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Schinderey bis Schippschêren (Bd. 3, Sp. 1474 bis 1475)
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Artikelverweis Die Schinderey, plur. die -en. 1. In der ersten eigentlichen Bedeutung. 1) Die Wohnung des Schinders; in der anständigen Sprechart die Kafillerey, die Abdeckerey. 2) Die Arbeit, Verrichtung des Schinders, das Abdecken des gestorbenen Viehes, und in weiterer Bedeutung, eine jede ungeschickte Beraubung der Haut, ja eine jede ekelhafte Arbeit; doch alles nur in der niedrigen

[Bd. 3, Sp. 1475]


Sprechart. 2. In der figürlichen Bedeutung, jede grobe Überschreitung der Billigkeit im Nießbrauche und Handel und Wandel; auch nur in der harten und niedrigen Schreibart. Gott stürzt der Gottlosen Schinderēy, Sprichw. 10, 3. Das Volk wird Schinderey treiben, Es. 3, 5. Er wartet aufs Recht, siehe, so ists Schinderey, Kap. 5, 7.
 
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Die Schindergrube, S. Adelung Schindanger.
 
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Der Schinderkarren, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige Karren, worauf der Abdecker das gestorbene Vieh auf den Schindanger führet.
 
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Der Schinderknêcht, des -es, plur. die -e, der Knecht des Scharfrichters, welcher zum Abdecken gebraucht wird, in der niedrigen Sprechart; der Kafiller, der Abdecker.
 
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Die Schindgrube, plur. die -n, S. Adelung Schindanger, Schundgrube hingegen ist noch davon unterschieden, S. dasselbe.
 
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Der Schinken, des -s, plur. ut nom. sing. Dimin. das Schinkchen, Oberd. Schinklein. 1) * Das dicke Bein mit dem Gesäß; eine veraltete Bedeutung, in welcher es nur noch zuweilen im Scherze gebraucht wird, doch mit Anspielung auf die folgende Bedeutung. Ehedem war es aber gangbarer, nicht bloß für das Dickbein, sondern auch für Schenkel und Schienbein, (S. Adelung Schenkel.) Im Niedersächsischen ist Schunke noch der Schenkel, und in engerer Bedeutung, ein plumper, ungeschickter Schenkel. 2) In engerer Bedeutung ist es nur noch von eingesalzenen und geräucherten Dickbeinen oder Keulen der Schweine üblich. Der Vorderschinken, der Hinterschinken. Im engsten Verstande verstehet man unter Schinken schlechthin allemahl die geräucherte hintere Keule eines Schweines, dagegen man die Vorderkeule in manchen Gegenden auch Hamme zu nennen pflegt. Ein roher Schinken, ein gekochter Schinken.
   Anm. In der zweyten engern Bedeutung im Nieders. Schinke, im Schwed. Skinka, im Angels. Scenc. S. Adelung Schenkel.
 
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Das Schinkenbein, des -es, plur. die -e, das Bein in oder von einem Schinken, das Schenkelbein eines Schweines; im Oberd. das Hammenbein.
 
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Der Schinkenkêssel, des -s, plur. ut nom. sing. ein länglicher Kessel in Gestalt einer Wanne, die Schinken darin abzukochen; Nieders. Schulderketel.
 
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Das Schinkenmêsser, des -s, plur. ut nom. sing. ein langes Messer mit einer breiten, dünnen Klinge, den Schinken damit in dünne Scheiben zu zerschneiden.
 
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Die Schippe, plur. die -n, ein eigentlich Niederdeutsches Wort, welches mit dem Hochdeutschen Schaufel gleichbedeutend ist, und in einigen gröbern Mundarten auch Schüppe lautet. Daher schippen oder schüppen, schaufeln, der Schipper, der da schaufelt u. s. f. Es hat einerley Abstammung mit Schaufel, nur daß es statt der Endsylbe -el die Endsylbe -e hat. Wo man im Hoch- und Oberdeutschen sagt, einen Korb bekommen, da sagt man im Niederdeutschen, die Schippe bekommen, (S. Adelung Korb.) Wenn aber eben daselbst die Schippe kriegen oder bekommen auch bedeutet, seines Amtes entsetzt werden, so scheint es alsdann unmittelbar von schieben, Schub, Schupp abzustammen, einen Schupp bekommen. Im Schleswigischen scheinet der Schipp auch ein Getreidemaß zu seyn; wenigstens hält ein Schipp Landes 24 Quadrat-Ruthen, jede zu 16 Quadrat-Fuß, wo es denn zunächst zu Schaff, Scheffel gehören würde.
 
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Das Schippschêren, des -s, plur. car. bey den Tuchscherern, das Scheren der schwarzen Tücher zum zweyten und dritten Mahle.

 

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