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Peiniger bis Pêlzārt (Bd. 3, Sp. 682 bis 685)
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Artikelverweis Der Peiniger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Peinigerinn, eine Person, welche peiniget. Ein Mensch ist der Peiniger des andern, Mosh. Stürmische Leidenschaften, diese Peiniger unsers Herzens, und derer die mit uns leben, Gell. Besonders pflegte man ehedem den Henker, dessen vornehmstes Geschäft es ist, verstockte Übelthäter zu peinigen, d. i. zu martern, mit diesem Nahmen zu belegen, in welchem Verstande es noch Matth 18, 34 vorkommt. In Franken wird daher der Henker, d. i. der erste und vornehmste Knecht des Scharfrichters, noch jetzt Peinlein, d. i. Peinling, genannt.
 
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Peinlich, -er, -ste, adj. et adv. der Pein ähnlich, in derselben gegründet, Pein verursachend. 1. In der ersten Bedeutung des Hauptwortes, einen hohen Grad der Mühe verursachend, mit vieler Mühe verbunden; Nieders. pinlik. Der Geloub der so pinlich aufgericht, Jeroschin bey dem Frisch. Man gebraucht es im Hochdeutschen nur noch zuweilen von einer mit vieler Unlust verknüpften Mühe, da es sich denn der folgenden Bedeutung nähert.
   Als er so großer Noth zu peinlich nachgedacht,
   Haged. 2. Dem höchsten Grade der Unlust ähnlich, solchen verursachend, darin gegründet. 1) Von körperlichen Schmerzen. Ein peinlicher Tod, ein sehr schmerzhafter. Besonders noch in den Gerichten in einer doppelten Bedeutung. (a) Die peinliche Frage, die Befragung eines Missethäters unter und vermittelst körperlicher Schmerzen, die Tortur, Marter. Einen Missethäter peinlich befragen, ihn gerichtlich martern, auf die Tortur bringen. (b) Leib- und Lebensstrafen betreffend, criminal oder criminell; im Gegensatze des bürgerlich. Die peinliche Gerichtbarkeit, das Recht, solche Strafen zuzuerkennen. Das peinliche Gericht. Peinliche Gesetze, welche Leib- und Lebensstrafen betreffen. Peinlich gegen jemanden verfahren, als wenn er solche Strafen verdienet hätte. Jemanden peinlich anklagen, auf Leib und Leben.

[Bd. 3, Sp. 683]


Siehe Bürgerlich 1. 2) Von der Empfindung des Gemüthes, den höchsten oder doch einen sehr hohen Grad der Unlust verursachend, und darin gegründet. (a) Eigentlich. Das ist mir sehr peinlich. Das Zögern ist mir überaus peinlich. Die Langeweile (lange Weile) ist eine der peinlichsten Gemüthsfassungen, Sulz. Der Umgang mit einem Menschen, mit welchem man so steht, ist sehr peinlich. Es ist peinlich, ermahnet zu werden, wenn man unschuldig ist. (b) Geneigt, gewohnt, bey unerheblichen Dingen eine übertriebene Unlust, ingleichen eine übertriebene Sorgfalt und Bedenklichkeit zu äußern. Ein peinlicher Mensch. Sehr peinlich thun, ängstlich, bange.
 
Artikelverweis * Die
Peinlichkeit, plur. inus. welches in allen Bedeutungen des vorigen Beywortes von dem Zustande einer Person oder Sache, da sie peinlich ist, gebraucht werden könnte. Ehedem bedeutete es auch die peinliche Gerichtsbarkeit, das Halsgericht; in welchem Verstande es doch wenig mehr gebraucht wird.
 
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Die Peißelbêêre, S. Adelung Berberis.
 
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Der Peißker, eine Art Fische, S. Adelung Beißker.
 
