Gegenden ist dafür auch schläudern üblich. Das Stammwort ist ein veraltetes schlaudern, schlauen, wovon noch unser Schlitten und schleunig abstammen; die Sylbe ern zeiget die Iteration an. Das Intensivum davon ist schlottern.
 
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Schläudern, verb. reg. welches in gedoppelter Gestalt üblich ist.
   1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, statt des vorigen schlaudern, in welcher Gestalt es auch im Hochdeutschen nicht unbekannt ist. 1) Eigentlich. Die Spule schläudert. (S. das

[Bd. 3, Sp. 1510]


vorige) 2) Figürlich, nachlässig, obenhin etwas verrichten. So sagt man von einem Arbeiter, der seine Arbeit nur so obenhin verfertiget, daß er schläudere. Ein Kaufmann schläudert, wenn er seine Waare, um sie nur los zu werden, unter dem gewöhnlichen Preise verkauft. Mit seiner Waare schläudern. Seine Waaren verschläudern. Die Niedersachsen sagen in diesem Falle flackern, welches auch eigentlich wackeln, von einer Seite zur andern schlagen, bedeutet.
   2. Als ein Activum, mit einem Schwunge, und einer gleichsam zitternden Bewegung werfen. Steine schläudern, mit der Schläuder werfen. Sie sind immer wie ein Jupiter, der stets den Blitz in der Hand trägt, ohne zu bedenken, daß er in der Hitze, womit er ihn schläudert, auch einen Unschuldigen treffen könne, Weiße. Gleich Hagel vom Sturme geschleudert zerschlägt er die nährenden Halmen, Kleist.
   Wenn Wogen Himmel an vom Sturm geschleudert fliegen,
   Dusch. So auch das Schläudern.
   Anm. (S. Adelung Schlaudern.) Gemeiniglich schreibt man diese Wörter Schleuder und schleudern, welche Schreibart sich auch vertheidigen läßt. Hier hat man um des Zusammenhanges mit dem Neutro schlaudern willen, die mit äu vorgezogen.
 
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Der Schläuderstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, welcher mit der Schläuder geworfen werden soll, geschickt ist mit der Schläuder geworfen zu werden.
 
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Die Schlaue, plur. die -n, nur in einigen Gegenden, die Hülse, Schale, wie Schlaube, z. B. die grüne Schale der Wälschen Nüsse. Daher die Nüsse ausschlauen, sie aus diesen Schalen nehmen.
 
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Die Schlauheit, plur. inus. das Abstractum von dem Bey- und Nebenworte schlau, der Zustand, die Eigenschaft, da ein Ding schlau ist; wie Klugheit von klug. Schlauigkeit, wie auch nicht ungewöhnlich ist, ist niedriger.
 
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Der Schlaukopf, des -es, plur. die -köpfe, eine schlaue Person, in der vertraulichen Sprechart; nach dem Muster von Dummkopf.
 
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Schläunig, S. Adelung Schleunig.
 
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Das Schlêcht, S. Adelung Geschlecht.
 
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Schlếcht, -er, -este, adj. et adv. welches von dem Zeitworte schlagen abstammet, und vornehmlich in folgenden Hauptbedeutungen üblich ist.
   1. Von schlagen, sich in die Länge ausdehnen, ist schlecht gerade; Nieders. sligt, in Baiern schlett, schlätz, Schwed. slät.
   1) * Eigentlich; welche Bedeutung jetzt im Hochdeutschen veraltet ist, ehedem aber sehr gangbar war, da es denn dem krumm entgegen gesetzet wurde. Was krumm ist, kann nicht schlecht werden, Pred. 1, 15. Wer kann das krumme schlecht machen? Kap. 7, 14. Den Leviathan, der eine schlechte Schlange, und den Leviathan, der eine krumme Schlange ist, Es. 27, 1. Sprichw. Geld macht krumme Sachen schlecht, gerade. Lief den nächsten auf den Held schlecht, Theuerd. Kap. 17, lief gerade auf ihn zu. Auf schlechter ebner Bahn ist gut und sicher wallen, Logau. S. auch Schlicht.
   2) Figürlich. (a) Redlich, rechtschaffen, der Billigkeit und dem Gesetze gemäß, im Gegensatze der krummen, unlautern Gesinnung; in welchem Verstande es nur noch zuweilen als ein Nebenwort und in Verbindung mit dem recht gebraucht wird, besonders in der biblischen Schreibart. Hiob ist schlecht und recht, gottesfürchtig, und meidet das Böse, Hiob 1, 8. Siehe, deine Sache ist recht und schlecht, aber du hast keinen Verhör vom Könige, 2 Sam. 15, 3. Bey dem Ottfried ist slehtaz billig. In recht, rechtschaffen, richtig, aufrichtig liegt eben

