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Schläferig bis Schlafgesêll (Bd. 3, Sp. 1486 bis 1487)
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Artikelverweis  Schläferig, Schläfrig, -er, -ste, adj. et adv.1. Von dem Hauptworte Schläfer ohne Comparation ist ein einschläferiges, ein zweyschläferiges Bett, im gemeinen Leben mancher Gegenden ein Bett für Eine Person, für zwey Personen, wofür in andern einmännisch und zweymännisch, einspännig und zweyspännig üblich sind. In der anständigen Schreib- und Sprechart bedienet man sich statt aller dieser Ausdrücke lieber einer Umschreibung. Hier ist die Zusammenziehung ungewöhnlich. 2. Von dem Zeitworte schläfern ist schläferig, und noch häufiger schläfrig, Neigung, Trieb zum Schlafen empfindend. 1) Eigentlich. Schläfrig seyn. Die zehen Jungfrauen wurden alle schläfrig, Matth. 25, 5. Ein schläfriges Kind. 2) Figürlich, einen fehlerhaften Mangel des Triebes zur Bewegung empfindend, und darin gegründet; im Gegensatze des munter. Ein schläfriger Mensch. Schläfrig arbeiten. Ein schläfriges Pferd. Nach einer noch weitern Figur, einen fehlerhaften Mangel der Fertigkeit empfindend, die Wirkungen des Geistes schnell und mit Deutlichkeit zu vollbringen, und darin gegründet; auch im Gegensatze des munter. Ein schläfriger Vortrag. Eine schläfrige Schreibart.
   Bey dem Kero slaffaga, eigentlich schläfig, unmittelbar von schlafen, im Nieders. sleperig.
 
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Die Schläferigkeit, noch häufiger Schläfrigkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Person oder Sache, da sie schläfrig ist, in allen Bedeutungen von schläferig 2.
 
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Schläfern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Neigung, Trieb zum Schlafe empfinden. 1) Als ein persönliches Zeitwort, ich schläfere, ich empfinde Neigung zum Schlafe, ist es nur in einigen Oberdeutschen Gegenden gangbar. 2) Im Hochdeutschen kennet man es nur als ein unpersönliches Zeitwort, welches die vierte Endung der Person erfordert. Es schläfert mich, mich schläfert, es hat uns geschläfert.
   Anm. Es ist vermittelst der desiderativen Endung -ern von schlafen gebildet, und ohne Anstoß auch in der anständigen Sprechart gangbar, obgleich die meisten Desiderativa dieser Art niedrig sind. Notker sagt dafür mih slaphota, welches ein veraltetes Intensivum von schlafen zu seyn scheinet. In dem zusammen

[Bd. 3, Sp. 1487]


gesetzten einschläfern hat es eine factitive Bedeutung, wofür bey dem Opitz mehrmahls einschläfern vorkommt.
 
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Schlaff, -er, -este, adj. et adv. Mangel an der Spannung, an der Steife habend; im Gegensatze dessen was straff und steif ist. 1) Eigentlich. Eine schlaffe Sehne. Ein Seil ist schlaff, wenn es nicht gehörig gespannt ist. Ein Pferd hat schlaffe Ohren, wenn es krank ist. Schlaffe Wäsche, welche durch den Gebrauch ihre Steife verloren. In manchen Fällen dafür auch welk üblich. 2) Figürlich, im Gegensatze dessen, was in figürlichem Verstande gespannt ist, besonders von dem Geiste und dessen Fähigkeiten, träge, Mangel an einem merklichen Grade der Aufmerksamkeit, der Begierde, der innern Stärke leidend, und darin gegründet. Ein System läßt sich nicht zur Belustigung noch mit einer schlaffen Seele lesen, womit man etwa einen Roman lieset.
   Zwar kann er Menschen leiden,
   Doch lässig, unbemüht, und nur bey schlaffen Freuden,
   Haged.
   Nichts rührt sein schlaffes Herz, als kluge Münzgesetze,
   ebend. Anm. Im Nieders. slapp, daher auch einige gemeine Hochdeutsche Sprecharten schlapp sagen, im Schwed. slapp, im Pohln. und Wend. slaby, im Engl. slack, im Angels. slaw, welches aber auch träge und stumpf bedeutet, so wie das Schwed. slapp auch für leer gebraucht wird. Es stammet entweder von der welken, herab hängenden Beschaffenheit her, da es denn vermittelst des intensiven Zischlautes von laff, lapp, Lappe, gebildet seyn würde, (S. Adelung Schlappen,) oder auch von der schleifenden, schleichenden Bewegung, indem im Niederd. slapp und slack, und im Schwed. slapp und slack, gleichbedeutend sind. Im Angels. ist slipan lösen, locker machen, und bey dem Ulphilas slavan aufhören, eigentlich schlaff werden. (S. auch Schlaf.) Bey unsern ältesten Schriftstellern kommt dieses Wort im eigentlichen Verstande nicht vor; ohne Zweifel nur aus Mangel der Gelegenheit, denn Kero gebraucht slaff figürlich für unlustig, Widerwillen, Ekel empfindend, und Slaffy für Unlust; eine sehr schickliche Figur, weil Unlust doch nichts anders ist, als ein Mangel der Spannung in den begehrenden Kräften.
 
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Schlaffen, verb. reg. neutr. schlaff werden, welches aber nur in dem zusammen gesetzten erschlaffen üblich ist, S. dasselbe.
 
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Die Schlaffheit, plur. inus. die Eigenschaft, der Zustand eines Dinges, da es schlaff ist, so wohl im eigentlichen, als figürlichen Verstande. Schon Willeram gebraucht Slafheit für Trägheit, und Kero Slaffy für Unlust.
 
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Das Schlaffieber, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Fieber, welches mit einer abwechselnden unnatürlichen Neigung zum Schlafe verbunden ist; Febris soporosa.
 
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Der Schlafgänger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schlafgängerinn, eine Person, welche im Schlafe herum gehet, und allerley Handlungen verrichtet; wofür doch das Wort Nachtwanderer üblicher ist.
 
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Das Schlafgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches man für die Übernachtung an einem Orte bezahlet, besonders in den Herbergen.
 
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Das Schlāfgemách, des -es, plur. die -gemcher, dasjenige Gemach, worin man schläfet; das Schlafzimmer.
 
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Der Schlafgesêll, des -en, plur. die -en, in der vertraulichen Sprechart, eine Person, welche mit einer andern in einem und eben demselben Bette schläft, von beyden Geschlechtern; der Schlaf-Camerad.

 

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