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Schílderhaus bis Schildkrabbe (Bd. 3, Sp. 1462 bis 1464)
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Artikelverweis Das Schílderhaus, des -es, plur. die -häuser, Diminut. das Schilderhäuschen, Oberd. Schilderhäuslein, ein kleines Gehäuse von Bretern oder Steinen, worin die auf ihrem Posten stehende Schildwache sich bey üblem Wetter verbergen kann. Von 2 Schildern, S. dasselbe.
 
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1. Schildern, verb. reg. act. von dem Hauptworte Schild. 1) Mit einem Schilde versehen, in verschiedenen einzelnen Fällen. So nennen die Jäger diejenigen Feld- und Wasserhühner, welche einen Schild auf der Brust haben, geschildert. In weiterm Verstande ist ein Geflügel bey ihnen wohl geschildert, wenn es auf der Brust reichlich mit Federn bedeckt ist. 2) Die Feldhühner schildern, eben daselbst, sie mit dem Schilde, d. i. dem gemahlten Bilde eines Thieres vor sich her treiben. 3) Mahlen, Figuren mit Farben entwerfen; im Nieders. schillern, im Schwed. skildra. Es wird das Schildern bey den Kattundruckern dem Drucken entgegen gesetzt. Farben einschildern, sie auf den Kattun mahlen. Geschilderte Kattune, gemahlte, im Gegensatze der gedruckten. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist schildern von mahlen noch unterschieden, und da bedeutet es, die einzelnen Theile eines Gemähldes durch Farben, Licht und Schatten, gehörig ausarbeiten. Eine Schlacht schildern, sie nach allen ihren Theilen kunstmäßig abbilden. Figürlich schildert auch der Redner, der Dichter, wenn er eine sehr lebhafte Beschreibung eines Dinges macht, ein Ding nach allen seinen Theilen der Einbildungskraft durch Worte gegenwärtig macht. So schildert der Dichter eine schöne Gegend, die Schrecken einer Schlacht, den Sturm auf der See u. s. f. So auch das Schildern. S. auch die Schilderung.
   Die gewöhnlichste Ableitung des Wortes schildern in dieser Bedeutung, welche auch Wachter, Frisch, Ihre und andere angenommen haben, ist von Schild in der ersten eigentlichsten Bedeutung, weil die Bemahlung der Schilde eine der ersten und vornehmsten Beschäftigungen der Mahler war, und sich die alten Deutschen schon zu Taciti Zeiten der bemahlten Schilde bedienten. Es hat, diese Ableitung sehr viele Wahrscheinlichkeit für sich, und da würde von Schild mit der Ableitungsylbe -er das Hauptwort Schilder, ein Mahler, und von diesem das Zeitwort schildern gebildet seyn. Allein es ist doch die Figur ein wenig hart und ungewöhnlich. Nach der Analogie so vieler andern Wörter müßte Schilder eigentlich jemanden bedeuten, welcher Schilde verfertiget, und nicht, der

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verfertigte Schilde bemahlet. Die drey leeren Schilde, welche die Mahler in ihrem Wapen führen, können hier nichts beweisen, indem sie ohne Zweifel sehr späten Ursprunges sind, und durch eine unrichtige Ableitung entstanden seyn können. Es käme daher darauf an, ob man nicht eine geschicktere und weniger gezwungene Abstammung ausmachen könnte, und diese biethet das veraltete Zeitwort schillen, schellen, theilen, unterscheiden, an, Schwed. skilja, Angels. scylan, von welchem schildern, Nieders. schillern, das Intensivum seyn kann; zumahl da der Begriff des Unterscheidens, der Bearbeitung aller einzelner Theile, in dem Worte schildern so deutlich hervorsticht.
 
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2. Schildern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Stehen und warten, stehen und einem Dinge, welches kommen soll, lange entgegen sehen; ein vornehmlich in den Niederdeutschen Mundarten üblicher Gebrauch, wo es schillern lautet. 2) In engerer, auch im Hochdeutschen nicht ganz unbekannten Bedeutung, Schildwache stehen. Schildern müssen. Der Spanier schildert oft ganze Stunden unter dem Fenster seiner Geliebten. So auch das Schildern.
   Anm. Frisch leitet dieses Wort geradezu von dem Lat. scultari her, andere von Schild, weil die Schildwachen ihre Wachen mit dem Schilde am Arme verrichten müssen. Erträglicher würde die letztere Ableitung seyn, wenn man sie durch eine Wache erklärete, welche bey den Schilden des übrigen Haufens stand, so wie man noch jetzt die Gewehrwachen hat, von welcher besondern Bedeutung es denn die allgemeinere bekommen haben könnte. Allein man muß den Ursprung dieses Wortes wohl ein wenig weiter suchen. Die Form zeiget schon, daß es ein intensives Diminutivum, oder auch bloß ein doppeltes Intensivum ist, wo theils das doppelte ll, theils das r die Intension bezeichnet. Das Stammwort würde also schielen, seitwärts sehen, zielen, genau auf etwas sehen, seyn, welche Bedeutung schillern, Hochdeutsch schildern, nur verstärkt. Das Latein. scultari, wovon σκουλτα im mittlern Griech. eine Schildwache bedeutete, kann genau damit verwandt, und bloß eine Figur von einem Sinne auf den andern seyn. Die Nahmen der Schildwachen in andern Sprachen haben einen ähnlichen Ursprung; z. B. das Franz. Sentinelle, von sentire, das gleichfalls Franz. être aux écoutes, Schildwache stehen, von écouter, hören, horchen. S. Adelung Schilderhaus und Schildwache.
 
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Die Schilderung, plur. die -en, von schildern, mahlen, doch nur in dessen figürlichen Bedeutung, eine lebhafte Beschreibung eines Dinges nach allen seinen Theilen, ein rednerisches oder poetisches Bild. In der mehr eigentlichen eines Gemähldes ist Schilderey üblich.
 
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Das Schildfêrkel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den neuern Schriftstellern des Thierreiches eine Art Armadille oder Panzerthiere, dessen länglicher Kopf einem Schweinskopfe ähnlich ist. Der vordere und hintere Theil des Körpers ist mit zweyen Schilden versehen, zwischen welchen sich zehn kleinere befinden. Es ist auf den Ostindischen Inseln einheimisch. Tatu porcinus Klein.
 
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Die Schildgerêchtigkeit, plur. inus. die Gerechtigkeit, d. i. das Recht, einen Schild auszuhängen, und folglich ein öffentliches Gewerbe zu treiben; wo es zuweilen von der Gastgerechtigkeit gebraucht wird, oder dem Rechte Fremde zu beherbergen.
 
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Der Schildhalter, des -s, plur. ut nom. sing. in der Wapenkunst, eine menschliche oder thierische Figur, welche den Wapenschild hält; Wapenhalter.
 
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Der Schildhof, des -es, plur. die -höfe, S. Adelung Schildbauer.
 
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Der Schildkäfer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Käfer mit fadenförmigen Fühlhörnern, deren Brustschild zugleich den Kopf bedeckt; Cassida L.

[Bd. 3, Sp. 1464]



 
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Der Schildknorpel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adamsapfel.
 
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Die Schildkrabbe, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme des Taschenkrebses, weil er gleichsam mit einem Schilde bedeckt ist. S. Adelung Taschenkrebs.

 

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