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Petschier bis Pfadlos (Bd. 3, Sp. 697 bis 699)
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Artikelverweis Das Petschier, des -es, plur. die -e, ein für Petschaft, besonders im gemeinen Leben, übliches Wort, so wohl ein Handsiegel als auch dessen Abdruck zu bezeichnen. Mit seinem Petschiere versiegeln. Und sie schrieb Briefe unter Ahabs Nahmen, und versiegelte sie mit seinem Pitschier (Petschier,) 1 Kön. 21, 8. Das Petschier erbrechen, besser, das Siegel. Im Nieders. lautet dieses Wort Pitzer, im Schwed. Pitser. Es ist mit Petschaft Eines Ursprunges und von demselben nur im Endlaute unterschieden, welcher allem Ansehen auch Slavonischen Ursprunges ist, wenn es nicht, wie aus dem Nieders. beynahe glaublich werden sollte, aus unserm Endlaute er verderbt worden; Petschier für Petscher, ein Ding, womit man aufdruckt.
 
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Petschieren, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben für zusiegeln üblich ist. Einen Brief, ein Packet petschieren, zusiegeln. Daher auch das Siegellack im gemeinen Leben Oberdeutschlandes Petschierwachs genannt wird.
 
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Der Petschierring, des -es, plur. die -e, wie Petschaftring, am häufigsten im gemeinen Leben.
 
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Der Petschīerstếcher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, dessen vornehmstes Geschäft es ist, Petschiere für andere zu stechen; der Petschaftstecher.
 
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Das Petum, des -s, plur. car. eigentlich der Nahme, welchen der Rauchtobak und dessen Pflanze auf der Insel Tabago führet. Bey uns pflegt man noch eine Art Amerikanischen Tobakes mit sehr grünen wolligen und dicken Blättern, welche 14 Zoll breit und 26 Zoll lang sind, und den daraus bereiteten Rauchtobak Petum zu nennen.
 
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Der Ptz, des -es, plur. die -e, der Nahme des Bären im gemeinen Leben. Hier sträubet sich der Petz, Haged.

[Bd. 3, Sp. 698]


Ingleichen ohne Artikel als ein eigenthümlicher Nahme des Bären.
   Und wo ein Bär den andern sah
   So hieß es: Petz ist wieder da,
   Gell. S. Adelung Bätz, wie dieses Wort auch, und vielleicht am richtigsten, geschrieben und gesprochen wird.
 
Artikelverweis Die
Pêtze, plur. die -n, im gemeinen Leben eine Hündinn, und figürlich auch wohl, ein unzüchtiges liederliches Weibsbild. Dieses Wort wird häufig Betze geschrieben und gesprochen; allein im Hoch- und Oberdeutschen hat das P den Vorzug. Im Angels. lautet es Bicce, Bice, im Engl. Bitch. im Franz. Bichon, im Schwed. Byckja, alles in der Bedeutung einer Hündinn. Im Böhm. bedeutet Pes einen Hund, und Psyce eine Hündinn. Wachter leitet es von Slavon. bizu, laufen, her, welche Ableitung dadurch unterstützet wird, daß sich auch mehrere Benennungen des Hundes und der Hündinn von laufen, jagen, ableiten lassen. S. Adelung Hund, ingleichen Bätz. Man hat in den Deutschen Mundarten eine große Menge Wörter, das weibliche Geschlecht der Hunde zu benennen. Bey den Jägern heißt die Hündinn eine Fähe, eine Wölfinn, eine Hündinn, und eine Debe. Das letztere ist besonders in Niedersachsen üblich, wo es auch Tere, Tiffe, Tieve lautet, im Holländ. Teef, Taewel, im Schwed. Taefwa. In eben dieser Niedersächsischen Mundart bedeutet Tebe auch einen jeden Hund, ohne Rücksicht auf dessen Geschlecht. Wachtern zu Folge stammet dieses Wort von θεω ich laufe, im Imperat. θευ her. Zippe ist eine andere auch Niedersächsische Benennung einer Hündinn, welche mit dem Gothischen Sif, und dem Zoba bey den Raban Maurus überein kommt. Doch bedeutet Zip in Niedersachsen, so wie Czupka im Böhmischen, und Soba in andern Slavon. Mundarten, auch einen jeden Hund. Luppe, welches in einigen Gegenden auch eine Hündinn ausdruckt, kommt vermuthlich von laufen her. Bekannter ist das Hannöv. Tacche, welches bey den alten Franken und Alemannen Zoh, bey den neuern Oberdeutschen, Zauche, Zaucke, Zuche, im Schwed. Tik, im Isländ. Tyk, im Nordengl. Tyke lautet, und mit dem Engl. Dog, ein Hund, überein kommt. Im Oberd. bedeutet auch Bräcke eine Hündinn, und Metze oder Mätze so wohl eine Hündinn, als auch ein unzüchtiges Weibesbild, und im Würtembergischen soll auch Zatze für eine Hündinn üblich seyn. S. auch Brack, Hund, und Racker.
 
