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Person bis Pèstarzt (Bd. 3, Sp. 691 bis 694)
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Artikelverweis Die Person, plur. die -en, aus dem. Lat. Persona.
   1. Die äußere Gestalt und Statur eines Menschen; in welcher Bedeutung es dem ehemahligen Lateinischen Persona am nächsten kommt.
   1) Eigentlich, als ein Abstractum. (a) Die äußere Gestalt, Statur und Leibeslänge; ohne Plural, und nur in einigen Arten des Ausdruckes. Er ist lang von Person. Schön, häßlich

[Bd. 3, Sp. 692]


von Person. Klein, unansehnlich von Person. Zachäus war klein von Person, Luc. 19, 3. Ich kenne ihn von Person, seiner äußern Gestalt oder Bildung nach. Von Person hat sie mir gefallen, Gell. ihrer Gestalt und Bildung nach. (b) * Der Rang, die Würde, die Stelle, welche man in der bürgerlichen Gesellschaft bekleidet, das Amt, welches man in derselben hat; eine veraltete Bedeutung, von welcher die R. A. seine Person gut spielen oder vorstellen, das aufgetragene Geschäft geschickt ins Werk richten, ein Überbleibsel zu seyn scheinet, wenn sie nicht vielmehr von der folgenden von dem ehemahligen Theater entlehnten Bedeutung herstammet.
   2) Figürlich, ein menschliches Individuum in Ansehung dieser Umstände. (a) In der engsten und eigentlichsten Bedeutung, ein menschliches Individuum, so fern es ein anderes menschliches Individuum vorstellet; eine der ersten Bedeutungen dieses Wortes, nach welcher die ehedem bey den Römern üblichen Larven der Schauspieler und die verlarvten Schauspieler selbst Personen genannt wurden. Daher dieses Wort noch jetzt vorzüglich von den Schauspielern beyderley Geschlechtes gebraucht wird. Ein Schauspiel mit sechs Personen. Die stumme Person auf dem Theater. Seine Person gut spielen, vorstellen, seine Rolle. Welche Bedeutung sich auch außer dem Theater fortgepflanzet hat. Sie können eine fremde Person vortrefflich annehmen. Es ist eine verdrießliche Sache, bey welcher ich eine verwirrte Person spiele. (b) Ein menschliches Individuum in Ansehung der äußern Gestalt, Bildung und Statur; von beyden Geschlechtern. Eine schöne, eine lange, eine kleine, eine ansehnliche, eine unansehnliche Person. Er stellet eine ansehnliche Person vor, hat eine ansehnliche äußere Gestalt. Sie stellet ihre Person gut vor, im gemeinen Leben, für, sie siehet gut aus. (c) Ein menschliches Individuum in Ansehung der Würde, des Ranges, der Stelle in der bürgerlichen Gesellschaft. Die Person ansehen, sich in Beurtheilung anderer und in Sprechung des Rechtes durch ihre äußern Verhältnisse bestimmen lassen. Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen und vor niemands Person euch scheuen, 5 Mos. 1, 17. Ohne Ansehen der Person strafen, d. i. ohne sich durch den Stand und die Würde derjenigen, welche Strafe verdienet haben, bestimmen zu lassen, wo es auch zu der zweyten abstracten Bedeutung gehören kann. In den meisten übrigen Fällen fließet es mit der nächst folgenden Bedeutung zusammen.
   2. Ein menschliches Individuum, ein Mensch, so fern er von andern unterschieden ist, ein eigenes vernünftig denkendes Wesen ausmacht; ohne Unterschied des Geschlechtes.
   1) Überhaupt. Eine vornehme, eine geringe Person. Die Person zahlt einen Thaler, im gemeinen Leben der Mann. Zwölf Personen am Tische haben. In eigener Person, selbst; im mittlern Lat. in Persona, Franz. en Personne, von Persona, welches ehedem auch den Leib bedeutete. Der König kam in eigener hoher Person. Meine geringe Person. Ich, für meine Person, d. i. was mich betrifft. Sein Reisegeräth ist bereits abgegangen, er für seine Person (was ihn betrifft) wird erst in acht Tagen abreisen. Wo es auch wohl im Plural unverändert bleibt. Wir, für unsere Person. Sie werden in der Person irren. Eine Haushaltung, welche aus neun Personen bestehet.
   2) In engerer Bedeutung gebraucht man dieses Wort gemeiniglich von menschlichen Individuis, welche in der bürgerlichen Gesellschaft einen gewissen Rang, eine gewisse Würde bekleiden, da es denn aus Achtung anstatt der niedrigern Mensch, Leute u. s. f. gesetzt wird; doch immer nur so fern ein menschliches Individuum ohne Bezeichnung des Geschlechtes oder anderer Verhältnisse angedeutet werden soll. Mit fürstlichen Personen umgehen. Es