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Die Peitsche, plur. die -n, Diminut. das Peitschchen, ein Werkzeug zum Schlagen, doch nur ein solches, welches im Schlagen den diesem Worte eigenthümlichen Laut nachahmet. 1) Eigentlich. So führet im Bergbaue ein Holz, welches zwey Ellen lang und eine halbe Elle breit ist, und womit die Kupferbleche in der Seigerhütte gleich geschlagen werden, den Nahmen der Peitsche. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Peitsche eine gedrehete oder geflochtene und vorn spitzig zulaufende Schnur an einem Stiele, Thiere und Menschen damit zu hauen. Die Hundepeitsche, Fuhrmannspeitsche, Knutpeitsche, Bußpeitsche u. s. f. Mit der Peitsche hauen, d. i. schlagen. Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtiget, 1 Kön. 12, 11, 14. Mit der Peitsche knallen, klatschen.
   Der wilden Peitsche Knall betäubt die Straße ganz,
   Zach. Die Karbatsche, welche ihrer letzten Hälfte nach gleichfalls hierher gehöret, ist eine lederne Peitsche. In manchen Fällen wird in der anständigern Sprechart dafür das allgemeinere Geißel gebraucht. 2) Figürlich. Die Meerpeitsche, Steinpeitsche, Gnurrpeitsche oder Knurrpeitsche, ist ein Fisch, welcher lang, dünne und schmal wie eine Peitsche ist, und um Zelle in allen fließenden Wassern angetroffen wird; Ophidion barbatum L. Den Nahmen Knurrpeitsche hat er daher, weil er einen knurrenden Laut von sich gibt, wenn man ihn aus dem Wasser ziehet.
   Anm. Im Nieders. Pietsche, im Schwed. Piska, im Griech. βιτζα, βισσα, im Böhm. Bic, im Pohln. Bicz. S. das folgende. Im Nieders. wird die Peitsche auch Schwepe genannt, Angels. Hweop, Engl. Whip.
 
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Peitschen, verb. reg. act. eigentlich, denjenigen Laut hervor bringen, welchen dieses Zeitwort nachahmet. In diesem Verstande sagt man noch im gemeinen Leben, den Wein peitschen, Hausblase oder andere Dinge hinein schütten, und ihn damit oft und lange hin und her rütteln, um ihn durch solche Zusätze klar zu machen oder zu verbessern. Ein gepeitschter Wein. Verdorbenes Wasser auf den Schiffen wird durch Peitschen gut gemacht. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist peitschen mit der Peitsche hauen oder forttreiben. Die Pferde peitschen. Jemanden peitschen. Daher das Peitschen.
   Anm. Peitschen, Nieders. pietsken, im Wend. bicz, biju, ahmet den Laut, welchen es ausdruckt, genau nach, und ist ein Verwandter von patschen, welches einen gröbern Laut dieser Art bezeichnet. Die Wellen peitschen an den Thurm, Bluntschli, peitschen ihn, d. i. verursachen durch ihr Anschlagen einen harten zischenden Laut. Der starke Zischer macht dieses Wort zugleich zu einem Intensivo von dem veralteten baten, batten, schlagen,

[Bd. 3, Sp. 684]


womit auch beißen, Nieders. biten, überein kommt, als welches einen ähnlichen Laut nachahmet.
 
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Der Pēlikan, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. πελεκανος. 1) Eigentlich, ein großer Wasservogel, von welchem die Alten viele fabelhafte Dinge erzählten. Unter den neuern Schriftstellern des Naturreiches nennen einige, z. B. Klein, die Löffelgans, Gralla Platalea L. Pelikan, andere aber, z. B. Linnee, halten, und wie es scheinet mit mehrerm Rechte, die Kropfgans, Pelecanus Onocrotalus L. für den Pelikan der Alten, S. diese Wörter. 2) Figürlich wird, wegen einiger Ähnlichkeit mit der Gestalt des Schnabels des von den Alten beschriebenen Pelikanes, bey den Wundärzten ein Werkzeug zum Ausziehen der Zähne der Pelikan genannt. Auch in der Chymie ist ein Gefäß mit zwey Handhaben unter dem Nahmen des Pelikanes bekannt.
 
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Die Pêltschen, sing. inus. eine im gemeinen Leben vieler Gegenden übliche Benennung des Beilkrautes, Coronilla Securidaca L. welches seinen Deutschen so wohl als Lateinischen Nahmen seinen beil- oder sichelförmigen Hülsen zu danken hat. Der Nahme Peltschen ist gleichfalls aus Beil, Griech. πελεκυς, verderbt. In einigen Gegenden lautet er Pfeltschen, dagegen dieses Gewächs an andern Orten Vogelwicke genannt wird.
 
