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Patrōntásche bis Paukenwêrk (Bd. 3, Sp. 674 bis 676)
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Artikelverweis Die Patrōntásche, plur. die -n, eine lederne Tasche der Soldaten, welche sie an einem breiten ledernen Riemen über der Schulter hangen haben, die Patronen zu dem kleinen Gewehre darin zu verwahren und bey sich zu führen.
 
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Patsch, eine Interjection oder doch ein unabänderliches Wort, welches den Schall nachahmet, den gewisse Körper im Schlagen und Fallen auf andere von sich geben, und im gemeinen Leben noch häufig vorkommt. Patsch! da lag es, sagt man daselbst von einem Kinde oder andern Dinge, welches plötzlich hinfällt. Patsch! da hatte er eins auf das Maul, von jemanden, welcher eine Maulschelle bekommt. Auch den Laut, welchen das Gehen oder Treten im Wasser verursacht, ahmet man mit diesem Worte nach, daher im gemeinen Leben auch patsch naß so viel als über und über naß ist. Von diesem unabänderlichen Laute hat man in den niedrigen Sprecharten auch das Hauptwort der Patsch, des -es, plur. die -e, einen Schlag, besonders mit der flachen Hand, zu bezeichnen. S. die folgenden.
 
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Die Patsche, plur. die -n, Diminut. das Patschchen oder Pätschchen, ein auch nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Werkzeug zum Schlagen, in einigen Fällen. Die Strohdachdecker haben eine solche Patsche, deren sie sich bey dem Decken bedienen. In einigen Niedersächsischen Gegenden heißt das Ruder aus eben dieser Ursache eine Pätsche. Auch ein breites ebenes schweres Holz an einem schiefen Stiele, womit die aus Lehm bereiteten Tennen fest geschlagen werden, ist auf dem Lande unter dem Nahmen einer Patsche bekannt. S. auch Päuschel, Peitsche, Batzen und Possekel. 2) Der Ort, woran etwas schlägt. In diesem Verstande heißt in den Salzwerken die Mauer an der Salzpfanne, woran das Feuer schlägt, die Patsche oder Pitschke. 3) In der tändelnden und vertraulichen Kindersprache wird die Hand die Patsche, die Patschhand, und im Diminut. das Patschchen, das Pätschchen, das Patschhändchen genannt; gewiß nicht von dem Ital. basciare, küssen, wie Frisch will, weil gemeiner Leute Kinder die Hand erst zu küssen pflegen, ehe sie solche zum Willkommen darreichen, denn wie wäre der große Haufe zu dem Italiänischen gekommen? sondern gleichfalls von diesem Schalle, welchen der Handschlag bey dem Willkommen macht. Schmerzt nicht das arme Patschchen dir? Weiße. Gib mir einmahl dein liebes Patschchen, ebend. O, lassen sie mich geschwind die weichen niedlichen Patschchen küssen, ebend. S. das folgende.
 
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Patschen, verb. reg. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, wo es in doppelter Gestalt vorkommt.
   1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, den Laut patsch! von sich geben, verursachen, von allen Dingen, welche

[Bd. 3, Sp. 675]


denselben hervor bringen können. Es regnet, daß es patscht. Er fiel hin, daß es patschte. Wir hören es patschen.
   2) Als ein Activum, diesen Laut hervor bringen, da es denn auch im gemeinen Leben diejenigen Handlungen bezeichnet, welche mit einem solchen Laute verbunden sind. Ein Kind patschen, es mit der flachen Hand vor den Hintern schlagen. Die Tenne patschen, sie mit der breiten Patsche fest schlagen. Im Wasser patschen, mit den Füßen in dem Wasser herum gehen, wofür man auch die Diminut. patscheln und paddeln hat. In dem Drecke patschen, in dem Kothe herum gehen.
   Anm. Dieses Wort stammet von der vorigen Interjection patsch her, und ist zugleich ein von der Natur selbst gebildetes Intensivum von dem alten baten, batten, schlagen, welches einen ähnlichen aber nicht so zischenden Laut ausdruckt. Da diese Wörter, wie so viele andere, unmittelbar nach der Natur copiret worden, so darf man sich auch nicht wundern, daß man sie in allen Sprachen antrifft, diejenigen Handlungen auszudrucken, welche diesem Schalle verbunden sind. Zu unserm Intensivo gehören das Dän. Bask, ein Schlag, und baske, schlagen, unser Peitsche, Päuschel, pauschen und Batzen, das Engl. to pash quetschen, und Buss, ein Kuß, das Ital. basciare, küssen, im Nieders. pussen, das Griech. πατασσειν, schlagen, und hundert andere mehr; zu dem einfachern batten aber das Französ. battre, das Angelsächs. beatan, das Wallis. baeddu, das Lat. batuere, schlagen, das Nieders. pedden, gehen, treten, Lat. petere, vadere, nebst unzählig andern mehr.
 