[Bd. 3, Sp. 693]


waren viele Personen zugegen. Eine Raths-Person, Privat-Person, Ordens-Person, Standes-Person, Mittelsperson, Mannsperson, Weibs- oder Frauensperson u. s. f.
   3. Im weitesten Verstande, ein für sich bestehendes, vernünftig denkendes Ding, ein Ding, welches sich seiner selbst und seines Zustandes deutlich bewußt ist.
   1) Überhaupt. Thiere als Personen auftreten lassen. Die Tugenden, die Laster als Personen aufführen. Die erste, die zweyte, die dritte Person, in der Sprachkunst. Die erste Person, wenn ich rede oder handle, oder wenn wir reden oder handeln; die zweyte Person, wenn du handelst oder ihr handelt; die dritte Person, wenn er oder sie handelt, oder wenn sie handeln. Wo auch das Zeichen der Person die Person genannt wird. Ein Zeitwort in die erste Person setzten. In der dritten Person reden, von sich als von einem dritten reden.
   2) In engerer Bedeutung ist in der Theologie, wo man drey Personen in dem göttlichen Wesen annimmt, die Person etwas in Gott für sich bestehendes vernünftig denkendes. Die erste Person, der Vater, die zweyte Person, der Sohn, die dritte Person, der heilige Geist. In Christo waren zwey Naturen in oder zu Einer Person vereiniget.
   Anm. Dieses Wort ist erst in den spätern Zeiten aus dem Lat. Persona entlehnet worden, besonders nach dessen Gebrauch in den mittlern Zeiten, wo es unter andern auch die Würde, einen mit einer Würde bekleideten Menschen, einen Herren, ja auch den Leib oder Körper bedeutete. Ehe man dieses fremde Wort entlehnete, marterten sich die einheimischen Schriftsteller sehr, ein für sich bestehendes vernünftig denkendes Ding in der zweyten und dritten Bedeutung des Wortes Person auszudrucken. Kero und der Übersetzer Isidors gebrauchen dafür Heido, Heit, auch von den Personen im göttlichen Wesen. Dhero zuuio Heido, die zwey Personen, dhiu Drittunheit, die dritte Person, im Isidor, S. -Heit. In den spätern Zeiten gebrauchte man dafür das Wort Nahme, bey den ältern Schweden Namn. Got dur die siniu Namen driu, Walther von der Vogelweide, S. Adelung Nahme.
 
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Der Personālien, sing. inus. aus dem mittlern Lat. personalis, persönliche Umstände, Umstände, welche die Person unmittelbar betreffen und kenntlich machen. So werden im gemeinen Leben persönliche Anzüglichkeiten oft Personalien genannt. Am häufigsten sind die Lebensbeschreibungen, welche nach den Leichenpredigten verlesen zu werden pflegen, unter dem Nahmen der Personalien bekannt.
 
Artikelverweis 
Die Pêrsōnendichtung, plur. die -en, in der Dicht- und Redekunst, eine Figur, nach welcher leblosen Dingen solche Eigenschaften beygeleget werden, welche nur Personen, d. i. vernünftig denkenden Wesen zukommen, da man leblose Dinge als Personen anführet; mit einem Griechischen Kunstworte Prosopopooia, die Prosopopöie.
 
