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Schimpf bis Schindeleisen (Bd. 3, Sp. 1471 bis 1473)
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Artikelverweis Der Schimpf, des -es, plur. inus. ein Wort, welches in folgenden Bedeutungen gefunden wird. 1. * Der Scherz, so wohl in der eigentlichsten Bedeutung der lächerlichen possierlichen Bewegungen, als auch in allen weitern Bedeutungen des Wortes Scherz; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche aber in den Schriften der vorigen Zeiten häufig vorkommt, auch noch in einigen gemeinen Mundarten gangbar zu seyn scheinet. Ein höflicher Schimpf, ein grober Schimpf. Auch im Gegensatze des Ernstes. Beyde im Ernst und auch im Schimpf, Hans Sachs. Im Nieders. Schimp, im Schwed. Skämt. 2. * Verspottung, Verhöhnung, Spott, Hohn; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher Schimpf noch mehrmahls für Spott bey den Schwäbischen Dichtern vorkommt. Das Schwed. Skymf hat gleiche Bedeutung. Im Griechischen ist σκωμμα eine Stachelrede. 3. * Verstümmelung; ein gleichfalls veralteter Gebrauch, welcher doch aus der dazu gehörigen Bedeutung des Zeitwortes erhellet. 4. Verletzung der Ehre, welche als eine Figur der vorigen Bedeutung angesehen werden kann; Nieders. Schimp. 1) Eigentlich, wo Schimpf von einer jeden Entehrung, oder Verletzung der Ehre gebraucht wird, besonders so fern sie zur Wissenschaft anderer kommt. Jemanden einen Schimpf anthun, dessen Ehre verletzen, ihn beschimpfen. Etwas für einen Schimpf halten. Den Schimpf nicht auf sich sitzen lassen. Sich oder einem andern einen Schimpf zuziehen. Das Laster ist ein Verderbniß der Vernunft und des Herzens, der höchste Schimpf des göttlichen Adels unserer Seele, Gell. 2) In engerer Bedeutung, die Wissenschaft anderer von der uns zugefügten Verletzung unserer Ehre. Schimpf von etwas haben. Jemanden in Schimpf bringen. Wo es doch am liebsten mit dem Worte Schande gebraucht wird. In Schimpf und Schande bringen, gerathen. Schimpf und Schande gewohnt seyn. Man vergleiche dieses Wort mit dem, was von Schande gesagt worden, so wird die Übereinkunft und der Unterschied beyder Wörter gar bald in die Augen fallen. S. das folgende.
 
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Schimpfen, verb. reg. act. aus dessen intensiven pf bereits erhellet, daß es ein Intensivum von einem veralteten schimen ist, von welchem unter andern Formen auch schimmern, schämen, schäumen u. s. f. abstammen. Da dieses seinem Ursprunge nach sehr vieler Bedeutungen fähig ist, so finden selbige auch bey diesem abgeleiteten Worte Statt, welches ursprünglich die Nachahmung eines Lautes ist, und hernach von allen denjenigen Veränderungen gebraucht wurde, welche mit diesem Laute verbunden waren, oder unter demselben gedacht wurden. 1. * Scherzen; ohne Zweifel eigentlich, scherzhafte Bewegungen machen, welches die erste Bedeutung aller ähnlichen Wörter ist. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung veraltet, ob sie gleich in den ältern Mundarten sehr

[Bd. 3, Sp. 1472]


