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Pedántísch bis Peitsche (Bd. 3, Sp. 681 bis 683)
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Artikelverweis  Pedántísch, -er, -te, adj. et adv. einem Pedanten ähnlich, in dessen Eigenschaft gegründet.
 
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Der Pedếll, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Pedellus, ein Gerichtsdiener, welcher die Parteyen vor Gericht fordert, welche Nahmen derselbe noch bey verschiedenen Civil- und Criminal-Gerichten, z. B. bey dem Stadt- und Landgerichte zu Erfurt, führet. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung werden die Diener der Universitäts-Gerichte, welche die Parteyen vor Gericht laden, Pedellen genannt. Weil dieses Wort im mittlern Lat. auch Bedellus, Badellus, Bidellus, Franz. Bedeau und Pedeau, Ital. Bidello, lautet, so glauben die meisten Wortforscher, daß es im mittlern Lateine aus unserm Büttel, welches ehedem in eben diesem Verstande gebraucht wurde, und von biethen abstammet, gebildet, und in dieser ausländischen Gestalt wieder von den Deutschen angenommen worden. Allein, warum sollte es nicht eben so gut von Pes, pedis, herkommen können, als Pedissequus, welches schon bey den Römern einen Lackeyen bedeutete, da es doch eine ihrer vornehmsten Obliegenheiten ist, dem Richter nachzutreten, um dessen Befehle zu vollziehen? Badellus, Bidellus, Baderius u. a. m. können deßwegen immer aus Bothe oder Büttel gebildet seyn.
 
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Die Peilketafel, S. Adelung Beilketafel.
 
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Die Pein, plur. car. 1) * Mühe, Arbeit; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Nieders. angetroffen wird, und worin es mit dem Franz. Peine, dem Griech. πονος, und dem Alban. Puna überein kommt. 2) Der höchste Grad der Unlust, es sey nun körperlicher Schmerzen oder auch der Unlust des Gemüthes; wie Marter und Qual. Pein empfinden, leiden. Jemandes Pein lindern. Jemanden allerley Pein anthun. Wenn du wüßtest, was das für eine Pein ist! Die Höllenpein. Im gemeinen Leben werden die Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen u. s. f. häufig Magenpein, Kopfpein, Zahnpein genannt. Auch die Tortur war ehedem unter dem Nahmen der Pein bekannt; in welcher Bedeutung es aber wenig mehr gebraucht wird. 3) * Die Strafe; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher ehedem auch der Plural üblich war. Bi sodanen Pinen, bey solchen Strafen, bey dem Frisch aus dem 14ten Jahrhunderte. Man hat dafür in einigen Gerichten nachmahls das Wort Pön aus dem Lat. Poena entlehnet, vermuthlich um die Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung zu vermeiden.
   Anm. In der zweyten Bedeutung schon bey dem Ottfried Pin, bey dem Notker Bina, Binon, im Nieders. Pin, im Schwed. Pina, im Angels. Pin, im Engl. Pain, im Franz. Peine, im Griech. ποιν. Es ist gewiß nicht aus dem Lat. Poena entlehnet, wie wohl das spätere Pön, sondern vielmehr ein Seitenverwandter desselben, weil man sonst annehmen müßte, daß so viele Nationen, bey welchen dieses Wort angetroffen wird, einen hohen Grad der Schmerzen nicht eher zu benennen gewußt, als bis sie es von den Römern gelernet. Die Bedeutung der Mühe, der Arbeit, scheinet die erste zu seyn, und alsdann gehöret es ohne Zweifel zu dem Geschlechte der Wörter, welche eine Bewegung bedeuten, und wohin unser wenden, winden, wandeln, wanken, das Lat. venire, und hundert andere gehören.
 
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Peinigen, verb. reg. act. Pein verursachen, jetzt nur noch in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes, einen hohen Grad der Schmerzen und der Unlust verursachen. So wohl körperlicher Schmerzen.

[Bd. 3, Sp. 682]


Da dieser todt war, peinigten sie den vierten auch und geißelten ihn, 2 Macc. 7, 13. Von dem reichen Manne heißt es Luc. 16, 25: er werde in der Hölle gepeiniget. Der König Herodes legte die Hände an etliche von der Gemeine sie zu peinigen, Apostelg. 12, 1. In welchem Verstande der von außen zugefügten körperlichen Schmerzen doch in der anständigern Sprechart martern üblicher ist. Am häufigsten gebraucht man es noch von der Verursachung des höchsten Grades der Unlust des Gemüthes, der Seele. Was plaget ihr doch meine Seele, und peiniget mich mit Worten? Hiob 49, 2. Die Furcht peinigt mich. Das peinigende Gewissen. Ihre Unschuld, ihre unbefangene Seele fühlt nicht, wie sehr mich die kleinen Vertraulichkeiten peinigen, Göthe. Ich kenne keine größere Marter als die, wenn Vorwürfe, die man sich hätte ersparen können, zu ihrer Zeit uns peinigen, Hermes.
   So auch die Peinigung.
   Anm. Dieses Zeitwort ist das neuere Intensivum von dem im Hochdeutschen veralteten peinen, welches noch im Niederdeutschen und den verwandten Sprachen völlig gangbar ist, und bey dem Ottfried pinon, im Nieders. pinen, im Angels. pinian, im Schwed. pina, im Franz. peiner lauter, und auch Mühe verursachen, ingleichen strafen bedeutet, in welchem Verstande es mit dem Lat. punire überein kommt. Im Isländ. lautet dieses Wort pinda, und da pina auch im Schwedischen beengen bedeutet, so erhellet daraus die schon bey dem vorigen Worte bemerkte Verwandtschaft mit binden, winden, und andern Zeitwörtern, in welchen der Begriff der Bewegung der erste und ursprünglichste ist, wohin mit dem Zischlaute auch unser zwingen gehöret, welches im Finnländ. painan heißt; woraus zugleich die Verwandtschaft mit bange erhellet.
 
