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Schlackenkobalt bis Schlafapfel (Bd. 3, Sp. 1483 bis 1485)
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Artikelverweis Der Schlackenkobalt, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, im Bergbaue, eine Art des Kobaltes, welcher einer schwammigen Schlacke gleicht.
 
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Der Schlackenläufer, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, derjenige Arbeiter, welcher die tauben Schlacken auf die Halde läuft, d. i. auf einen Haufen führet.
 
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Der Schlackenstein, des -es, plur. die -e, eben daselbst, eine steinartige Masse, welche sich von den Schlacken absondert, und das Silber an sich ziehet.

[Bd. 3, Sp. 1484]



 
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Das Schlackenzinn, des -es, plur. inus. Zinn, welches aus den Zinnschlacken geschmelzet wird, und das beste und geschmeidigste Zinn gibt.
 
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1. Schlackig, -er, -ste, adj. et adv. Schlacken, und in engerer Bedeutung, viele Schlacken enthaltend und gebend. Schlackiges Erz. Schlackicht würde Schlacken ähnlich bedeuten.
 
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2. Schlackig, -er, -ste, adj. et adv. welches besonders in Niederdeutschland üblich ist, wo man ein anhaltendes Regenwetter, ein schlackiges oder schlackeriges Weiter zu nennen pflegt. Eben daselbst ist schlackern nicht nur lange und anhaltend regnen, sondern auch flüssige Dinge verschütten, sehr und viel klecken, ingleichen den Koth im Gehen mit den Füßen auf die Kleider werfen; lauter Onomatopöien, wohin auch unser klecken gehöret, von welchem schlackern ein iteratives Intensivum ist. (S. auch Schlecken.) Eben daselbst ist schlack figürlich schlaff, Angels. fleak, Engl. flack, Schwed. flak, Lat. ohne Zischlaut laxus, wohin auch unser locker gehöret.
 
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Die Schlackwurst, plur. die -würste, in einigen Niederdeutschen Gegenden, eine aus dem Schlackdarme bereitete Wurst; die Schlacke, S. dieses Wort.
 
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1. Der Schlaf, des -es, plur. die Schläfe, die mittlern Seitentheile des Hauptes neben den Augen, wo die Hirnschale am dünnsten ist, und wo man den Schlag der Pulsader gewahr wird. Jael schlug dem Sissera einen Nagel in den Schlaf, Richt. 4, 21. Sie durchbohrete seinen Schlaf, Kap. 5, 26.
   Verflucht sey dieser Schmeichler, sey diese Sclavenhand,
   Die um den Schlaf der Ruhmsucht den ersten Lorber wand,
   Dusch. Sich beyde Schläfe verbinden. Einige Sprachlehrer sprechen diesem Worte den Singular ab; ich weiß nicht, was sie dazu verleitet haben mag, indem so wohl die Sache selbst, als der beständige Gebrauch das Gegentheil lehren.
   Anm. Dieses Wort kommt weder in unsern alten Denkmahlen, noch in den verwandten Sprachen vor, wohl aber das gleichbedeutende Niederdeutsche Dünne, Dünning, welches auch in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten gangbar ist; bey dem Raban Maurus im 8ten Jahrhunderte Thunevengia, bey dem Notker Touungo, im Schwed. Tinning. Es ist sehr wahrscheinlich daß dieses Wort von Schlag nur im Endlaute verschieden ist, und eigentlich die Stelle am Haupte bedeutet, wo man die Pulsader schlagen siehet, um weßwillen der Schlaf im Französischen auch Batant genannt wird. Das Lat. Tempus, Tempora leidet eine ähnliche Ableitung. Daß für schlagen auch irgendwo schlafen üblich gewesen seyn muß, erhellet unter andern auch aus dem Schwedischen Slef, ein Schlägel, und aus unserm Intensivo Schlappe, S. dasselbe.
 
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2. Der Schlaf, des -es, plur. car. diejenige Ruhe der thierischen Natur, wobey sich die Seele in einem Zustande dunkler und undeutlicher Empfindungen befindet. 1. Eigentlich. In den Schlaf fallen, in einen süßen Schlaf gerathen. Der Schlaf überfällt mich. Keinen Schlaf haben, nicht schlafen können. Einen festen Schlaf haben, fest schlafen. Ein tiefer Schlaf. Ein harter Schlaf, von welchem man schwer zu erwecken ist, im Gegensatze eines leisen. Es kommt kein Schlaf in meine Augen. Vom Schlafe erwachen. Nicht in den Schlaf kommen können. Sich des Schlafes nicht erwehren können. Seinen ordentlichen Schlaf haben. Ein Kind in den Schlaf singen. Voller Schlaf oder voll Schlafes seyn. Einen Schlaf machen oder thun, für schlafen, ist nur in den gemeinen Sprecharten üblich, so wie man in der vertraulichen auch wohl im Diminutivum sagt, ein Schläfchen machen, ein wenig schlafen. 2. Figürlich. 1) Der Stand der Betäubung mancher Thiere im Winter, z. B. des

[Bd. 3, Sp. 1485]


Hamsters, des Murmelthieres u. s. f. welcher kein eigentlicher Schlaf ist. 2) Noch uneigentlicher legt man den Pflanzen einen Schlaf bey, der in einer Unthätigkeit ihrer vegetabilischen Natur bestehet. 3) Der Schlaf eines Gliedes am menschlichen Körper ist gleichfalls ein Zustand der Betäubung. 4) Der Schlaf des Gewissens, der Stand des unterlassenen Gebrauches desselben zur Beurtheilung der Handlungen. 5) Der Schlaf der Sünde, in der biblischen Schreibart, da man ohne lebendiges Bewußtseyn seines Zustandes in der Sünde beharret.
   Anm. Bey dem Kero und Willeram Slaff, bey dem Ulphilas Slep, bey dem Ottfried Slaf, im Nieders. Slap, im Angels. Slaep, im Engl. Sleep. Ohne Zweifel von schlaff, weil doch der Schlaf äußerlich in einer Erschlaffung des ganzen Körpers bestehet. Einige Oberdeutsche Mundarten schreiben und sprechen noch wirklich Schlaff. Die Schweden gebrauchen dafür Sömn, Isländ. Suefn, Böhm. Sen, welche mit dem Lat. Somnus auf das genaueste verwandt sind. S. Adelung Schlafen.
 
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Die Schlafader, plur. die -n, derjenige Ast der Pulsader, welcher an den Schläfen sichtbar ist. S. 1 Schlaf.
 
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Der Schlafapfel, des -s, plur. die -äpfel, ein röthlich grüner Schwamm in Gestalt eines Apfels, welcher aus den Zweigen des wilden Rosenstockes oder der Heckenrose wächset, und durch den Stich eines Gallinsectes verursacht wird; Rosenschwamm, Schlafkunz, Kunz, (S. Adelung Kunz;) weil er den Schlaf befördern soll, wenn man ihn unter das Kopfküssen legt.

 

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