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Pêlz bis Pêlzmèsser (Bd. 3, Sp. 684 bis 685)
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Artikelverweis Der Pêlz, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pelzchen, Oberd. Pelzlein. 1. * In der weitesten Bedeutung, eine jede Decke, Bekleidung oder Bedeckung einer Sache; eine nunmehr veraltete Bedeutung, von welcher doch noch verschiedene Spuren vorkommen, wohin auch die sogleich vorkommenden figürlichen Ausdrücke gerechnet werden können, in welchen Pelz für Haut, und nach einer noch weitern Figur für Leib stehet. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine dicke, weiche, zähe Decke. 1) Im weitesten Verstande, wo dieses Wort von allen Arten solcher Decken gebraucht wird, sie mögen nun natürlich oder künstlich seyn. Dicker Schimmel heißt im gemeinen Leben häufig ein Pelz, welchen Nahmen auch oft die dicke Sahne oder Haut auf der Milch bekommt. Die Wiesen sind mit einem Pelze bewachsen, wenn sie mit dicken in einander geschlungenen Mose bekleidet sind. Nach Überschwemmungen bleibt zuweilen ein Pelz auf den Wiesen zurück, welcher aus den halb verweseten Pflanzentheilen entstehet. Und so in andern Fällen mehr. 2) In engerer Bedeutung, die mit starken weichen Haaren bekleidete Haut der Thiere. So wohl eigentlich. Der Bär hat einen dicken Pelz. Als auch figürlich, die Haut so wohl der Thiere als Menschen, und nach einer noch weitern Figur, der Leib selbst. Einem Menschen oder Thiere auf den Pelz schießen, auf den Leib. Einem den Pelz ausklopfen, ihn prügeln. Jemanden den Pelz waschen, gleichfalls ihn prügeln, noch häufiger aber, ihm einen derben Verweis geben. Einem den Pelz waschen, und ihn nicht naß machen, ihn mit unzeitigem Glimpfe, übertriebener Verschonung begegnen. Jemanden eine Laus in den Pelz setzen, ihn zur Aufnahme eines lästigen Menschen, oder zur Annahme einer beschwerlichen Sache bewegen, ingleichen, ihm einen Argwohn beybringen; doch beydes nur in den niedrigen Sprecharten. 3) In noch engerer Bedeutung werden zuweilen die mit Beybehaltung der Haare gegerbten Felle solcher Thiere, welche starke wollige Haare haben, und in weiterer Bedeutung aller haarigen Thiere, collective Pelz genannt, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist; Pelzwerk und noch häufiger Rauchwerk. Ein Muff von Pelz, besser ein Pelzmuff oder Muff von Rauchwerk, oder Pelzwerk. Eine Mütze von Pelz, besser eine Pelzmütze. So auch Pelzhandschuhe, Pelzstiefeln u. s. f. Mit Pelz gefüttert, mit Pelzwerk. 4) Im engsten Verstande ist der Pelz ein aus Pelz bereitetes Kleidungsstück zur Bedeckung des Leibes oder doch des größten Theiles desselben; ingleichen ein mit Pelzwerk gefütterter Mantel oder Rock. Der Schafspelz, Wolfspelz,

[Bd. 3, Sp. 685]


Fuchspelz, Zobelpelz, Hermelinpelz, Kuppelpelz u. s. f. Sie sind umher gegangen in Belzen (Pelzen) und Ziegenfellen, Ebr. 11, 37.
   Anm. In den Monseeischen Glossen Pelliz, im Nieders. Pelz, Pils, im Angels. Pylece, Pylce, im Engl. Pilche, Pelt, im Schwed. Pels, im mittlern Lat. Pellicium, Pellicia, Pelissta, Peltis, im Franz. Pelisse, Pellice im Ital. Pelliccia. In der zweyten Bedeutung ist es mit Wolle, Filz, Bilz und andern ähnlichen Wörtern genau verwandt, so wie es in der ersten zu Fell, Pallium, Pellis, und andern mehr gehöret, und mit denselben allem Ansehen nach von dem alten noch bey dem Ulphilas befindlichen fela, faela, bedecken, Lat. velare, abstammet. Die Schreibart der spätern Jahrhunderte Belz ist so wohl wider die Abstammung, als auch wider die Hochdeutsche Aussprache.
 
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Die Pêlzārt, plur. die -en. 1) Von dem vorigen Pelz, eine Art Pelz- oder Rauchwerkes. 2) Von dem Zeitworte pelzen, die Art und Weise zu pelzen, d. i. zu pfropfen; im Oberdeutschen.
 
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Das Pêlzbein, des -es, plur. die -e, bey den Gärtnern einiger Gegenden, ein beinernes Werkzeug, die Rinde an dem Orte, wo man pelzen, d. i. pfropfen, will, aus einander zu biegen.
 
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1. Pêlzen, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben für schlagen, prügeln, üblich ist. Jemanden pelzen, ihn abpelzen, auspelzen. Nicht von dem Hauptworte Pelz, sondern als ein Seitenverwandter von dem Lat. pullare, ein Intensivum von dem veralteten fillen, schlagen, stoßen, Lat. pellere, wohin auch walken gehöret. Im Dithmarsischen ist bülsen gleichfalls prügeln, und im Böhmischen Palice ein Hammer, Schlägel, Stößel.
 
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2. Pelzen, verb. reg. act. welches in manchen, besonders Oberdeutschen Gegenden für pfropfen und impfen üblich ist. Einen Zweig von einem Apfelbaume auf einen Quittenstamm pelzen, d. i. pfropfen. Gepelztes Obst, gepfropftes. Im Schwabensp. belizen. Entweder von Pelz in dessen weitesten Bedeutung der Haut, indem bey dem Pelzen der Zweig in die aufgeschnittene Rinde des Baumes gesetzet wird, oder auch als ein Intensivum von dem veralteten fillen, schneiden, schinden. Daher das Pelzen.
 
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Der Pêlzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen vornehmlich Niederdeutschen Gegenden übliches Wort, einen Kürschner zu bezeichnen. Nieders. Pilster, Franz. Pelletier.
 
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Das Pêlzfutter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Unterfutter von Pelz oder Pelzwerk.
 
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Pêlzicht, -er, -ste, adj. et adv. einem Pelze, d. i. einer zähen, dicken Haut, ähnlich. S. Adelung Pelz 2 1). Pelzichte (lederhafte, zähe) Birnen. Pelzig würde bedeuten voller Pelz.
 
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Der Pelzkamm, des -es, plur. die -kämme, bey den Kürschnern, ein eiserner Kamm, das Pelzwerk damit zu kämmen und zu reinigen.
 
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Der Pêlzkragen, des -s, plur. die -krägen, ein Kragen von Pelzwerk oder Rauchwerk.
 
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Das Pêlzmèsser, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Gärtnern einiger Gegenden, ein Messer, damit zu pelzen, d. i. zu pfropfen; das Pfropfmesser.

 

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