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Pêrsōnendichtung bis Pêstblase (Bd. 3, Sp. 693 bis 694)
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Artikelverweis Die Pêrsōnendichtung, plur. die -en, in der Dicht- und Redekunst, eine Figur, nach welcher leblosen Dingen solche Eigenschaften beygeleget werden, welche nur Personen, d. i. vernünftig denkenden Wesen zukommen, da man leblose Dinge als Personen anführet; mit einem Griechischen Kunstworte Prosopopooia, die Prosopopöie.
 
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Pêrsȫnlich, adj. et adv. die Person betreffend, in der Person gegründet; doch nur in der zweyten und dritten Bedeutung des Hauptwortes. Der persönliche Gegenstand, der Gegenstand, so fern derselbe eine Person ist, zum Unterschiede von dem Gegenstande der Sache. Persönlich kommen, erscheinen, in eigener Person, im mittlern Lat. personaliter. Einen persönlichen Haß gegen jemanden haben, dessen Person hassen. Persönliche Fürwörter, in der Sprachkunst, welche die Stelle einer bestimmten Person vertreten, und wohin man nur die Fürwörter ich, du, er, wir, ihr, sie rechnet, obgleich auch andere diesen Nahmen mit eben so vielem Rechte verdieneten, S. Adelung Es, Anm. 1. Persönliche Zeitwörter, gleichfalls in der Sprachkunst, Zeitwörter, welche eines dieser Fürwörter vor sich leiden, zum Unterschiede von den unpersönlichen,

[Bd. 3, Sp. 694]


welche unbestimmte Fürwörter vor sich haben und nur in der dritten Person gebraucht werden. Persönliche Handlungen, im göttlichen Wesen, Handlungen, welche im Schooße der Gottheit vorgehen, ohne Verhältniß auf zufällige Dinge.
 
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Die Persȫnlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es eine Person, d. i. ein für sich bestehendes vernünftig denkendes Wesen ist, das für sich Bestehen, eines vernünftig denkenden Wesens. Man hat in den neuern Zeiten wieder angefangen, die Persönlichkeit des Teufels zu bestreiten. Es geschiehet oft, daß wir unsre Existenz und Persönlichkeit gewisser Maßen vergessen. Die Aufnahme der menschlichen Natur Christi von der göttlichen in ihre Persönlichkeit, oder in die Persönlichkeit des Sohnes Gottes. Die menschliche Natur Christi hatte vor der Vereinigung mit der göttlichen für sich keine Persönlichkeit.
 
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Das Perspectīv, des -es, plur. die -e, aus dem Französ. Perspectif, ein optisches Instrument, wodurch man entlegene Sachen deutlich erkennen kann; das Fernrohr, Sehrohr.
 
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Die Perspectīve, plur. inus. aus dem Franz. Perspective, die Wissenschaft, die Gegenstände so zu zeichnen, wie sie aus einer gewissen Entfernung in das Auge fallen. Gryphius suchte dieses Wort durch Schaukunst zu ersetzen, welches aber keinen Beyfall erhalten hat.
 
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Perspectīvisch, adj. et adv. in der Perspective gegründet. Ingleichen so wie ein Gegenstand aus einer gewissen Entfernung sich dem Auge darstellet.
 
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Die Pertinếnzien, sing. inus. oder das Pertinếnz-Stück, des -es, plur. die -e, was zu einem Dinge, als ein wesentlicher Theil gehöret, das Zubehör; besonders von solchen Theilen eines Gutes, Hauses, oder andern unbeweglichen Dinges.
 
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Die Pêst, plur. die -en, der Nahme einer im höchsten Grade ansteckenden Krankheit, welche in kurzer Zeit eine große Menge Geschöpfe hinraffet, und sich unter vielerley Gestalten zeiget, aber gemeiniglich in einem sehr ansteckenden und bösartigen Faulfieber bestehet. Die Pest unter dem Rindviehe, welche doch häufiger das Viehsterben, die Viehseuche genannt wird. Die Pest unter den Pferden, Bienen u. s. f. Die Pest unter den Menschen, welche man am häufigsten unter der Pest schlechthin verstehet. Die Pest herrschet, wüthet in einem Lande. Die Pest haben, bekommen. An der Pest sterben. Mit der Pest angestecket werden. Ungeachtet nicht zu läugnen ist, daß die Pest eine eigene Art einer sehr ansteckenden und bösartigen Krankheit ist, so ist doch auch wahr, daß man ehedem ein jedes bösartiges Faulfieber, besonders bey der ehemahligen schlechten Behandlung desselben, eine Pest genannt hat. S. auch Pestilenz. Figürlich wird eine im höchsten Grade schädliche Sache, welche sehr leicht mehrere Personen verderbet, eine Pest genannt. Die Wollust ist die Pest der Seele.
   Anm. Im Franz. Peste, welches so wie das Deutsche aus dem Lat. Pestis entlehnet worden. Im gemeinen Leben sind dafür auch die Ausdrücke die Seuche, das Sterben, im Oberdeutschen Sterbote, Sterbat, der Sterbend, in der Schweiz der Prästen, und in andern Gegenden der Schelm, Schölm und Keyb üblich.
 
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Der Pèstarzt, des -es, plur. die -ärzte, ein Arzt, welcher dazu bestellet ist, in Pestzeiten, die von der Pest angegriffenen Kranken zu heilen; der Pest-Medicus.
 
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Die Pêstbeule, plur. die -n, Beulen, welche in Pestzeiten zuweilen an den mit der Pest behafteten Kranken ausbrechen; Pestdrüsen.
 
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Die Pêstblase, oder Pêstblatter, plur. die -n, solche Blasen oder Blattern.

[Bd. 3, Sp. 695]


 

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