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Der Pêlz, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pelzchen, Oberd. Pelzlein. 1. * In der weitesten Bedeutung, eine jede Decke, Bekleidung oder Bedeckung einer Sache; eine nunmehr veraltete Bedeutung, von welcher doch noch verschiedene Spuren vorkommen, wohin auch die sogleich vorkommenden figürlichen Ausdrücke gerechnet werden können, in welchen Pelz für Haut, und nach einer noch weitern Figur für Leib stehet. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine dicke, weiche, zähe Decke. 1) Im weitesten Verstande, wo dieses Wort von allen Arten solcher Decken gebraucht wird, sie mögen nun natürlich oder künstlich seyn. Dicker Schimmel heißt im gemeinen Leben häufig ein Pelz, welchen Nahmen auch oft die dicke Sahne oder Haut auf der Milch bekommt. Die Wiesen sind mit einem Pelze bewachsen, wenn sie mit dicken in einander geschlungenen Mose bekleidet sind. Nach Überschwemmungen bleibt zuweilen ein Pelz auf den Wiesen zurück, welcher aus den halb verweseten Pflanzentheilen entstehet. Und so in andern Fällen mehr. 2) In engerer Bedeutung, die mit starken weichen Haaren bekleidete Haut der Thiere. So wohl eigentlich. Der Bär hat einen dicken Pelz. Als auch figürlich, die Haut so wohl der Thiere als Menschen, und nach einer noch weitern Figur, der Leib selbst. Einem Menschen oder Thiere auf den Pelz schießen, auf den Leib. Einem den Pelz ausklopfen, ihn prügeln. Jemanden den Pelz waschen, gleichfalls ihn prügeln, noch häufiger aber, ihm einen derben Verweis geben. Einem den Pelz waschen, und ihn nicht naß machen, ihn mit unzeitigem Glimpfe, übertriebener Verschonung begegnen. Jemanden eine Laus in den Pelz setzen, ihn zur Aufnahme eines lästigen Menschen, oder zur Annahme einer beschwerlichen Sache bewegen, ingleichen, ihm einen Argwohn beybringen; doch beydes nur in den niedrigen Sprecharten. 3) In noch engerer Bedeutung werden zuweilen die mit Beybehaltung der Haare gegerbten Felle solcher Thiere, welche starke wollige Haare haben, und in weiterer Bedeutung aller haarigen Thiere, collective Pelz genannt, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist; Pelzwerk und noch häufiger Rauchwerk. Ein Muff von Pelz, besser ein Pelzmuff oder Muff von Rauchwerk, oder Pelzwerk. Eine Mütze von Pelz, besser eine Pelzmütze. So auch Pelzhandschuhe, Pelzstiefeln u. s. f. Mit Pelz gefüttert, mit Pelzwerk. 4) Im engsten Verstande ist der Pelz ein aus Pelz bereitetes Kleidungsstück zur Bedeckung des Leibes oder doch des größten Theiles desselben; ingleichen ein mit Pelzwerk gefütterter Mantel oder Rock. Der Schafspelz, Wolfspelz,

[Bd. 3, Sp. 685]


Fuchspelz, Zobelpelz, Hermelinpelz, Kuppelpelz u. s. f. Sie sind umher gegangen in Belzen (Pelzen) und Ziegenfellen, Ebr. 11, 37.
   Anm. In den Monseeischen Glossen Pelliz, im Nieders. Pelz, Pils, im Angels. Pylece, Pylce, im Engl. Pilche, Pelt, im Schwed. Pels, im mittlern Lat. Pellicium, Pellicia, Pelissta, Peltis, im Franz. Pelisse, Pellice im Ital. Pelliccia. In der zweyten Bedeutung ist es mit Wolle, Filz, Bilz und andern ähnlichen Wörtern genau verwandt, so wie es in der ersten zu Fell, Pallium, Pellis, und andern mehr gehöret, und mit denselben allem Ansehen nach von dem alten noch bey dem Ulphilas befindlichen fela, faela, bedecken, Lat. velare, abstammet. Die Schreibart der spätern Jahrhunderte Belz ist so wohl wider die Abstammung, als auch wider die Hochdeutsche Aussprache.
 
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Die Pêlzārt, plur. die -en. 1) Von dem vorigen Pelz, eine Art Pelz- oder Rauchwerkes. 2) Von dem Zeitworte pelzen, die Art und Weise zu pelzen, d. i. zu pfropfen; im Oberdeutschen.

 

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