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Pf, ein zusammen gesetzter Consonant, welcher entstehet, wenn man dem p in der Aussprache einen starken Blaselaut nachschleichen lässet. Dieser Laut ist den Oberdeutschen Mundarten am geläufigsten, aus welchen ihn auch die Hochdeutsche beybehalten hat. Die Niederdeutschen kennen ihn nicht, sondern sprechen und schreiben in ihrer Mundart statt dessen ein p oder pp; tropfen, hüpfen, zapfen, Kropf, Hopfen, Kopf, Krampf, Dampf, Sumpf, Schnupfen, Pfad, pfropfen, Pfaff, Pfand, Pfanne, Pfeffer u. s. f. wofür die Niederdeutschen drüppen, hüppen, tappen, Kropp, Hoppen, Kopp, Kramp, Damp, Sump, Schnuppen, Pad, proppen, Pape, Pand, Panne, Peper u. s. f. sagen. Für das mehr Oberdeutsche Schöpfe haben auch die Hochdeutschen das Niederdeutsche Schöppe beybehalten. Einige Oberdeutsche Mundarten sind mit diesem harten Laute überaus freygebig, und da sagt man für Pacht auch Pfacht, für pachten, pfachten u. s. f. Ja manche sprechen auch das f mit so fest geschlossenen Lippen aus, daß ein pf heraus kommen muß, daher auch im Hochdeutschen viele Pflaumfeder und Pfinne für Flaumfeder und Finne schreiben und sprechen. In empfahen, empfangen, empfehlen, und empfinden, ist emp um des Wohlklanges willen aus ent entstanden. S. diese Wörter, und viele der folgenden mit Pf anfangenden.

[Bd. 3, Sp. 699]



 
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Der Pfad, des -es, plur. die -e, (nicht Pfäde, wie einige schreiben) der Weg, worauf man gehet, der Fußweg; ein Wort, welches im Oberdeutschen auch in den gemeinen Mundarten üblich ist, im Hochdeutschen aber nur in der edlern und höhern Schreibart, so wohl im eigentlichen als figürlichen Verstande, gebraucht wird. Da trat der Engel des Herrn in den Pfad, 4 Mos. 22, 24. Bald wird ein Mädchen hier den Pfad vorüber gehn, schön wie eine der Grazien, Geßn. Ich will mich jedem Vergnügen überlassen, womit die wohlthätige Natur die dornigen Pfade des Lebens bestreuet.
   Du streust Rosen und Jasmin
   Auf die sichern Pfade hin,
   Die ich gehe,
   Weiße. Anm. Bey dem Ottfried Pad, im Plural Pedi, bey dem Notker Phad, bey dem Stryker Phat, in Boxhorns Glossen Fadh, im Nieders. Pad, im Angels. Paad, im Engl. Path, im Griech. πατος, im Russischen Put, und selbst im Malabarischen Padey. Es ist ein altes Wort, welches von dem noch Nieders. pedden, padden, gehen, treten, Lat. petere, Griech. πατειν, Hebr. 05e405e905e2 und 05d105d505e1 abstammet, und mit Fuß, dem Lat. Pes, unserm Pfote und Waten Eines Geschlechtes ist, S. diese Wörter. Ein anderes nur in den gemeinen Sprecharten einiger Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Österreich und Baiern, übliches Wort, ist Pfad, oder nach der dortigen Aussprache Pfoad, ein Hemd, womit das Gothische Paida und Isländ. Paita in eben dieser Bedeutung, überein kommt. Dieses Pfad scheinet das Stammwort von unserm Futter zu seyn, so fern es eine Bekleidung bedeutet.
 
Artikelverweis Das
Pfadeisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein umgebogenes Eisen in der Haspelstütze, in und auf welchem der Zapfen des Rundbaumes herum läuft, und welcher auch das Pfuhleisen genannt wird; ohne Zweifel auch von Pfad, ein Weg, und dem veralteten pfaden, gehen, sich bewegen.
 
Artikelverweis 
Pfadlos, -er, -este, adj. et adv. des Pfades beraubt; in der höhern Schreibart. Eine pfadlose Wüste, eine unbewegsame. Pfadlos ach! und rauh ist der Boden.

 

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