[Bd. 3, Sp. 1511]


dieselbe Figur zum Grunde. (b) * Einfältig, d. i. Mangel am Verstande leidend; eine im Hochdeutschen fremde Bedeutung, in welcher es aber auch eine Figur der letzten Hauptbedeutung seyn könnte. Er ist seit einiger Zeit schlecht geworden, für einfältig, in einigen Oberdeutschen Gegenden. Auch das Niedersächs. sligt ist in eben der Bedeutung üblich. (c) Wird es als eine Partikel in verschiedenen Verbindungen für unbedingt, ohne Bedingung und Einschränkung, und nach einer noch weitern Figur für völlig, gänzlich, gebraucht. Ein Hurenkind soll schlecht nicht in die Gemeine des Herrn kommen, 5 Mos. 23, 2, das ist, durchaus nicht. Doch so für sich allein ist es in dieser Bedeutung veraltet, nicht aber in den Verbindungen schlecht hin, oder schlechthin und schlechterdings, Oberdeutsch schlechter Dingen, (S. Adelung Ding.) Sie wollen schlechthin, daß ich ihn für einen ehrlichen Mann erkennen soll, d. i. durchaus, ohne Bedingung und Einschränkung. Noch üblicher ist in diesem Verstande das schlechterdings. Was kann man nicht durchsetzen, wenn man es schlechterdings will? Gott handelt hierin nicht schlechterdings, auf unbedingte Art, mit unumschränkter Macht. Ingleichen für durchaus, völlig, gänzlich, als eine mit Nachdruck bekräftigende oder verneinende Partikel. Er konnte vor Weinen schlechterdings nichts sagen. Die lange Angst hat mich schlechterdings unkenntlich gemacht, völlig. Er hat es schlechterdings gethan. Auf eben die Art ist in der vertraulichen Sprechart auch platterdings üblich. Der Stand ändert oft die Bedeutung. Es ist nicht schlechterdings wahr, nicht ohne alle Bedingung und Einschränkung; es ist schlechterdings nicht wahr, durchaus nicht.
   2. So fern schlagen in Verwandtschaft mit schleichen der nachgeahmte Laut einer schnellen, leichten, einförmigen Bewegung ist, ist schlecht so wohl eben, als glatt und leicht.
   1) * Eben, Nieders. sligt, Schwed. slät, bey den Schwäbischen Dichtern sleht; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Was höckericht ist, soll schlecht werden, Es. 40.
   2) Glatt, welches so wie gleiten selbst mit diesem Worte verwandt ist. (a) * Eigentlich; Schwed. slät, Nieders. sligt, (S. Adelung Schlichten.) Auch in dieser Bedeutung ist es veraltet. (b) Figürlich. (α) * Gütig, sanftmüthig, ingleichen schmeichelhaft, Schwed. siät; zwey im Deutschen längst veraltete Bedeutungen, in welchen Kero die Schmeicheleyen Slechtiu nennet. (β) Ohne Zusatz, ohne künstlichen Zusatz, gewöhnlich u. s. f. wo aber auch die erste Bedeutung des gerade mit eintreten kann. Schlechte Manschetten, glatte, einfache, im Gegensatze der ausgenäheten oder mit Spitzen besetzten. Ein schlechtes Kleid, im Gegensatze eines bordierten. Es ist nur schlechtes Holz, gewöhnliches. Die Taufe ist nicht schlecht Wasser. Sich ganz schlecht kleiden, einfach, ohne allen künstlichen Putz. Ich will gern schlecht und recht gehen, wenn ich sie nur galant sehe, Gell. So auch in den zusammen gesetzten Nebenwörtern schlechtweg und schlechthin. Ein Flecken schlechthin, ohne allen weitern Zusatz, im Gegensatze des Marktfleckens. Sich schlechtweg kleiden, einfach, ungekünstelt. Da diese Bedeutung mit den beyden folgenden leicht Mißdeutung veranlassen kann, so muß man sich ihrer mit Vorsicht bedienen, wie sie denn auch wirklich in Abgang zu kommen anfängt. Im Italiänischen ist schietto rein, lauter, unvermischt.
   3) Leicht; in welcher Bedeutung es mit diesem leicht selbst sehr nahe verwandt, und durch den vorgesetzten Zischlaut daraus gebildet ist. In beyden ist die leichte Bewegung der Grund der Benennung. (a) * Eigentlich; eine längst veraltete Bedeutung, von welcher doch noch hin und wieder Spuren übrig sind. Bey dem Kero ist slechti lohhe ein leichtes Joch. (b) Figürlich, einen geringen oder geringern Verth habend, wo es oft dem gut entgegen gesetzet wird. Indessen kann es seyn, daß es in dieser Bedeutung

[Bd. 3, Sp. 1512]


nur eine fortgesetzte Figur der vorigen Bedeutung ist. Im Böhmischen ist zlehciti geringe werden, und ohne Zischlaut lehky geringe. Schlechtes Gold, welches man auch leichtes nennet, geringhaltiges, im Gegensatze des guten. Etwas um ein schlechtes Geld kaufen, um ein geringes, der Zahl nach. Das ist ein schlechtes für einen so reichen Mann, ein geringes. Sich um schlechte Dinge erzürnen, um geringe, unerhebliche Dinge. Eine schlechte Anzahl, eine geringe. Schlechte Leute, von geringem Stande. Von schlechtem Herkommen, im Gegensatze des guten. Ein schlechter Edelmann, ein gemeiner Edelmann, der keine andere als adelige Würde hat. Eine schlechte Mahlzeit, von geringem Werthe. Jetzt hüthe ich um schlechten Lohn hier diese Ziegen, Geßn. Eine schlechte Besoldung. Um der Zweydeutigkeit mit der folgenden Bedeutung willen, kann es bey einem unbehuthsamen Gebrauche auch hier leicht Mißdeutung verursachen. Indessen ist es in diesem Verstande im gemeinen Leben am üblichsten.
   3. Einen völligen Mangel an den nöthigen und verlangten Eigenschaften habend und darin gegründet. Man siehet es hier gemeiniglich als eine fortgesetzte Figur der vorigen Bedeutung an; allein es scheinet vielmehr eine eigene Classe von Bedeutungen auszumachen, welche von schlagen, so fern es auch verwunden und verletzen bedeutet, abstammet, indem die meisten ähnlichen Wörter auf ähnliche Art gebildet sind. Schlecht würde also eigentlich durch eine erlittene Verletzung zu seiner Absicht und Bestimmung untauglich bedeuten, und mit dem Nieders. leeg, schlecht, schlimm, böse, und dem Schwed. Lack, ein Mangel, Fehler, verwandt seyn, welche auf ähnliche Art von lachen, verwunden, verletzen, abstammen, obgleich das Nieders. leeg auch die Ableitung von leg, niedrig verstattet.
   1) Überhaupt, der verlangten, der Absicht und Bestimmung gemäßen Beschaffenheit beraubt, und darin gegründet; wo es in den meisten Fällen dem gut entgegen gesetzt ist, und auch eben dieselben Unterabtheilungen leidet, (S. Adelung Gut I.) Schlechter Wein, schlechtes Bier, schlechtes Brot. Schlechtes Gold. Ein schlechtes Zimmer, ein schlechtes Haus. Die letzte Messe war sehr schlecht. Schlechtes Wetter, unangenehmes, nicht so wie man es wünschet. Die schlechteste Waare. Das sind schlechte Ursachen, schlechte Entschuldigungen. Es hat noch ein schlechtes Ansehen dazu. Die Zeiten werden immer schlechter. Das ist ein schlechter Trost. Ein schlechter Bezahler, der nicht so bezahlet, als es sich gebühret. Jemanden schlecht empfangen, bewirthen. Sich schlecht verhalten. Schlecht bestehen. Ein schlechtes Gedicht. Es gehet ihm schlecht. Ich weiß es ihnen schlechten Dank. Dabey komme ich schlecht zurechte. Eine schlechte Meinung von jemanden haben.
   2) In einigen engern Bedeutungen. (a) Von einem Kranken der sich sehr krank befindet, von welchem wenig Hoffnung übrig ist, sagt man, er befinde sich schlecht. (b) In Ansehung des Vermögens und des Nahrungsstandes stehet jemand schlecht, (im gemeinen Leben ist jemand schlecht,) wenn er allem Anschein nach nicht im Stande ist, seine Schulden zu bezahlen. Die Handlung steht schlecht, eine schlechte Handlung. (c) Zuweilen wird es auch für niederträchtig gebraucht. Ein schlechter Mensch. Schlecht denken, handeln. Schlecht mit jemanden umgehen. Schlechte Rede führen.
   Anm. Im Nieders. sligt, im Schwed. slät, im Engl. slight, im Ital. schietto. Es stammet in allen seinen Bedeutungen ohne Zweifel von schlagen ab. Ehedem hatte man von diesem Beyworte das Hauptwort die Schlechte, so wohl die schlechte Beschaffenheit in allen obigen Fällen zu bezeichnen, da es denn auch von Billigkeit, Güte, Sanftmuth, Schmeicheley, u. s. w. gebraucht

[Bd. 3, Sp. 1513]


wurde, als auch eine Ebene, eine Fläche, in der zweyten Hauptbedeutung des Beywortes. Worold Slihti, die Fläche der Welt, Ottfr. Jetzt ist dieses Hauptwort, den folgenden Gebrauch etwa ausgenommen, veraltet. Im gemeinen Leben höret man von der schlechten Beschaffenheit zuweilen die Schlechtigkeit; der anständigen Sprechart würde Schlechtheit angemessener seyn, obgleich solches nicht allgemein üblich ist.

 

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