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Schlarfe bis Schlaudern (Bd. 3, Sp. 1507 bis 1509)
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Artikelverweis Die Schlarfe, plur. die -n, im gemeinen Leben, ein Nahme leichter, weiter Pantoffeln, ohne Hinterstücke, welche nur den vordern

[Bd. 3, Sp. 1508]


Theil des Fußes bedecken, von dem schlarfenden Laute, welchen sie im Gehen machen. Nieders. Slurre, Slarre, Sluske. S. auch Latsche.
 
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Schlarfen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, auch nur im gemeinen Leben, als eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, von welcher Art der ist, wenn man Pantoffeln ohne Hinterstücke, oder eingetretene Schuhe im nachlässigen Gange auf dem Boden gleichsam unter sich her schleifet; in einigen Gegenden schlurfen. Im Gehen schlarfen, die Füße nicht recht aufheben. Nieders. slarren, slurren, slusken.
 
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Schlau, -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, verborgene Mittel schnell zu seinen Absichten zu gebrauchen, und darin gegründet; verschlagen. Ein schlauer Gast, ein schlauer Kopf, ein schlauer Einfall. Schlau auf etwas seyn. Eine Sache sehr schlau anfangen. Die Liebe ist schlauer als die Freundschaft; ihr süßes Pfeifchen schläfert wohl einen Argus ein, Weiße.
   Anm. Im Niedersächs. slou, im Osnabrück, slüw, im Engl. sly, im Isländ. slaegur, im Schwed. slug, wo auch slög künstlich ist. Schlau setzet eine größere Geschwindigkeit und eine mehrere Verbergung seiner Absichten und Mittel voraus als listig und klug, wovon die Ursache in dem vorgesetzten intensiven Zischlaute liegt, der zugleich ein Ausdruck einer schnellen Bewegung ist. Ohne Zischlaut gebraucht Kero claulich, und Ottfried glau, für klug, weise, Angels. gleaw. Schlau ist in Ansehung der Sittlichkeit eben so gleichgültig als listig ursprünglich ist, d. i. es wird so wohl im guten als bösen Verstande gebraucht; geschiehet es im letztern häufiger, so rühret solches daher, weil die Verbergung seiner Absichten und Mittel bey schädlichen und bösen Handlungen nothwendiger ist, als bey guten und nützlichen. (S. Adelung Schlauheit.) Die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes ist, wie bey seinen Verwandten, allem Ansehen nach die Geschwindigkeit in den Bewegungen, und der darin gegründete Begriff des Lichtes und des Sehens, und in so fern ist es auch mit schlagen verwandt, welches im Schwed. nur slå und im Nieders. slaan lautet. Frisch und Wachter sahen diese Verwandtschaft schon ein, irreten aber in der Verbindung beyder Bedeutungen, indem sie schlau von einer Person erkläreten, die durch Schläge klug geworden.
 
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Die Schlaube, plur. inus. ein im Hochdeutschen unbekanntes, nur in einigen Gegenden gangbares Wort, die Hülfe, Schale zu bezeichnen. S. Adelung Schlaue.
 
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Der Schlauch, des -es, plur. die Schläuche, ein Wort, welches überhaupt den Begriff des hohlen oder vertieften Raumes hat. 1) Im weitesten Verstande, im welchem bey dem Matthesius die Sümpfe und Schläuche des Meeres die Schlünde, Abgünde, tiefsten Stellen desselben sind. Bey dem Kaisersberg und andern ältern Oberdeutschen Schriftstellern ist Schlauch, Schlug, der Schlund, die Gurgel, (S. auch Schlacht Anm.) Noch häufiger 2) im engern Verstande, mit dem Begriffe des Biegsamen, wo dieses Wort noch in vielen Fällen gebraucht wird, aus einer biegsamen Materie bestehende hohle Räume zu bezeichnen. In den warmen Ländern werden der Wein und andere flüssige Körper in ledernen Schläuchen aufbehalten und verführet. Lederne oder leinwandene Röhren oder Canäle, flüssige Körper darin von einem Orte zum andern zu leiten, heißen fast in allen Fällen Schläuche oder Schlauchröhren. Dergleichen sind die Schläuche an den Schlangenspritzen, die Weinschläuche, Bierschläuche u. s. f. mit welchen letztern Wein oder Bier in die Keller und Fässer geleitet wird. Das Zeugungslied mancher großen männlichen Thiere, besonders der Pferde und Esel, heißt der Schlauch. An dem Lauche, Zwiebeln u. s. f. sind die hohlen, aufgeblasenen Stängel unter dem Nahmen der Schläuche bekannt, und in manchen

