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Schirbel bis Schirmen (Bd. 3, Sp. 1475 bis 1477)
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Artikelverweis Der Schirbel, des -s, plur. ut nom. sing. ein in den gemeinen Sprecharten für Scherbe oder Scherben übliches Wort, so wohl in der Bedeutung eines Stückes, als auch eines Gefäßes.

[Bd. 3, Sp. 1476]



   So ist auf den Eisenhämmern der Schirbel ein Stück angefrischtes Eisen, welches auf den Zagel gehauen worden.
 
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Der Schirben, des -s, plur. ut nom. sing. auch eine in den gemeinen Sprecharten für Scherbe übliche Form, besonders in der Bedeutung einer Art Gefäße, für der Scherben. Auf dem Harze ist der Schirben ein körperliches Maß, nach welchem in dem dasigen Bergbaue alles gemessen wird. Es ist ein Faß, welches 1/4 Ellen lang, 3/4 breit und 1/2 Elle hoch ist, und 2 Karren hält, und 31/4 bis 3 1/2 Zentner wiegt. 70 bis 90 Schirben gehen daselbst auf ein Treiben. S. Adelung Scherbe.
 
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Der Schirbenkobalt, S. Adelung Scherbenkobalt.
 
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Schirken, verb. reg. neutr. welches mit haben, von dem Finken üblich ist, wenn er seinen eintönigen Laut von sich hören läßt, welchen dieses Zeitwort genau nachahmet. Der Fink schirkt. Von dem ähnlichen eintönigen Laute anderer Vögel sind schirpen und zirken üblich.
 
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Der Schirl, im Bergbaue, S. Adelung Schörl.
 
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Der Schirling, S. Adelung Schierling.
 
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Der Schirm, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte schirmen. 1. * Ein Gefecht; eine längst veraltete Bedeutung (S. Adelung Schirmen.) 2. In der Bedeutung einer ebenen Fläche ist es noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens üblich. So wird im Bergbaue die Fläche des Ganges, es sey nun das Hangende oder das Liegende, d. i. die obere oder untere Fläche, der Schirm genannt. Bey den Jägern heißt der flache hintere Theil der Hirsche, Thiere und Rehe so wohl der Schirm, als der Schurz und die Scheibe. 3. Ein Körper, (er sey übrigens flach oder hohl,) welcher etwas Unangenehmes von uns abhält, sich zwischen uns und einem andern Dinge befindet, dessen Annäherung oder Einwirkung zu hindern. 1) Eigentlich. So wurde der Schild ehedem sehr häufig der Schirm genannt; bey dem Notker Skerm, im Nieders. Scherm. Sturmdächer, Wetterdächer u. s. f. waren ehedem unter dem Nahmen der Schirme bekannt, (S. Schirmdach.) Im Jagdwesen heißt eine jede Hütte, ein jedes Gezelt, ja ein jedes leichtes hölzernes Gebäude, ein Schirm, es mag nun die Witterung abhalten, oder auch Sicherheit vor dem Anblicke des Wildes gewähren; daher man daselbst Leibschirme, Jagdschirme, Anstandschirme, Hatzschirme, Anschleichschirme u. s. f. hat. Der Herr ist ein Schirm wider die Hitze, eine Hütte wider den heißen Mittag, Sir. 34, 19. Was man in den meisten Gegenden eine Spanische Wand nennet, heißt in Niederdeutschland nur ein Schirm schlechthin. Am üblichsten ist es in den Zusammensetzungen Lichtschirm, Regenschirm, Sonnenschirm, Feuerschirm, Bratschirm, Ofenschirm u. s. f. In manchen Gegenden wird auch der Fliegenwedel Fliegenschirm genannt, weil er gleichfalls zu Abhaltung der Fliegen dienet. Bey den Büchsenmachern werden die äußern Stäbe unter der Pfanne eines Gewehrschlosses der Schirm genannt; ob aus eben derselben Ursache, ist mir unbekannt. 2) Figürlich, die Abhaltung der Abwehrung des Übels von einem andern Dinge, und die Person oder Sache, welche diese Abhaltung bewirket; ohne Plural. Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet, Ps. 91, 1. Du bist mein Schirm, Ps. 32, 7. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, Ps. 91, 4. Liebes Moab, sey du ihr Schirm vor dem Verstöhrer, Es. 16, 4. In dem gewöhnlichen Sprachgebrauche der Hochdeutschen fängt es an zu veralten, außer daß man es noch zuweilen in Verbindung mit Schutz gebraucht; Schirm und Schutz. Sich in jemandes Schirm und Schutz begeben. Jemanden in seinen Schutz und Schirm nehmen.
   Anm. Schon bey dem Ottfried Scirmu, bey dem Willeram Skirm, im Schwed. Skärm, im Ital. Schermo, im Engl. Screen, welches nicht so wohl durch Versetzung der Buchstaben

[Bd. 3, Sp. 1477]


aus Schirm entstanden, als vielmehr auf ähnliche Art von Schrein, ein hohler Raum, gebildet worden. S. Adelung Schirmen.
 
