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Schlauch bis Schlauheit (Bd. 3, Sp. 1508 bis 1510)
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Artikelverweis Der Schlauch, des -es, plur. die Schläuche, ein Wort, welches überhaupt den Begriff des hohlen oder vertieften Raumes hat. 1) Im weitesten Verstande, im welchem bey dem Matthesius die Sümpfe und Schläuche des Meeres die Schlünde, Abgünde, tiefsten Stellen desselben sind. Bey dem Kaisersberg und andern ältern Oberdeutschen Schriftstellern ist Schlauch, Schlug, der Schlund, die Gurgel, (S. auch Schlacht Anm.) Noch häufiger 2) im engern Verstande, mit dem Begriffe des Biegsamen, wo dieses Wort noch in vielen Fällen gebraucht wird, aus einer biegsamen Materie bestehende hohle Räume zu bezeichnen. In den warmen Ländern werden der Wein und andere flüssige Körper in ledernen Schläuchen aufbehalten und verführet. Lederne oder leinwandene Röhren oder Canäle, flüssige Körper darin von einem Orte zum andern zu leiten, heißen fast in allen Fällen Schläuche oder Schlauchröhren. Dergleichen sind die Schläuche an den Schlangenspritzen, die Weinschläuche, Bierschläuche u. s. f. mit welchen letztern Wein oder Bier in die Keller und Fässer geleitet wird. Das Zeugungslied mancher großen männlichen Thiere, besonders der Pferde und Esel, heißt der Schlauch. An dem Lauche, Zwiebeln u. s. f. sind die hohlen, aufgeblasenen Stängel unter dem Nahmen der Schläuche bekannt, und in manchen

[Bd. 3, Sp. 1509]



   Gegenden wird auch ein herab hangender Bauch, ingleichen die herab hangende Haut am Halse, der Schlauch genannt.
   Anm. Im Böhm. Sslauch. Es stammet in der weitesten Bedeutung von schlagen her, so fern es ehedem auch sich in die Tiefe bewegen bedeutete, daher auch Schlag von Gräben und andern Arten der hohlen Räume gebraucht wird. (S. auch Schluche.) In der zweyten Bedeutung kommt noch der Begriff der Schlaffheit, des Schlotterns, der Biegsamkeit hinzu, indem im Angelsächs. Sleak, im Schwed. slak, und im Niederdeutschen schlack, so viel wie schlaff ist, (S. Schlackig.) Sehr nahe ist mit unserm Schlauch das Niederdeutsche Slu, Sluwe, in einigen Oberdeutschen Gegenden Schlaube, Schlaue, verwandt, die Hülse, Schale gewisser Früchte zu bezeichnen, Holländ. Sloester. Ohne Zischlaut gehöret auch Loch mit seinen Verwandten dahin.
 
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Der Schlauchbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Bohrer, den Wein vermittelst derselben durch die Schläuche aus den Fässern zu ziehen; in einigen Gegenden der Schlauchnäber.
 
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Schlauchen, verb. reg. act. welches nur in den zusammengesetzten ausschlauchen vorkommt, den Schlauch, d. i. das Innere einer Röhre, auch wenn sie aus fester Materie bestehet, reinigen. Die Röhren der Wasserleitungen müssen von Zeit zu Zeit ausgeschlaucht werden, welches vermittelst eichener, sechs Ellen langer Schlauchruthen geschiehet, welche von einem Spunde zum andern reichen.
 
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Die Schlauder, plur. die -n, in der Baukunst und bey den Eisenarbeitern, ein Nahme, welchen auch die Schließ- und Giebelanker der Gebäude und alle ähnliche große Verbindungen führen. Da diese Schlaudern aus starken Stangen bestehen, welche mit starken Schließen oder Niethen an einander befestiget sind, so dann so wohl der Begriff des Schließens, als auch des Schlauderns und Schlotterns, darin zum Grunde liegen. Siehe Schlaudern.
 