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Der Peiniger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Peinigerinn, eine Person, welche peiniget. Ein Mensch ist der Peiniger des andern, Mosh. Stürmische Leidenschaften, diese Peiniger unsers Herzens, und derer die mit uns leben, Gell. Besonders pflegte man ehedem den Henker, dessen vornehmstes Geschäft es ist, verstockte Übelthäter zu peinigen, d. i. zu martern, mit diesem Nahmen zu belegen, in welchem Verstande es noch Matth 18, 34 vorkommt. In Franken wird daher der Henker, d. i. der erste und vornehmste Knecht des Scharfrichters, noch jetzt Peinlein, d. i. Peinling, genannt.
 
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Peinlich, -er, -ste, adj. et adv. der Pein ähnlich, in derselben gegründet, Pein verursachend. 1. In der ersten Bedeutung des Hauptwortes, einen hohen Grad der Mühe verursachend, mit vieler Mühe verbunden; Nieders. pinlik. Der Geloub der so pinlich aufgericht, Jeroschin bey dem Frisch. Man gebraucht es im Hochdeutschen nur noch zuweilen von einer mit vieler Unlust verknüpften Mühe, da es sich denn der folgenden Bedeutung nähert.
   Als er so großer Noth zu peinlich nachgedacht,
   Haged. 2. Dem höchsten Grade der Unlust ähnlich, solchen verursachend, darin gegründet. 1) Von körperlichen Schmerzen. Ein peinlicher Tod, ein sehr schmerzhafter. Besonders noch in den Gerichten in einer doppelten Bedeutung. (a) Die peinliche Frage, die Befragung eines Missethäters unter und vermittelst körperlicher Schmerzen, die Tortur, Marter. Einen Missethäter peinlich befragen, ihn gerichtlich martern, auf die Tortur bringen. (b) Leib- und Lebensstrafen betreffend, criminal oder criminell; im Gegensatze des bürgerlich. Die peinliche Gerichtbarkeit, das Recht, solche Strafen zuzuerkennen. Das peinliche Gericht. Peinliche Gesetze, welche Leib- und Lebensstrafen betreffen. Peinlich gegen jemanden verfahren, als wenn er solche Strafen verdienet hätte. Jemanden peinlich anklagen, auf Leib und Leben.

[Bd. 3, Sp. 683]


Siehe Bürgerlich 1. 2) Von der Empfindung des Gemüthes, den höchsten oder doch einen sehr hohen Grad der Unlust verursachend, und darin gegründet. (a) Eigentlich. Das ist mir sehr peinlich. Das Zögern ist mir überaus peinlich. Die Langeweile (lange Weile) ist eine der peinlichsten Gemüthsfassungen, Sulz. Der Umgang mit einem Menschen, mit welchem man so steht, ist sehr peinlich. Es ist peinlich, ermahnet zu werden, wenn man unschuldig ist. (b) Geneigt, gewohnt, bey unerheblichen Dingen eine übertriebene Unlust, ingleichen eine übertriebene Sorgfalt und Bedenklichkeit zu äußern. Ein peinlicher Mensch. Sehr peinlich thun, ängstlich, bange.
 
Artikelverweis * Die
Peinlichkeit, plur. inus. welches in allen Bedeutungen des vorigen Beywortes von dem Zustande einer Person oder Sache, da sie peinlich ist, gebraucht werden könnte. Ehedem bedeutete es auch die peinliche Gerichtsbarkeit, das Halsgericht; in welchem Verstande es doch wenig mehr gebraucht wird.
 
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Die Peißelbêêre, S. Adelung Berberis.
 
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Der Peißker, eine Art Fische, S. Adelung Beißker.
 
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Die Peitsche, plur. die -n, Diminut. das Peitschchen, ein Werkzeug zum Schlagen, doch nur ein solches, welches im Schlagen den diesem Worte eigenthümlichen Laut nachahmet. 1) Eigentlich. So führet im Bergbaue ein Holz, welches zwey Ellen lang und eine halbe Elle breit ist, und womit die Kupferbleche in der Seigerhütte gleich geschlagen werden, den Nahmen der Peitsche. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Peitsche eine gedrehete oder geflochtene und vorn spitzig zulaufende Schnur an einem Stiele, Thiere und Menschen damit zu hauen. Die Hundepeitsche, Fuhrmannspeitsche, Knutpeitsche, Bußpeitsche u. s. f. Mit der Peitsche hauen, d. i. schlagen. Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtiget, 1 Kön. 12, 11, 14. Mit der Peitsche knallen, klatschen.
   Der wilden Peitsche Knall betäubt die Straße ganz,
   Zach. Die Karbatsche, welche ihrer letzten Hälfte nach gleichfalls hierher gehöret, ist eine lederne Peitsche. In manchen Fällen wird in der anständigern Sprechart dafür das allgemeinere Geißel gebraucht. 2) Figürlich. Die Meerpeitsche, Steinpeitsche, Gnurrpeitsche oder Knurrpeitsche, ist ein Fisch, welcher lang, dünne und schmal wie eine Peitsche ist, und um Zelle in allen fließenden Wassern angetroffen wird; Ophidion barbatum L. Den Nahmen Knurrpeitsche hat er daher, weil er einen knurrenden Laut von sich gibt, wenn man ihn aus dem Wasser ziehet.
   Anm. Im Nieders. Pietsche, im Schwed. Piska, im Griech. βιτζα, βισσα, im Böhm. Bic, im Pohln. Bicz. S. das folgende. Im Nieders. wird die Peitsche auch Schwepe genannt, Angels. Hweop, Engl. Whip.

 

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