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Die Patschêrpe, plur. die -n, ein Nahme, welchen im gemeinen Leben einiger Gegenden zweyerley Früchte und die Gewächse, welche sie tragen, bekommen. 1) Die Vogelkirsche, Prunus Padus L. welche an andern Orten auch Scherbche, und Scherbke genannt wird. 2) Der Schlingbaum und dessen Frucht, Viburnum Lantana L. welcher auch Papstwiede heißt, in vielen Gegenden aber unter dem Nahmen Patscherpe, Petscherpe und Scherpe bekannt ist. In beyden Fällen ist das Wort vermuthlich Wendischen Ursprunges.
 
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Der Pátschfūß, des -es, plur. die -füße, bey einigen Schriftstellern des Thierreiches, ein Nahme derjenigen Vögel, deren Vorderzehen mit einer starken Haut verbunden sind, welche sie zum Schwimmen geschickt machen, wohin denn alle Wasservögel gehören. Der Nahme rühret von dem Laute her, welchen diese Vögel entweder im Gehen auf der Erde, oder auch im Schwimmen im Wasser machen. S. Adelung Patsch und Patschen. Klein nennet sie im Latein. Plotus und im Deutschen Plott, S. dieses Wort.
 
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Die Patschhand, plur. die -hände, Diminut. das Patschhändchen, S. Adelung Patsche 3.
 
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Patzig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Nieder-Deutschlandes, üblich ist, im Reden stolz und trotzig, Patzig thun. Ein patziger Mensch. In andern Gegenden ist dafür pratzig und protzig üblich.
 
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Die Pauke, plur. die -n, ein hohles, rundes, mit einem Felle bespanntes musikalisches Werkzeug, welches einen hohlen dumpfigen Schall von sich gibt, wenn es geschlagen wird. In diesem Verstande belegte man ehedem auch unsere heutigen Trommeln mit dem Nahmen der Pauken, so wie die Pauken auch oft Trommeln, und um ihrer halb runden Gestalt willen Kesseltrommeln genannt wurden. Von dieser ehemahligen weitern Bedeutung rühret es auch her, daß man ein hohles cylindrisches Gefäß, worin der Kaffeh gebrannt oder geröstet wird, so wohl eine Kaffehpauke als auch eine Kaffehtrommel und oft nur eine Pauke oder Trommel schlechthin zu nennen pflegt. Jetzt gebraucht man dieses Wort nur in engerer Bedeutung, ein gemeiniglich kupfernes, zuweilen aber auch silbernes, halb rundes musikalisches Werkzeug zu bezeichnen, welches auf der offenen Seite mit einem Felle bespannt ist, und,

[Bd. 3, Sp. 676]


wenn es geschlagen wird, einen starken dumpfigen Schall von sich gibt; zum Unterschiede von einer Trommel. Eine solche Pauke nannte man ehedem auch zum Unterschiede von den Trommeln und wegen ihrer halb runden kesselartigen Gestalt auch Kesselpauken, mit welchem Nahmen sie auch noch jetzt zuweilen beleget werden. Heerpauken, so fern sie bey den Kriegsheeren gebraucht werden. Die Pauken schlagen. Der Pauke ein Loch machen, figürlich und im gemeinen Leben, der Sache ein Ende machen, ihr den Ausschlag geben. Ich muß der Pauke nur ein Loch machen, damit ich weiß, woran ich bin, Less.
   Anm. Im Oberd. ehedem Puk, Pawk, Bök, die Bankel, und mit dem eingeschalteten n Bunge, Bunke, im Schwed. Pukor, und selbst im Pers. Bik. S. das folgende.
 
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Pauken, verb reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich den hohlen dumpfigen Schall hervor bringen bedeutet, welchen dieses Zeitwort nachahmet. 1) Überhaupt schlagen; doch nur von dem Schlagen in solchen Fällen, in welchen dadurch ein solcher Schall verursacht wird. Daher gebraucht man es im gemeinen Leben zuweilen noch für prügeln. Jemanden weidlich pauken. S. auch Arschpauker. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Pauken schlagen. Du sollt noch fröhlich pauken und heraus gehen an den Tanz, Jer. 31, 4.
   Daher das Pauken.
   Anm. Dieses Zeitwort ahmet den Schall, welchen es bezeichnet, genau nach. Sogar im Finnländischen ist paucun dumpfig tönen, Pauckina ein dumpfiger Ton, und Pauke ein starker dumpfiger Schall. Das Nieders. pauken bedeutet daher auch mit hohlem Munde reden. Das Nieders. bakern ist ein Intensivum von einem veralteten Zeitworte backen, welches einen ähnlichen aber nicht so dumpfen Ton ausdruckt. S. auch Pochen, welches gleichfalls genau damit verwandt ist.
 
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* Das Paukenwêrk, des -es, plur. inus. ein ungewöhnliches nur Ezech. 28, 13 befindliches Wort, alles zur Schlagung der Pauken nöthige Geräth zu bezeichnen.

 

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