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Perspectīve bis Pestilenziālisch (Bd. 3, Sp. 694 bis 695)
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Artikelverweis Die Perspectīve, plur. inus. aus dem Franz. Perspective, die Wissenschaft, die Gegenstände so zu zeichnen, wie sie aus einer gewissen Entfernung in das Auge fallen. Gryphius suchte dieses Wort durch Schaukunst zu ersetzen, welches aber keinen Beyfall erhalten hat.
 
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Perspectīvisch, adj. et adv. in der Perspective gegründet. Ingleichen so wie ein Gegenstand aus einer gewissen Entfernung sich dem Auge darstellet.
 
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Die Pertinếnzien, sing. inus. oder das Pertinếnz-Stück, des -es, plur. die -e, was zu einem Dinge, als ein wesentlicher Theil gehöret, das Zubehör; besonders von solchen Theilen eines Gutes, Hauses, oder andern unbeweglichen Dinges.
 
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Die Pêst, plur. die -en, der Nahme einer im höchsten Grade ansteckenden Krankheit, welche in kurzer Zeit eine große Menge Geschöpfe hinraffet, und sich unter vielerley Gestalten zeiget, aber gemeiniglich in einem sehr ansteckenden und bösartigen Faulfieber bestehet. Die Pest unter dem Rindviehe, welche doch häufiger das Viehsterben, die Viehseuche genannt wird. Die Pest unter den Pferden, Bienen u. s. f. Die Pest unter den Menschen, welche man am häufigsten unter der Pest schlechthin verstehet. Die Pest herrschet, wüthet in einem Lande. Die Pest haben, bekommen. An der Pest sterben. Mit der Pest angestecket werden. Ungeachtet nicht zu läugnen ist, daß die Pest eine eigene Art einer sehr ansteckenden und bösartigen Krankheit ist, so ist doch auch wahr, daß man ehedem ein jedes bösartiges Faulfieber, besonders bey der ehemahligen schlechten Behandlung desselben, eine Pest genannt hat. S. auch Pestilenz. Figürlich wird eine im höchsten Grade schädliche Sache, welche sehr leicht mehrere Personen verderbet, eine Pest genannt. Die Wollust ist die Pest der Seele.
   Anm. Im Franz. Peste, welches so wie das Deutsche aus dem Lat. Pestis entlehnet worden. Im gemeinen Leben sind dafür auch die Ausdrücke die Seuche, das Sterben, im Oberdeutschen Sterbote, Sterbat, der Sterbend, in der Schweiz der Prästen, und in andern Gegenden der Schelm, Schölm und Keyb üblich.
 
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Der Pèstarzt, des -es, plur. die -ärzte, ein Arzt, welcher dazu bestellet ist, in Pestzeiten, die von der Pest angegriffenen Kranken zu heilen; der Pest-Medicus.
 
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Die Pêstbeule, plur. die -n, Beulen, welche in Pestzeiten zuweilen an den mit der Pest behafteten Kranken ausbrechen; Pestdrüsen.
 
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Die Pêstblase, oder Pêstblatter, plur. die -n, solche Blasen oder Blattern.

[Bd. 3, Sp. 695]



 
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Der Pêstêssig, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein mit Raute, Salbey, Wermuth, Münze und Lavendel zubereiteter Weinessig, in Pestzeiten daran zu riechen, oder sich den Mund damit auszuspülen, um sich vor dem Anstecken der Pest zu verwahren; der Giftessig, Franz. Vinaigre du quatre voleurs weil sich vier Spitzbuben vermittelst desselben zur Pestzeit gesund sollen erhalten haben, ungeachtet sie während der Pest alle Häuser bestahlen.
 
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Das Pêsthaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus außer der Stadt, in welches man zu Pestzeiten die angesteckten Personen zu schaffen pflegt; eine Art der Lazarethe oder Stechhäuser.
 
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Die Pestillếnz, plur. die -en, aus dem Lat. Pestilentia, welches für Pest im gemeinen Leben am üblichsten ist.
 
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Pestilenziālisch, adj. et adv. der Pest ähnlich, in derselben gegründet, im höchsten Grade ansteckend; am häufigsten im gemeinen Leben. Eine pestilenzialische Luft. Pestilenzialische Ausdünstungen. Der höhern Schreibart ist dafür pestilenzisch angemessener.
   Eine gefürchtete Zeit, mit pestilenzischem Fittig
   Wallet auf Nebeln die Seuche daher,
   Zachar.

 

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