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Patriōt bis Patsche (Bd. 3, Sp. 672 bis 674)
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Artikelverweis Der Patriōt, des -en, plur. die -en. 1) In der engsten Bedeutung, eine Person, welche das allgemeine Beste auch zum Nachtheile ihres eigenen Besten befördert, welche die allgemeine Wohlfahrt ihrer eigenen vorziehet. 2) In weiterer Bedeutung wird dieses Wort oft sehr gemißbraucht, indem man schon einen jeden, welcher eine parteyische oder auf Nebenumstände gegründete Liebe für sein Vaterland oder seinen Wohnort blicken lässet, und dessen auch parteyische Liebe gemeiniglich nur auf der Zunge wohnet, oder welcher gar seinen eigenen Vortheil unter dem Scheine des allgemeinen Besten sucht, einen Patrioten zu nennen pflegt. Es ist aus dem mittlern Lat. Patriota, welches eigentlich einen Eingebornen eines Landes bedeutet. Man hat statt dieses fremden Wortes das veraltete Biedermann vorgeschlagen, welches aber dessen Begriff in keiner von beyden Bedeutungen erschöpfet.
 
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Patriōtisch, -er, -te, adj. et adv. einem Patrioten ähnlich, gleich, in dessen eigenthümlichen Art zu denken und zu handeln gegründet; in beyden Bedeutungen des Hauptwortes.
 
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Die Patrīze, plur die -n, aus dem Latein. Patrix, bey den Schriftgießern, der links in Stahl geschnittene Buchstab, welcher

[Bd. 3, Sp. 673]


hierauf in Kupfer geschlagen wird, und dadurch die Matrize bildet. S. Adelung Patrone.
 
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1. Die Patrólle, plur. die -n, das zierliche mit einem Quaste versehene Band an der Trompete; ein aus dem Franz. Banderol verstümmeltes Wort.
 
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2. Die Patrólle, oder Patrúlle, plur.die -n, die umher gehende Soldatenwache, um die öffentliche Ruhe und Sicherheit zu unterhalten. Patrollen ausschicken. Daher patrolliren, oder patrulliren, zur Beförderung der öffentlichen Sicherheit herum gehen, von solchen Wachen. Ingleichen, im gemeinen Leben, figürlich, emsig und geschäftig umher gehen.
   Anm. Es ist wie andere Kriegs- und Soldatenwörter aus dem Franz. Patrouille und patrouiller, Ital. Patruglia, entlehnet. Frisch leitet es sehr unwahrscheinlich von Patronus her, weil eine solche Wache der Schutz der Straßen sey. Wahrscheinlicher ist das alte Deutsche und noch jetzt Nieders. padden, pedden, treten, oft treten, herzhaft einher gehen, im Salischen Gesetze battire, das Stammwort, zu dessen Geschlechte auch die Lat. petere und vadere gehören. S auch Pfad.
 
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Der Patrōn, des -es, plur. die -e, Fämin. die Patroninn, aus dem Lat. Patronus. 1) Ein Schutzherr, ein Beschützer; doch nur noch in einigen Fällen. In der Römischen Kirche wird der Heilige, dessen Schutze eine Kirche oder ein Stift besonders empfohlen ist, und nach welchem sie auch gemeiniglich genannt werden, deren oder dessen Patron, oder wenn es eine Heilige ist, die Patroninn genannt; der Schutzheilige, die Schutzheilige. Ehedem nannte man solche Heilige den Hauptherren, den Hausherren, die Hausfrau, von Haus, ein heiliges Haus, das Gotteshaus. Im gemeinen Leben nennt man noch einen jeden, besonders Höhern und Vornehmern, der unser Bestes aus Wohlwollen befördert, seinen Patron, wofür man jetzt in der anständigern Sprechart lieber das Wort Gönner gebraucht. 2) Der Eigenthumsherr, Eigenthümer; gleichfalls nur noch in einigen Fällen. Der Eigenthümer eines Schiffes heißt auf den Deutschen Schiffen gemeiniglich der Schiffspatron oder nur Patron schlechthin. Im mittlern Lat. Patronus navis. In weiterer Bedeutung heißt auf dem mittelländischen Meere auch derjenige, welcher die Aufsicht über das Schiff und dessen Ladung hat, der Schiffer, der Schiffspatron, oder Patron schlechthin. Im gemeinen Leben nennt der Miethmann seinen Miethherrn den Hauspatron. 3) In engerer Bedeutung wird der Lehensherr über geistliche Bedienungen, oder derjenige, welcher das Recht hat, die Stellen an den Kirchen und Schulen zu vergeben, der Patron genannt; im mittlern Lat. Patronus.
 
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Das Patronāt, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Patronatus, in der letzten Bedeutung des Wortes Patron, das Recht, die Stellen an den Kirchen und Schulen zu besetzen, das Lehensrecht über geistliche Stellen; das Patronat-Recht, die Collatur, und mit Deutschen Ausdrücken, der Kirchensatz, das Kirchenlehen, das Pfarrlehen, S. das letztere.
 