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Pêrsȫnlich, adj. et adv. die Person betreffend, in der Person gegründet; doch nur in der zweyten und dritten Bedeutung des Hauptwortes. Der persönliche Gegenstand, der Gegenstand, so fern derselbe eine Person ist, zum Unterschiede von dem Gegenstande der Sache. Persönlich kommen, erscheinen, in eigener Person, im mittlern Lat. personaliter. Einen persönlichen Haß gegen jemanden haben, dessen Person hassen. Persönliche Fürwörter, in der Sprachkunst, welche die Stelle einer bestimmten Person vertreten, und wohin man nur die Fürwörter ich, du, er, wir, ihr, sie rechnet, obgleich auch andere diesen Nahmen mit eben so vielem Rechte verdieneten, S. Adelung Es, Anm. 1. Persönliche Zeitwörter, gleichfalls in der Sprachkunst, Zeitwörter, welche eines dieser Fürwörter vor sich leiden, zum Unterschiede von den unpersönlichen,

[Bd. 3, Sp. 694]


welche unbestimmte Fürwörter vor sich haben und nur in der dritten Person gebraucht werden. Persönliche Handlungen, im göttlichen Wesen, Handlungen, welche im Schooße der Gottheit vorgehen, ohne Verhältniß auf zufällige Dinge.
 
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Die Persȫnlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es eine Person, d. i. ein für sich bestehendes vernünftig denkendes Wesen ist, das für sich Bestehen, eines vernünftig denkenden Wesens. Man hat in den neuern Zeiten wieder angefangen, die Persönlichkeit des Teufels zu bestreiten. Es geschiehet oft, daß wir unsre Existenz und Persönlichkeit gewisser Maßen vergessen. Die Aufnahme der menschlichen Natur Christi von der göttlichen in ihre Persönlichkeit, oder in die Persönlichkeit des Sohnes Gottes. Die menschliche Natur Christi hatte vor der Vereinigung mit der göttlichen für sich keine Persönlichkeit.
 
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Das Perspectīv, des -es, plur. die -e, aus dem Französ. Perspectif, ein optisches Instrument, wodurch man entlegene Sachen deutlich erkennen kann; das Fernrohr, Sehrohr.
 
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Die Perspectīve, plur. inus. aus dem Franz. Perspective, die Wissenschaft, die Gegenstände so zu zeichnen, wie sie aus einer gewissen Entfernung in das Auge fallen. Gryphius suchte dieses Wort durch Schaukunst zu ersetzen, welches aber keinen Beyfall erhalten hat.
 
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Perspectīvisch, adj. et adv. in der Perspective gegründet. Ingleichen so wie ein Gegenstand aus einer gewissen Entfernung sich dem Auge darstellet.
 
Artikelverweis 
Die Pertinếnzien, sing. inus. oder das Pertinếnz-Stück, des -es, plur. die -e, was zu einem Dinge, als ein wesentlicher Theil gehöret, das Zubehör; besonders von solchen Theilen eines Gutes, Hauses, oder andern unbeweglichen Dinges.
 
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Die Pêst, plur. die -en, der Nahme einer im höchsten Grade ansteckenden Krankheit, welche in kurzer Zeit eine große Menge Geschöpfe hinraffet, und sich unter vielerley Gestalten zeiget, aber gemeiniglich in einem sehr ansteckenden und bösartigen Faulfieber bestehet. Die Pest unter dem Rindviehe, welche doch häufiger das Viehsterben, die Viehseuche genannt wird. Die Pest unter den Pferden, Bienen u. s. f. Die Pest unter den Menschen, welche man am häufigsten unter der Pest schlechthin verstehet. Die Pest herrschet, wüthet in einem Lande. Die Pest haben, bekommen. An der Pest sterben. Mit der Pest angestecket werden. Ungeachtet nicht zu läugnen ist, daß die Pest eine eigene Art einer sehr ansteckenden und bösartigen Krankheit ist, so ist doch auch wahr, daß man ehedem ein jedes bösartiges Faulfieber, besonders bey der ehemahligen schlechten Behandlung desselben, eine Pest genannt hat. S. auch Pestilenz. Figürlich wird eine im höchsten Grade schädliche Sache, welche sehr leicht mehrere Personen verderbet, eine Pest genannt. Die Wollust ist die Pest der Seele.
   Anm. Im Franz. Peste, welches so wie das Deutsche aus dem Lat. Pestis entlehnet worden. Im gemeinen Leben sind dafür auch die Ausdrücke die Seuche, das Sterben, im Oberdeutschen Sterbote, Sterbat, der Sterbend, in der Schweiz der Prästen, und in andern Gegenden der Schelm, Schölm und Keyb üblich.
 
Artikelverweis 
Der Pèstarzt, des -es, plur. die -ärzte, ein Arzt, welcher dazu bestellet ist, in Pestzeiten, die von der Pest angegriffenen Kranken zu heilen; der Pest-Medicus.

 

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