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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schlänkern bis Schlauch (Bd. 3, Sp. 1507 bis 1508)
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Artikelverweis  Schlänkern, S. Adelung Schlenkern.
 
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* Schlapp, -er, -este, adj. et adv. welches aus der Niederdeutschen Mundart herstammet, und nur in den gemeinen Sprecharten für schlaff üblich ist, S. dasselbe.
 
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Die Schlappe, plur. die -n, ein Wort, welches eigentlich einen laut schallenden Schlag bedeutet, welche Bedeutung das Englische Slap noch hat. Im Niederdeutschen druckt man den klatschenden Schall eines Schlages noch mit Schlapp aus, und eben daselbst ist Schlappe auch eine Maulschelle. Dem Lateinischen Alapa fehlet nur der Zischlaut, so wie auch klappen damit verwandt ist. (Siehe 1 Schlaf.) Im Hochdeutschen ist es in der eigentlichen Bedeutung veraltet, man gebraucht es nur noch zuweilen figürlich von einem empfindlichen Verluste. Eine Schlappe bekommen, einen empfindlichen Verlust leiden. Den feindlichen Truppen eine Schlappe versetzen oder beybringen. Sich von einer Schlappe erhohlen. Die Schlappe, in einigen Gegenden eine Art der Kopftracht, S. in Schleppe.
 
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Schlappen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welche eine unmittelbare Onomatopöie ist, aber nur in den niedrigen Sprecharten gebraucht wird, theils als ein Intensivum von schlabben, schlabbern, mit ausgeschlagener Zunge ungeschickt hinein schlürfen, wie schlampen; ohne Zischlaut, Engl. to lap, Franz. labber, Griech. λαττειν; theils aber auch von einer Art des nachlässigen Ganges mit Pantoffeln, so daß man diese im Gehen gleichsam unter und hinter sich her schleifet.
 
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* Die Schlappheit, Schlappigkeit, plur. inus. der Zustand, da ein Ding schlapp ist; wofür doch Schlaffheit der anständigern Sprecharten angemessener ist.
 
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Der Schlaráffe, des -n, plur. die -n, eine Person, welche ihr Leben in einem hohen Grade des trägen Müßigganges zubringet, welche sich einer wollüstigen und üppigen Muße widmet; in welchem Verstande es noch hin und wieder üblich ist, und von beyden Geschlechtern gebraucht wird. Pictorius erkläret Schlauraff durch einen sehr schläfrigen Menschen, und Gobler im Rechtsspiegel durch einen müßigen Menschen in einer Stadt. Daher Schlaraffenland, ein erdichtetes Land, dessen Einwohner ihr Leben in der wollüstigsten und trägesten Muße zubringen, welcher Ausdruck durch Brands Narrenschiff und Mori Vtopiam vorzüglich gangbar gemacht worden. Hans Sachs schreibt schon 1530 unter dem Nahmen Schlauraffenland ein Gedicht, welches sich mit diesen Worten endiget:
   Wer also lebt wie obgenandt,
   Der ist gut ins Schlauraffenland,
   Das von den Alten ist erdicht,
   Zur Straff der Jugend zugericht,
   Die gewönlich faul ist und gefreßig,
   Ungeschickt, heiloß und nachleßig u. s. f. In weiterer Bedeutung verstehet man unter einem Schlaraffen eine Person, welche in einem hohen Grade das Gegentheil von demjenigen ist und thut, was andere vernünftige Menschen sind und thun.
   Wann her, wann her, (woher?) ihr Schlauraffen,
   Das ir das Hinter kert herfür?
   Hans Sachs. Die letzte Hälfte dieses dunkel scheinenden Wortes ist, nach Frischens Vermuthung, unser Affe, welches in mehrern Zusammensetzungen eine Art eines Scheltnahmens ist, wie Maulaffe, Zieraffe u. s. f. Die erste Hälfte Schlar, ehedem Schlaur, scheinet von dem Nieders. sluren abzustammen, welches liederlich verschleißen, nachlässig mit seinen Sachen umgehen, schlottern, bedeutet.
 
Artikelverweis Die
Schlarfe, plur. die -n, im gemeinen Leben, ein Nahme leichter, weiter Pantoffeln, ohne Hinterstücke, welche nur den vordern

[Bd. 3, Sp. 1508]


Theil des Fußes bedecken, von dem schlarfenden Laute, welchen sie im Gehen machen. Nieders. Slurre, Slarre, Sluske. S. auch Latsche.
 
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Schlarfen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, auch nur im gemeinen Leben, als eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, von welcher Art der ist, wenn man Pantoffeln ohne Hinterstücke, oder eingetretene Schuhe im nachlässigen Gange auf dem Boden gleichsam unter sich her schleifet; in einigen Gegenden schlurfen. Im Gehen schlarfen, die Füße nicht recht aufheben. Nieders. slarren, slurren, slusken.
 