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Der Schirmbrief, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort. 1) Ein Schutzbrief, eine jede Urkunde, worin man jemanden in seinen Schutz und Schirm nimmt. 2) Bey dem Rothweilischen Gerichte ist der Schirmbrief eine Bittschrift, worin der Kläger um die Execution in die Güter des Schuldners ansucht.
 
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Die Schirmbüchse, plur. die -n, dem Frisch zu Folge, noch in einigen Gegenden, ein Nahme der Feuerbüchsen, womit sich die Bürgerschaft im Falle der Noth gegen einen Feind vertheidiget, und sich daher noch jährlich im Schießen mit denselben übet.
 
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Das Schirmdách, des -es, plur. die -dcher, ein bloßes Dach, so fern es die Witterung oder ein anderes Ding abzuhalten bestimmt ist. So werden noch die Wetterdächer an den Häusern in manchen Gegenden Schirmdächer genannt. Ehedem führeten diesen Nahmen auch die Sturmdächer der Belagerer.
 
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Schirmen, verb. reg. act. welches ursprünglich von scharen vermittelst des hier vielleicht intensiven Endlautes m abstammet, und daher auch aller der verschiedenen Bedeutungen fähig ist, welche jenes hat und haben kann. 1. * Als eine unmittelbare Nachahmung des Schalles, bedeutet es ehedem als ein Neutrum schreyen, wehklagen. Diese im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung hat das Schwed. skärma noch, und im Wallis. ist Ysgarm das Geschrey, und im Bretagnischen scarmi rufen. (Siehe 1 Schar). 2. * Nach einer der gewöhnlichsten Figuren bezeichnete es nachmahls verschiedene mit diesem Laute oder Getöse verbundene Handlungen. Dahin gehöret das Finnländische, des Zischlautes beraubte kirman, spielen, und unser jetzt veraltetes schirmen, schermen, fechten, streiten, und zwar nicht bloß zur Vertheidigung fechten, wie Frisch und andere wollen, die solches aus der folgenden Bedeutung des Abwehrens nur gemuthmaßet haben, sondern fechten überhaupt; Schwed. skärma, Ital. scrimare, Franz. escrimer, Böhm. ssermir. (S. auch Scharmützel.) 3. Nach einer fortgesetzten Figur wurde es oft der Ausdruck verschiedener mit diesem oder einem ähnlichen Laute verbundener Bewegungen. 1) * In die Länge und Breite; daher der figürliche Gebrauch des Hauptwortes Schirm in der Bedeutung einer Fläche. (S. 1 Schar 4.) 2) In die Tiefe; eine im eigentlichen Verstande veraltete Bedeutung, (S. 1 Schar 4 5) von welcher aber die noch jetzt übliche der Abhaltung, Abwehrung, als eine Figur angesehen werden kann, indem der Begriff der Beschirmung, Beschützung, Bedeckung, in mehrern Fällen eine Figur des hohlen Raumes ist. Schirmen bedeutet dieser Figur zu Folge, die Annäherung eines andern als ein Übel betrachteten Dinges, oder dessen Einfluß abhalten. So sagte man ehedem sich vor der Kälte, vor dem Regen, vor der Hitze schirmen, eine Stadt vor dem Feinde schirmen u. s. f. Indessen ist es im gemeinen Sprachgebrauche sehr in Abgang gekommen, indem theils beschirmen, theils andere Zeitwörter dafür üblicher geworden sind. Eben dieß gilt auch von den Zusammensetzungen Schirmbrief, Schirmgott, Schirmgeld, Schirmherr u. s. f. welche man jetzt mit Schutz verbindet. In dieser Bedeutung des Abhaltens und figürlich der Vertheidigung sagt schon Ottfried skirmen. Das Ital. schermire, beschirmen, ist ohne Zweifel aus dem Deutschen entlehnet, so wie auch das Griech. σκιρον, ein Schirm, Schauer, damit verwandt ist. Schirmen drückt mehr die Abhaltung des Übels aus, schützen siehet mehr auf dessen Wirkung, auf die dadurch gewährte Sicherheit. Eben so sind Schirm und Schutz verschieden. Der Grund davon liegt ohne Zweifel in der mehrmahls verstärkten Intension der Wörter Schutz und schützen, deren Stammwort hüthen gleichfalls nur bedecken bedeutet. Schauer ist mit Schirm nahe verwandt,

[Bd. 3, Sp. 1478]


und wurde auch ehedem dafür gebraucht. In einer Urkunde von 1385 wird der Landgraf von Thüringen durch sonderliches Nutzis, Schures-Willen, erwählet, zu unsirm und des Stiftis Schurer, Schirmer und Vorweser.

 

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