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Patschêrpe bis Päuschel (Bd. 3, Sp. 675 bis 676)
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Artikelverweis Die Patschêrpe, plur. die -n, ein Nahme, welchen im gemeinen Leben einiger Gegenden zweyerley Früchte und die Gewächse, welche sie tragen, bekommen. 1) Die Vogelkirsche, Prunus Padus L. welche an andern Orten auch Scherbche, und Scherbke genannt wird. 2) Der Schlingbaum und dessen Frucht, Viburnum Lantana L. welcher auch Papstwiede heißt, in vielen Gegenden aber unter dem Nahmen Patscherpe, Petscherpe und Scherpe bekannt ist. In beyden Fällen ist das Wort vermuthlich Wendischen Ursprunges.
 
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Der Pátschfūß, des -es, plur. die -füße, bey einigen Schriftstellern des Thierreiches, ein Nahme derjenigen Vögel, deren Vorderzehen mit einer starken Haut verbunden sind, welche sie zum Schwimmen geschickt machen, wohin denn alle Wasservögel gehören. Der Nahme rühret von dem Laute her, welchen diese Vögel entweder im Gehen auf der Erde, oder auch im Schwimmen im Wasser machen. S. Adelung Patsch und Patschen. Klein nennet sie im Latein. Plotus und im Deutschen Plott, S. dieses Wort.
 
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Die Patschhand, plur. die -hände, Diminut. das Patschhändchen, S. Adelung Patsche 3.
 
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Patzig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Nieder-Deutschlandes, üblich ist, im Reden stolz und trotzig, Patzig thun. Ein patziger Mensch. In andern Gegenden ist dafür pratzig und protzig üblich.
 
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Die Pauke, plur. die -n, ein hohles, rundes, mit einem Felle bespanntes musikalisches Werkzeug, welches einen hohlen dumpfigen Schall von sich gibt, wenn es geschlagen wird. In diesem Verstande belegte man ehedem auch unsere heutigen Trommeln mit dem Nahmen der Pauken, so wie die Pauken auch oft Trommeln, und um ihrer halb runden Gestalt willen Kesseltrommeln genannt wurden. Von dieser ehemahligen weitern Bedeutung rühret es auch her, daß man ein hohles cylindrisches Gefäß, worin der Kaffeh gebrannt oder geröstet wird, so wohl eine Kaffehpauke als auch eine Kaffehtrommel und oft nur eine Pauke oder Trommel schlechthin zu nennen pflegt. Jetzt gebraucht man dieses Wort nur in engerer Bedeutung, ein gemeiniglich kupfernes, zuweilen aber auch silbernes, halb rundes musikalisches Werkzeug zu bezeichnen, welches auf der offenen Seite mit einem Felle bespannt ist, und,

[Bd. 3, Sp. 676]


wenn es geschlagen wird, einen starken dumpfigen Schall von sich gibt; zum Unterschiede von einer Trommel. Eine solche Pauke nannte man ehedem auch zum Unterschiede von den Trommeln und wegen ihrer halb runden kesselartigen Gestalt auch Kesselpauken, mit welchem Nahmen sie auch noch jetzt zuweilen beleget werden. Heerpauken, so fern sie bey den Kriegsheeren gebraucht werden. Die Pauken schlagen. Der Pauke ein Loch machen, figürlich und im gemeinen Leben, der Sache ein Ende machen, ihr den Ausschlag geben. Ich muß der Pauke nur ein Loch machen, damit ich weiß, woran ich bin, Less.
   Anm. Im Oberd. ehedem Puk, Pawk, Bök, die Bankel, und mit dem eingeschalteten n Bunge, Bunke, im Schwed. Pukor, und selbst im Pers. Bik. S. das folgende.
 
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Pauken, verb reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich den hohlen dumpfigen Schall hervor bringen bedeutet, welchen dieses Zeitwort nachahmet. 1) Überhaupt schlagen; doch nur von dem Schlagen in solchen Fällen, in welchen dadurch ein solcher Schall verursacht wird. Daher gebraucht man es im gemeinen Leben zuweilen noch für prügeln. Jemanden weidlich pauken. S. auch Arschpauker. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Pauken schlagen. Du sollt noch fröhlich pauken und heraus gehen an den Tanz, Jer. 31, 4.
   Daher das Pauken.
   Anm. Dieses Zeitwort ahmet den Schall, welchen es bezeichnet, genau nach. Sogar im Finnländischen ist paucun dumpfig tönen, Pauckina ein dumpfiger Ton, und Pauke ein starker dumpfiger Schall. Das Nieders. pauken bedeutet daher auch mit hohlem Munde reden. Das Nieders. bakern ist ein Intensivum von einem veralteten Zeitworte backen, welches einen ähnlichen aber nicht so dumpfen Ton ausdruckt. S. auch Pochen, welches gleichfalls genau damit verwandt ist.
 
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* Das Paukenwêrk, des -es, plur. inus. ein ungewöhnliches nur Ezech. 28, 13 befindliches Wort, alles zur Schlagung der Pauken nöthige Geräth zu bezeichnen.
 
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Der Pauker, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Pauken nach der Kunst zu schlagen weiß, und dessen Amt es ist, sie zu schlagen; in einem alten Vocabulario von 1477 der Buckeler.
 
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Der Pausback, S. Adelung Bausback.
 
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Der Pausch, oder die Pausche, S. Adelung Bausch.
 
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Der Päuschel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im Bergbaue übliches Wort, einen schweren Hammer von oft 30 bis 40 Pfund zu bezeichnen, welcher bey dem harten Gesteine gebraucht wird. Der Ortpäuschel, so fern der Bergmann denselben vor Ort gebraucht. Von dem folgenden Zeitworte pauschen, schlagen, und der Ableitungssylbe -el, ein Werkzeug. In einigen Gegenden heißt er der Pauschschlägel.

 

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