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Schlau, -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, verborgene Mittel schnell zu seinen Absichten zu gebrauchen, und darin gegründet; verschlagen. Ein schlauer Gast, ein schlauer Kopf, ein schlauer Einfall. Schlau auf etwas seyn. Eine Sache sehr schlau anfangen. Die Liebe ist schlauer als die Freundschaft; ihr süßes Pfeifchen schläfert wohl einen Argus ein, Weiße.
   Anm. Im Niedersächs. slou, im Osnabrück, slüw, im Engl. sly, im Isländ. slaegur, im Schwed. slug, wo auch slög künstlich ist. Schlau setzet eine größere Geschwindigkeit und eine mehrere Verbergung seiner Absichten und Mittel voraus als listig und klug, wovon die Ursache in dem vorgesetzten intensiven Zischlaute liegt, der zugleich ein Ausdruck einer schnellen Bewegung ist. Ohne Zischlaut gebraucht Kero claulich, und Ottfried glau, für klug, weise, Angels. gleaw. Schlau ist in Ansehung der Sittlichkeit eben so gleichgültig als listig ursprünglich ist, d. i. es wird so wohl im guten als bösen Verstande gebraucht; geschiehet es im letztern häufiger, so rühret solches daher, weil die Verbergung seiner Absichten und Mittel bey schädlichen und bösen Handlungen nothwendiger ist, als bey guten und nützlichen. (S. Adelung Schlauheit.) Die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes ist, wie bey seinen Verwandten, allem Ansehen nach die Geschwindigkeit in den Bewegungen, und der darin gegründete Begriff des Lichtes und des Sehens, und in so fern ist es auch mit schlagen verwandt, welches im Schwed. nur slå und im Nieders. slaan lautet. Frisch und Wachter sahen diese Verwandtschaft schon ein, irreten aber in der Verbindung beyder Bedeutungen, indem sie schlau von einer Person erkläreten, die durch Schläge klug geworden.
 
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Die Schlaube, plur. inus. ein im Hochdeutschen unbekanntes, nur in einigen Gegenden gangbares Wort, die Hülfe, Schale zu bezeichnen. S. Adelung Schlaue.
 
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Der Schlauch, des -es, plur. die Schläuche, ein Wort, welches überhaupt den Begriff des hohlen oder vertieften Raumes hat. 1) Im weitesten Verstande, im welchem bey dem Matthesius die Sümpfe und Schläuche des Meeres die Schlünde, Abgünde, tiefsten Stellen desselben sind. Bey dem Kaisersberg und andern ältern Oberdeutschen Schriftstellern ist Schlauch, Schlug, der Schlund, die Gurgel, (S. auch Schlacht Anm.) Noch häufiger 2) im engern Verstande, mit dem Begriffe des Biegsamen, wo dieses Wort noch in vielen Fällen gebraucht wird, aus einer biegsamen Materie bestehende hohle Räume zu bezeichnen. In den warmen Ländern werden der Wein und andere flüssige Körper in ledernen Schläuchen aufbehalten und verführet. Lederne oder leinwandene Röhren oder Canäle, flüssige Körper darin von einem Orte zum andern zu leiten, heißen fast in allen Fällen Schläuche oder Schlauchröhren. Dergleichen sind die Schläuche an den Schlangenspritzen, die Weinschläuche, Bierschläuche u. s. f. mit welchen letztern Wein oder Bier in die Keller und Fässer geleitet wird. Das Zeugungslied mancher großen männlichen Thiere, besonders der Pferde und Esel, heißt der Schlauch. An dem Lauche, Zwiebeln u. s. f. sind die hohlen, aufgeblasenen Stängel unter dem Nahmen der Schläuche bekannt, und in manchen

[Bd. 3, Sp. 1509]



   Gegenden wird auch ein herab hangender Bauch, ingleichen die herab hangende Haut am Halse, der Schlauch genannt.
   Anm. Im Böhm. Sslauch. Es stammet in der weitesten Bedeutung von schlagen her, so fern es ehedem auch sich in die Tiefe bewegen bedeutete, daher auch Schlag von Gräben und andern Arten der hohlen Räume gebraucht wird. (S. auch Schluche.) In der zweyten Bedeutung kommt noch der Begriff der Schlaffheit, des Schlotterns, der Biegsamkeit hinzu, indem im Angelsächs. Sleak, im Schwed. slak, und im Niederdeutschen schlack, so viel wie schlaff ist, (S. Schlackig.) Sehr nahe ist mit unserm Schlauch das Niederdeutsche Slu, Sluwe, in einigen Oberdeutschen Gegenden Schlaube, Schlaue, verwandt, die Hülse, Schale gewisser Früchte zu bezeichnen, Holländ. Sloester. Ohne Zischlaut gehöret auch Loch mit seinen Verwandten dahin.

 

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