Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Petschīerstếcher bis 2. Der Pfaffe (Bd. 3, Sp. 697 bis 699)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Petschīerstếcher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, dessen vornehmstes Geschäft es ist, Petschiere für andere zu stechen; der Petschaftstecher.
 
Artikelverweis 
Das Petum, des -s, plur. car. eigentlich der Nahme, welchen der Rauchtobak und dessen Pflanze auf der Insel Tabago führet. Bey uns pflegt man noch eine Art Amerikanischen Tobakes mit sehr grünen wolligen und dicken Blättern, welche 14 Zoll breit und 26 Zoll lang sind, und den daraus bereiteten Rauchtobak Petum zu nennen.
 
Artikelverweis 
Der Ptz, des -es, plur. die -e, der Nahme des Bären im gemeinen Leben. Hier sträubet sich der Petz, Haged.

[Bd. 3, Sp. 698]


Ingleichen ohne Artikel als ein eigenthümlicher Nahme des Bären.
   Und wo ein Bär den andern sah
   So hieß es: Petz ist wieder da,
   Gell. S. Adelung Bätz, wie dieses Wort auch, und vielleicht am richtigsten, geschrieben und gesprochen wird.
 
Artikelverweis Die
Pêtze, plur. die -n, im gemeinen Leben eine Hündinn, und figürlich auch wohl, ein unzüchtiges liederliches Weibsbild. Dieses Wort wird häufig Betze geschrieben und gesprochen; allein im Hoch- und Oberdeutschen hat das P den Vorzug. Im Angels. lautet es Bicce, Bice, im Engl. Bitch. im Franz. Bichon, im Schwed. Byckja, alles in der Bedeutung einer Hündinn. Im Böhm. bedeutet Pes einen Hund, und Psyce eine Hündinn. Wachter leitet es von Slavon. bizu, laufen, her, welche Ableitung dadurch unterstützet wird, daß sich auch mehrere Benennungen des Hundes und der Hündinn von laufen, jagen, ableiten lassen. S. Adelung Hund, ingleichen Bätz. Man hat in den Deutschen Mundarten eine große Menge Wörter, das weibliche Geschlecht der Hunde zu benennen. Bey den Jägern heißt die Hündinn eine Fähe, eine Wölfinn, eine Hündinn, und eine Debe. Das letztere ist besonders in Niedersachsen üblich, wo es auch Tere, Tiffe, Tieve lautet, im Holländ. Teef, Taewel, im Schwed. Taefwa. In eben dieser Niedersächsischen Mundart bedeutet Tebe auch einen jeden Hund, ohne Rücksicht auf dessen Geschlecht. Wachtern zu Folge stammet dieses Wort von θεω ich laufe, im Imperat. θευ her. Zippe ist eine andere auch Niedersächsische Benennung einer Hündinn, welche mit dem Gothischen Sif, und dem Zoba bey den Raban Maurus überein kommt. Doch bedeutet Zip in Niedersachsen, so wie Czupka im Böhmischen, und Soba in andern Slavon. Mundarten, auch einen jeden Hund. Luppe, welches in einigen Gegenden auch eine Hündinn ausdruckt, kommt vermuthlich von laufen her. Bekannter ist das Hannöv. Tacche, welches bey den alten Franken und Alemannen Zoh, bey den neuern Oberdeutschen, Zauche, Zaucke, Zuche, im Schwed. Tik, im Isländ. Tyk, im Nordengl. Tyke lautet, und mit dem Engl. Dog, ein Hund, überein kommt. Im Oberd. bedeutet auch Bräcke eine Hündinn, und Metze oder Mätze so wohl eine Hündinn, als auch ein unzüchtiges Weibesbild, und im Würtembergischen soll auch Zatze für eine Hündinn üblich seyn. S. auch Brack, Hund, und Racker.
 