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Die Patrōne, plur. die -n, ein noch in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens übliches Wort. 1) Ein Modell wird noch bey verschiedenen Handwerkern eine Patrone genannt. 2) Noch häufiger werden bey den künstlichen Webern die gezeichneten Muster, wornach sie weben, Patronen genannt, welchen Nahmen auch die Zeichnungen bekommen, wornach die Formenschneider ihre Formen schneiden. Auch die papiernen Muster der Schneider und Putzmacherinnen bekommen diesen Nahmen; wenigstens heißt ein solches Muster in Frankreich Patron. In Niedersachsen führet es den Nahmen Pand. 3) In dem heutigen Kriegswesen ist die Patrone nicht nur das Futter zu einem Schusse, sondern auch der ganze Schuß selbst, so wohl zu dem großen als kleinen Gewehre, so fern

[Bd. 3, Sp. 674]


er sich in einem hohlen Cylinder von Papier, Blech, Holz u. s. f. befindet.
   Anm. Dieses Wort ist aus dem Franz. Patron entlehnet, und auch im mittlern Lat. kommt Patronus von einem Muster oder Vorbilde vor. Die Übereinstimmung des Klanges mit dem vorigen Patron ist hier allem Ansehen nach nur zufällig, indem dieses Wort, so wie Patrix und Patrize, zu dem alten batten, patten, Franz. battre, schlagen, zu gehören scheinet, weil das Modell, in welcher Bedeutung es ehedem häufiger war, in manchen Fällen in eine weichere Materie abgeschlagen oder abgeformet wird. Die Patrize der Schriftgießer ist in der That auch eine solche Patrone, welche hernach in ein weicheres Metall abgeschlagen wird, um die eigentliche Form zu bekommen. S. auch Patschen. Von diesen zum Abschlagen bestimmten Modellen haben hernach alle Muster diesen Nahmen bekommen. Im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Patron, welches denn dem Franz. Patron näher kommt.
 
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Die Patrōntásche, plur. die -n, eine lederne Tasche der Soldaten, welche sie an einem breiten ledernen Riemen über der Schulter hangen haben, die Patronen zu dem kleinen Gewehre darin zu verwahren und bey sich zu führen.
 
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Patsch, eine Interjection oder doch ein unabänderliches Wort, welches den Schall nachahmet, den gewisse Körper im Schlagen und Fallen auf andere von sich geben, und im gemeinen Leben noch häufig vorkommt. Patsch! da lag es, sagt man daselbst von einem Kinde oder andern Dinge, welches plötzlich hinfällt. Patsch! da hatte er eins auf das Maul, von jemanden, welcher eine Maulschelle bekommt. Auch den Laut, welchen das Gehen oder Treten im Wasser verursacht, ahmet man mit diesem Worte nach, daher im gemeinen Leben auch patsch naß so viel als über und über naß ist. Von diesem unabänderlichen Laute hat man in den niedrigen Sprecharten auch das Hauptwort der Patsch, des -es, plur. die -e, einen Schlag, besonders mit der flachen Hand, zu bezeichnen. S. die folgenden.
 
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Die Patsche, plur. die -n, Diminut. das Patschchen oder Pätschchen, ein auch nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Werkzeug zum Schlagen, in einigen Fällen. Die Strohdachdecker haben eine solche Patsche, deren sie sich bey dem Decken bedienen. In einigen Niedersächsischen Gegenden heißt das Ruder aus eben dieser Ursache eine Pätsche. Auch ein breites ebenes schweres Holz an einem schiefen Stiele, womit die aus Lehm bereiteten Tennen fest geschlagen werden, ist auf dem Lande unter dem Nahmen einer Patsche bekannt. S. auch Päuschel, Peitsche, Batzen und Possekel. 2) Der Ort, woran etwas schlägt. In diesem Verstande heißt in den Salzwerken die Mauer an der Salzpfanne, woran das Feuer schlägt, die Patsche oder Pitschke. 3) In der tändelnden und vertraulichen Kindersprache wird die Hand die Patsche, die Patschhand, und im Diminut. das Patschchen, das Pätschchen, das Patschhändchen genannt; gewiß nicht von dem Ital. basciare, küssen, wie Frisch will, weil gemeiner Leute Kinder die Hand erst zu küssen pflegen, ehe sie solche zum Willkommen darreichen, denn wie wäre der große Haufe zu dem Italiänischen gekommen? sondern gleichfalls von diesem Schalle, welchen der Handschlag bey dem Willkommen macht. Schmerzt nicht das arme Patschchen dir? Weiße. Gib mir einmahl dein liebes Patschchen, ebend. O, lassen sie mich geschwind die weichen niedlichen Patschchen küssen, ebend. S. das folgende.

 

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