[Bd. 3, Sp. 1509]



   Gegenden wird auch ein herab hangender Bauch, ingleichen die herab hangende Haut am Halse, der Schlauch genannt.
   Anm. Im Böhm. Sslauch. Es stammet in der weitesten Bedeutung von schlagen her, so fern es ehedem auch sich in die Tiefe bewegen bedeutete, daher auch Schlag von Gräben und andern Arten der hohlen Räume gebraucht wird. (S. auch Schluche.) In der zweyten Bedeutung kommt noch der Begriff der Schlaffheit, des Schlotterns, der Biegsamkeit hinzu, indem im Angelsächs. Sleak, im Schwed. slak, und im Niederdeutschen schlack, so viel wie schlaff ist, (S. Schlackig.) Sehr nahe ist mit unserm Schlauch das Niederdeutsche Slu, Sluwe, in einigen Oberdeutschen Gegenden Schlaube, Schlaue, verwandt, die Hülse, Schale gewisser Früchte zu bezeichnen, Holländ. Sloester. Ohne Zischlaut gehöret auch Loch mit seinen Verwandten dahin.
 
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Der Schlauchbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Bohrer, den Wein vermittelst derselben durch die Schläuche aus den Fässern zu ziehen; in einigen Gegenden der Schlauchnäber.
 
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Schlauchen, verb. reg. act. welches nur in den zusammengesetzten ausschlauchen vorkommt, den Schlauch, d. i. das Innere einer Röhre, auch wenn sie aus fester Materie bestehet, reinigen. Die Röhren der Wasserleitungen müssen von Zeit zu Zeit ausgeschlaucht werden, welches vermittelst eichener, sechs Ellen langer Schlauchruthen geschiehet, welche von einem Spunde zum andern reichen.
 
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Die Schlauder, plur. die -n, in der Baukunst und bey den Eisenarbeitern, ein Nahme, welchen auch die Schließ- und Giebelanker der Gebäude und alle ähnliche große Verbindungen führen. Da diese Schlaudern aus starken Stangen bestehen, welche mit starken Schließen oder Niethen an einander befestiget sind, so dann so wohl der Begriff des Schließens, als auch des Schlauderns und Schlotterns, darin zum Grunde liegen. Siehe Schlaudern.
 
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Die Schläuder, plur. die -n, ein Werkzeug, damit zu schläudern, es bestehe nun in einem bloßen ledernen Riemen, Steine, Kugeln u. s. f. damit aus freyer Hand zu schläudern, oder in einem Gerüste, große Lasten damit fortzuschläudern, dergleichen Werkzeuge man ehedem vor Erfindung des groben Geschützes im Kriege gebrauchte. In weiterer Bedeutung ist die Schläuder bey den Landleuten, ein starkes Band oder lederner Riemen, womit der Mähder die Sense an dem rechten Arme befestiget, damit er sie desto sicherer und gewisser führen könne.
   Anm. Im Nieders. Slenker, Engl. Sling, Schwed. Sljunga, von schlenkern, S. dasselbe.
 
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Der Schläuderer, des -s, plur. ut nom. sing. der mit der Schläuder geschickt umzugehen weiß. In der ältesten Kriegsverfassung wurden diejenigen Soldaten, deren vornehmstes Gewehr in der Schläuder bestand, Schläuderer genannt.
 
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Schlaudern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Neutrum des folgenden Activi ist, aber nicht überall gehöret wird, sich schnell und mit einem Schwunge hin und her bewegen. Eine Spule schlaudert, wenn sie in der Bewegung um ihre Achse sich zugleich seitwärts, hin und her beweget. So schlaudert auch das Holz auf der Drehbank. Der Schlitten schlaudert, wenn er im Fahren mit einem Schwunge seitwärts gleitet. In vielen Gegenden ist dafür auch schläudern üblich. Das Stammwort ist ein veraltetes schlaudern, schlauen, wovon noch unser Schlitten und schleunig abstammen; die Sylbe ern zeiget die Iteration an. Das Intensivum davon ist schlottern.

 

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