Artikelverweis 
Pf, ein zusammen gesetzter Consonant, welcher entstehet, wenn man dem p in der Aussprache einen starken Blaselaut nachschleichen lässet. Dieser Laut ist den Oberdeutschen Mundarten am geläufigsten, aus welchen ihn auch die Hochdeutsche beybehalten hat. Die Niederdeutschen kennen ihn nicht, sondern sprechen und schreiben in ihrer Mundart statt dessen ein p oder pp; tropfen, hüpfen, zapfen, Kropf, Hopfen, Kopf, Krampf, Dampf, Sumpf, Schnupfen, Pfad, pfropfen, Pfaff, Pfand, Pfanne, Pfeffer u. s. f. wofür die Niederdeutschen drüppen, hüppen, tappen, Kropp, Hoppen, Kopp, Kramp, Damp, Sump, Schnuppen, Pad, proppen, Pape, Pand, Panne, Peper u. s. f. sagen. Für das mehr Oberdeutsche Schöpfe haben auch die Hochdeutschen das Niederdeutsche Schöppe beybehalten. Einige Oberdeutsche Mundarten sind mit diesem harten Laute überaus freygebig, und da sagt man für Pacht auch Pfacht, für pachten, pfachten u. s. f. Ja manche sprechen auch das f mit so fest geschlossenen Lippen aus, daß ein pf heraus kommen muß, daher auch im Hochdeutschen viele Pflaumfeder und Pfinne für Flaumfeder und Finne schreiben und sprechen. In empfahen, empfangen, empfehlen, und empfinden, ist emp um des Wohlklanges willen aus ent entstanden. S. diese Wörter, und viele der folgenden mit Pf anfangenden.

[Bd. 3, Sp. 699]



 
Artikelverweis 
Der Pfad, des -es, plur. die -e, (nicht Pfäde, wie einige schreiben) der Weg, worauf man gehet, der Fußweg; ein Wort, welches im Oberdeutschen auch in den gemeinen Mundarten üblich ist, im Hochdeutschen aber nur in der edlern und höhern Schreibart, so wohl im eigentlichen als figürlichen Verstande, gebraucht wird. Da trat der Engel des Herrn in den Pfad, 4 Mos. 22, 24. Bald wird ein Mädchen hier den Pfad vorüber gehn, schön wie eine der Grazien, Geßn. Ich will mich jedem Vergnügen überlassen, womit die wohlthätige Natur die dornigen Pfade des Lebens bestreuet.
   Du streust Rosen und Jasmin
   Auf die sichern Pfade hin,
   Die ich gehe,
   Weiße. Anm. Bey dem Ottfried Pad, im Plural Pedi, bey dem Notker Phad, bey dem Stryker Phat, in Boxhorns Glossen Fadh, im Nieders. Pad, im Angels. Paad, im Engl. Path, im Griech. πατος, im Russischen Put, und selbst im Malabarischen Padey. Es ist ein altes Wort, welches von dem noch Nieders. pedden, padden, gehen, treten, Lat. petere, Griech. πατειν, Hebr. 05e405e905e2 und 05d105d505e1 abstammet, und mit Fuß, dem Lat. Pes, unserm Pfote und Waten Eines Geschlechtes ist, S. diese Wörter. Ein anderes nur in den gemeinen Sprecharten einiger Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Österreich und Baiern, übliches Wort, ist Pfad, oder nach der dortigen Aussprache Pfoad, ein Hemd, womit das Gothische Paida und Isländ. Paita in eben dieser Bedeutung, überein kommt. Dieses Pfad scheinet das Stammwort von unserm Futter zu seyn, so fern es eine Bekleidung bedeutet.
 
Artikelverweis Das
Pfadeisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein umgebogenes Eisen in der Haspelstütze, in und auf welchem der Zapfen des Rundbaumes herum läuft, und welcher auch das Pfuhleisen genannt wird; ohne Zweifel auch von Pfad, ein Weg, und dem veralteten pfaden, gehen, sich bewegen.
 
Artikelverweis 
Pfadlos, -er, -este, adj. et adv. des Pfades beraubt; in der höhern Schreibart. Eine pfadlose Wüste, eine unbewegsame. Pfadlos ach! und rauh ist der Boden.
 
Artikelverweis 
Die Pfadschau, plur. die -en, in einigen Oberdeutschen Gegenden, die obrigkeitliche Besichtigung der Pfade oder Wege.
 