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Die Schläuder, plur. die -n, ein Werkzeug, damit zu schläudern, es bestehe nun in einem bloßen ledernen Riemen, Steine, Kugeln u. s. f. damit aus freyer Hand zu schläudern, oder in einem Gerüste, große Lasten damit fortzuschläudern, dergleichen Werkzeuge man ehedem vor Erfindung des groben Geschützes im Kriege gebrauchte. In weiterer Bedeutung ist die Schläuder bey den Landleuten, ein starkes Band oder lederner Riemen, womit der Mähder die Sense an dem rechten Arme befestiget, damit er sie desto sicherer und gewisser führen könne.
   Anm. Im Nieders. Slenker, Engl. Sling, Schwed. Sljunga, von schlenkern, S. dasselbe.
 
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Der Schläuderer, des -s, plur. ut nom. sing. der mit der Schläuder geschickt umzugehen weiß. In der ältesten Kriegsverfassung wurden diejenigen Soldaten, deren vornehmstes Gewehr in der Schläuder bestand, Schläuderer genannt.
 
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Schlaudern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Neutrum des folgenden Activi ist, aber nicht überall gehöret wird, sich schnell und mit einem Schwunge hin und her bewegen. Eine Spule schlaudert, wenn sie in der Bewegung um ihre Achse sich zugleich seitwärts, hin und her beweget. So schlaudert auch das Holz auf der Drehbank. Der Schlitten schlaudert, wenn er im Fahren mit einem Schwunge seitwärts gleitet. In vielen Gegenden ist dafür auch schläudern üblich. Das Stammwort ist ein veraltetes schlaudern, schlauen, wovon noch unser Schlitten und schleunig abstammen; die Sylbe ern zeiget die Iteration an. Das Intensivum davon ist schlottern.
 
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Schläudern, verb. reg. welches in gedoppelter Gestalt üblich ist.
   1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, statt des vorigen schlaudern, in welcher Gestalt es auch im Hochdeutschen nicht unbekannt ist. 1) Eigentlich. Die Spule schläudert. (S. das

[Bd. 3, Sp. 1510]


vorige) 2) Figürlich, nachlässig, obenhin etwas verrichten. So sagt man von einem Arbeiter, der seine Arbeit nur so obenhin verfertiget, daß er schläudere. Ein Kaufmann schläudert, wenn er seine Waare, um sie nur los zu werden, unter dem gewöhnlichen Preise verkauft. Mit seiner Waare schläudern. Seine Waaren verschläudern. Die Niedersachsen sagen in diesem Falle flackern, welches auch eigentlich wackeln, von einer Seite zur andern schlagen, bedeutet.
   2. Als ein Activum, mit einem Schwunge, und einer gleichsam zitternden Bewegung werfen. Steine schläudern, mit der Schläuder werfen. Sie sind immer wie ein Jupiter, der stets den Blitz in der Hand trägt, ohne zu bedenken, daß er in der Hitze, womit er ihn schläudert, auch einen Unschuldigen treffen könne, Weiße. Gleich Hagel vom Sturme geschleudert zerschlägt er die nährenden Halmen, Kleist.
   Wenn Wogen Himmel an vom Sturm geschleudert fliegen,
   Dusch. So auch das Schläudern.
   Anm. (S. Adelung Schlaudern.) Gemeiniglich schreibt man diese Wörter Schleuder und schleudern, welche Schreibart sich auch vertheidigen läßt. Hier hat man um des Zusammenhanges mit dem Neutro schlaudern willen, die mit äu vorgezogen.
 
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Der Schläuderstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, welcher mit der Schläuder geworfen werden soll, geschickt ist mit der Schläuder geworfen zu werden.
 
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Die Schlaue, plur. die -n, nur in einigen Gegenden, die Hülse, Schale, wie Schlaube, z. B. die grüne Schale der Wälschen Nüsse. Daher die Nüsse ausschlauen, sie aus diesen Schalen nehmen.
 
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Die Schlauheit, plur. inus. das Abstractum von dem Bey- und Nebenworte schlau, der Zustand, die Eigenschaft, da ein Ding schlau ist; wie Klugheit von klug. Schlauigkeit, wie auch nicht ungewöhnlich ist, ist niedriger.

 

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