gangbar war, und es zum Theil noch ist. Niedersächs. schimpen, Schwed. skymfa. Und sah ihn schimpfen mit Rebecca seiner Hausfrau, 1 Mos. 26, 8, in einer alten 1466 zu Straßburg gedruckten Deutschen Bibel. Grob schimpfen, höflich schimpfen, noch in einigen Gegenden. Zu der Bedeutung der Bewegung überhaupt gehöret noch das Isländ. skima, hin und wieder laufen. Nieders. schummeln. (Siehe Schämen Anm.) 2. * Verspotten, verhöhnen, als eine Onomatopöie des Tones, des Lautes, der Stimme; vielleicht aber auch als eine Figur der Verletzung der Ehre. Schwed. skämma. Es ist auch in dieser Bedeutung veraltet, aber bey den Schwäbischen Dichtern kommt Schimpfer noch mehrmahls für Spötter, so wie im Tatian schimphan für verspotten, vor. 3. Mit ehrenrührigen Worten beleidigen; eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung, in welcher es auch im Hochdeutschen noch gangbar ist. Jemanden schimpfen. Er hat mich geschimpft, meine Ehre mit Worten beleidiget. Das ist nicht geschimpft. Auf jemanden schimpfen. In den niedrigen Sprecharten lautet dieses Wort mit der fremden Endung -ieren auch schimpfieren, Nieders. schimpieren, Schwed. skymfera, welche Form sehr alt ist, indem enschumpfieren für beschimpfen schon bey dem Hornegk vorkommt. Man könnte auch diese Bedeutung als eine engere Einschränkung der folgenden der Verunehrung ansehen; allein es wird aus verschiedenen Umständen warscheinlicher, daß es davon getrennet werden muß. Es scheinet überhaupt, seinen Zorn durch heftige Worte auslassen, bedeutet zu haben, und so gebraucht der große Haufe es noch jetzt, dem schimpfen, schänden und schelten oft gleichbedeutend sind; das Hebr. 05d605e205dd, zürnen, kommt demselben nahe. Vermuthlich rühret die eingeschränkte Hochdeutsche Bedeutung daher, weil der große Haufe nicht anders als schimpfend schelten kann. 4. Verstümmeln, und durch Verstümmelung verunstalten. 1) * Eigentlich; welche Bedeutung im Hochdeutschen aber auch veraltet ist, außer daß verschimpfen noch im gemeinen Leben, für auf solche Art verunstalten, üblich ist. Das verschimpft das Gesicht, verstellet dasselbe. Noch bey dem Kero ist skemman stutzen, verkürzen, und Skemmi die Kürze. Auch im Schwed. ist skåmma abkürzen, stutzen, und figürlich, so verkürzen, daß ein Ding dadurch seine gehörige Gestalt verliere, Ital. und im mittlern Lat. scemare, wo Scematio auch Verstümmelung ist. Von dieser Form ist schimpfen das Intensivum. (S. Adelung Schämen Anm.) 2) * Figürlich, jemandes Ehre verletzen, Unehre zufügen; schon im Tatian scimfan. Es ist auch hier im Hochdeutschen veraltet, indem dafür beschimpfen eingeführet ist, man müßte denn die vorige dritte Bedeutung als eine Einschränkung davon ansehen wollen. Schande, schänden, Laster u. a. m. gründen sich in ihren gangbarsten Bedeutungen auf eben dieselben Begriffe der Verstümmelung und Verunstaltung, und Hornegk gebraucht noch das jetzt veraltete stumpfieren, d. i. stümmeln, verstümmeln, als gleichbedeutend mit beschimpfen. Wäre diese Figur nicht überwiegend wahrscheinlich, so könnte man schimpfen in dieser Bedeutung sehr bequem als ein intensives Factitivum von schamen ansehen, und da würde es schämen machen bedeuten.
   So auch das Schimpfen, weil Schimpfung nur in dem zusammen gesetzten Beschimpfung üblich ist.
 
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Schimpflich, -er, -ste, adj. et adv. Schimpf bringend, in der dritten Bedeutung des Hauptwortes, d. i. die Ehre verletzend oder beleidigend. Das ist mir schimpflich. Eine schimpfliche Begegnung. Schimpflich von jemand reden. Daher die Schimpflichkeit. Von Schimpf, Scherz, war schimpflich ehedem scherzhaft, lustig.
 
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Der Schimpfnahme, des -ns, Plur. die -n, ein jemanden zum Schimpfe gereichender Nahme, welchen man jemanden beylegt, um ihn damit zu beschimpfen.

[Bd. 3, Sp. 1473]



 
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Die Schimpfrêde, plur. die -n, eine Rede, worin man jemanden schimpfet, eine beschimpfende Rede.
 
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Das Schimpfwort, des -es, plur. die -e, und -wörter, (S. Adelung Wort) Worte, wodurch jemand geschimpfet, an seiner Ehre verletzet wird, ehrenrührige Worte.
 
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Der Schindanger, des -s, plur. ut nom. sing. in der niedrigen Sprechart, ein Anger, d. i. grüner Platz, auf welchem das umgefallene Vieh von dem Abdecker abgedecket wird; in einigen Gegenden das Schindleich, in Meißen in der anständigern Sprechart der Viehweg; wenn es ein vertiefter Ort ist, die Schindergrube, Schindgrube, im Nieders. Fillkule.
 
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Die Schindel, plur. die -n, kleine gespaltene Breter, besonders so wie an manchen Orten die Dächer damit gedeckt werden. Auch die noch dünnern Dachspäne, welche unter die Fugen eines Ziegeldaches gesteckt werden, führen an manchen Orten gleichfalls den Nahmen der Schindeln. Die Schindeln der Wundärzte, welche aber auch Schienen heißen, sind ähnliche dünne und schmale Breter.
   Anm. Im Engl. Shingle, im Böhm. Ssyndel, im Lothring. Chondre, im Franz. Echandole, im Ital. Scandola, im Lat. Scindula und Scandula; alle von schinden, so fern es ehedem auch spalten bedeutete, Lat. scindere, indem das Wort Schindel doch nur von gespaltenen Bretern gebraucht wird. Oder auch von dem alten Schin, Schind, die Haut, und eine jede Decke oder Bedeckung, weil die Schindeln am häufigsten zu den Dächern gebraucht werden. (S. Adelung Schinden und Schiene.) Die Endsylbe ist die Endsylbe -el, ein Ding, Subject, ein gespaltenes Ding oder ein deckendes Ding zu bezeichnen.
 
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Das Schindeldách, des -es, plur. die -dcher, ein mit Schindeln gedecktes Dach.
 
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Der Schindeldêcker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Dachdecker, welcher ein Dach mit Schindeln zu decken verstehet.
 
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Das Schindeleisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein eisernes Werkzeug der Schindelhauer, die Fugen damit in die Schindeln zu hauen.

 

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