Artikelverweis 
1. Der Pfaff, des -en, plur. die -en, oder Pfaffe, des -n, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben in einigen Fällen übliches Wort, einen Zapfen oder doch eine Art desselben zu bezeichnen. So wird bey den Brauern der Zapfen der Pfaff genannt. Bey den Schlössern ist der Niethpfaffe eine Art Meißel, welchen man auf die Niethe, zu denen man mit dem Hammer nicht kommen kann, setzt, und mit dem Hammer darauf schlägt. Siehe auch Pfaffendorn. Pfaff hat hier überhaupt den Begriff der spitzigen Beschaffenheit, und in noch weiterer Bedeutung der Erhöhung, daher es zu dem Geschlechte der Lat. Papa, Papilla, Papula, Faba, des Schwed. Papp, die Brustwarze, der Deutschen Pfebe, Wiepe, Feifel u. s. f. gehöret. Im Nieders. ist Pape ein kleiner Hügel.
 
Artikelverweis 
2. Der Pfaffe, des -n, plur. die -n, eine dem eigentlichen Dienste Gottes oder des für Gott gehaltenen Wesens gewidmete Person; wo es ehedem auch im guten und rühmlichen Verstande gebraucht wurde, einen Priester, und in weiterer Bedeutung einen jeden Geistlichen zu bezeichnen, daher noch Jeroschin den Papst den obersten Pfaffen nennet. In dieser anständigen Bedeutung ist es längst veraltet, und wird nur noch im verächtlichen und harten Verstande von einem jeden Priester und Geistlichen gebraucht, er diene nun dem wahren oder falschen Gotte. Da werden sie denn fragen ihre Götzen und Pfaffen, und Wahrsager und Zeichendeuter, Es. 19, 3. Ein Götzenpfaffe, Dompfaffe, Bauchpfaffe, Meßpfaffe, Dorfpfaffe u. s. f. alle im harten und

[Bd. 3, Sp. 700]


verächtlichen Verstande. Bey den Handwerkern, wo man einen Lehrling mit allerley seltsamen Gebräuchen zum Gesellen zu machen pflegt, hat man einen Gesellen, welcher einen Geistlichen vorstellet, die Deposition verrichtet, und gleichfalls der Pfaffe, der Gesellenpfaffe oder Schleifpfaffe genannt wird. Auf den Niedersächsischen Universitäten wurden die Studenten, weil man sie ehedem mit zu den Geistlichen rechnete, gleichfalls Pfaffen genannt, da denn die Pennale oder so genannten Füchse Halbpfaffen hießen.
   Figürlich und vermuthlich wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt oder vielleicht auch wegen der schwarzen Farbe sind im gemeinen Leben einige Vögel unter diesem Nahmen bekannt. 1) Die großbärtige Schwalbe, welche bey dem großen Haufen in dem ungegründeten Verdachte ist, daß sie die Kinder und Ziegen aussaugen soll, Hirundo Caprimulga Klein. wird auch der Pfaffe genannt. S. Nachtrabe. 2) Das Rohrhuhn, Wasserhuhn oder schwarze Blashuhn, Fulica recentiorum Klein. ist gleichfalls unter dem Nahmen des Pfaffen bekannt. 3) S. auch Dompfaffe.
   Anm. Dieses Wort lautet bey dem Verfasser des alten Gedichtes auf den heil. Anno Paff, im Nieders. Pape, im Angels. Papa, im Wallis. und Slavon. Pope. Es ist aus dem Griech. παπας Lat. Papa, welches schon frühe ein Ehrennahme der Priester und Geistlichen wurde, und von den Oberdeutschen blasenden Mundarten in Pfaff verwandelt worden. Durch den langen Gebrauch, besonders in dem Munde des großen Haufens, hat es seine ehemahlige Würde verloren, so daß es jetzt bis zu einem beleidigenden Ausdrucke hinab gesunken ist. In den folgenden Zusammensetzungen liegt theils eine oder die andere Ähnlichkeit mit der Tracht der Geistlichen zum Grunde, theils bedeuten aber auch die mit Pfaff zusammen gesetzten Wörter das vorzüglichste ihrer Art, weil sich die Geistlichen immer gern das Beste anzumaßen pflegen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: