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Passe bis Passierzêttel (Bd. 3, Sp. 666 bis 668)
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Artikelverweis Die Passe, plur. die -n. 1) In der Seefahrt, kleine Kanonen, welche statt der Laffeten nur ein Gestell haben, von hinten geladen, und auf den Mastkörben, den hohen Theilen der Castelle, ingleichen auf Prahmen und Schaluppen geführet werden. Man hat ihrer auch auf Galeren, welche 11/2 Pfund schießen. 2) In den Mühlen, besonders Niedersachsens, ist es ein Werkzeug, vermittelst dessen die Mühle zum Stillestehen gebracht wird; in welcher Bedeutung es ohne Zweifel von passen, warten, stille stehen, abstammet.
 
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* Pässeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, üblich ist, kleine, unerhebliche Hausarbeit thun. Daher wird auch im Bergbaue jemand, der kleine geringe Arbeiten verrichtet, ein Päßler genannt. Wendisch pastuju. Etwa von Bissen, Bißchen, Oberd. ein Bißlein.
 
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1. Passen, verb. reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, und eigentlich unthätig, unwirksam seyn, bedeutet, aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1) In einigen Spielen, besonders in Kartenspielen, passet man, wenn man nicht Spieler ist, kein eigentliches Spiel unternimmt, sondern sich mehr leidentlich verhält. Franz. passer, Ital. passare und far passo. S. Adelung Verpassen und Zupassen. 2) Auf etwas warten, merken, und Acht haben, in welcher ganzen Bedeutung es nur im gemeinen Leben und in den niedrigen Sprecharten gebraucht wird. Ich habe hier schon lange gepasset, gewartet. Er kann passen, warten. Paß auf etwas geben, im Nieders. auf etwas merken, Acht geben. Besonders in einigen engern Bedeutungen, indem es so wohl, auf jemandes Befehle oder Worte warten, bedeutet. Auf jemanden passen, auf dessen Befehle warten, dessen Worte und Ermahnungen befolgen. Er passet nicht auf mich, folget, gehorchet mir nicht. Als auch, zu jemandes Schaden oder Verderben warten und aufmerken, lauern. Die Katze passet auf die Maus, der Räuber auf den Wanderer. Jemanden auf den Dienst passen, ironisch, ihm nachstellen, ihm ein Unglück zuzubereiten suchen.
   So auch das Passen.
   Anm. Hornegk gebraucht enpaizen für nachstellen, wo es aber auch zu einem andern Stamme gehören kann. Übrigens lautet es in der zweyten Bedeutung im Schwedischen gleichfalls passa. Ihre leitet es gleichfalls von Paß, die bequeme, gehörige Zeit ab, da es denn mit dem folgenden Zeitworte einerley seyn würde. Allein

[Bd. 3, Sp. 667]


da man ehedem, wie aus einem alten Vocabul. von 1482 erhellet, auch das Wort Paß für Pause hatte, so ist es entweder ein altes Wort, welches ein Seitenverwandter von Pausa und dem Griech. παυειν, ruhen, unwirksam seyn, ist, oder es ist auch aus Pause entlehnet, und in Paß verderbt worden. S. auch Pause, Aufpassen und Abpassen.
 
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2. Passen, verb. reg. welches zu dem Hauptworte 1 Paß gehöret, und in doppelter Gestalt üblich ist.
   1. Als ein Activum. 1) Messen, besonders mit dem Zirkel messen, der daher im Nieders. der Passer heißt. In diesem Verstande wird es nur im Nieders. gebraucht; indessen hat das Ital. passare und compassare, und das Franz. compasser, eben dieselbe Bedeutung. 2) Eine Sache der Größe nach einem andern Dinge gemäß machen. Der Deckel ist auf den Topf gepasset. Das Kleid ist auf meinen Leib gepasset. S. Adelung Anpassen.
   2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, im Maße zutreffen, das gehörige Maß haben, angemessen seyn. Die Schuhe passen mir nicht. Das Kleid passet sehr gut. Es muß auf ein Haar passen. Der Deckel passet nicht auf den Topf. Ingleichen figürlich, sich schicken, fügen, angemessen seyn. Das passet nicht hierher. Diese Stelle paßt nicht auf unsern Satz. Im Nieders. bedeutet es über dieß noch gefallen, anständig seyn. Den Dieben passet alles. Das paßt mir nun so, gefällt mir so. Ingleichen sich fügen, sich zutragen. Das kann sich wohl ein Mahl passen, zutragen.
   Daher das Passen.
   Anm. Im Schwed. in beyden Gattungen gleichfalls passa, S. 1. Paß.
 
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Die Páßforme, plur. die -n, bey den Kattundruckern, zusammen gesetzte, oder zusammen gepaßte Formen, deren zuweilen zwanzig und mehr kleine zusammen gesetzt werden, die verschiedenen Ranken und mancherley Farben der großen auszufüllen.
 
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Der Páßgang, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -gänge, der Paß eines Pferdes, S. 2 Paß 1.
 
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Der Páßgänger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pferd, welches den Paß gehet, S. Adelung Zelter.
 
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Das Páßglas, des -es, plur. die -gläser, ein hohes Trinkglas, welches durch verschiedene Pässe, d. i. Reife oder Ringe am Rande, in mehrere Räume getheilet ist, und auch nur ein Paß schlechthin genannt wird. S. 1 Paß.
 
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Passieren, verb. reg. welches aus dem Franz. passer, im mittlern Latein. passare, entlehnet ist, und nur im gemeinen Leben gebraucht wird, wo es in doppelter Gattung vorkommt.
   1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, reisen, wandern, gehen.
   1) Überhaupt, wo es mit verschiedenen Vorwörtern gebraucht wird. Durch einen Ort passieren, durch denselben reisen. In die Stadt passieren, in die Stadt reisen. Über einen Fluß passieren, setzen. Vorbey passieren. Wo es denn auch ohne Vorwort mit der vierten Endung gebraucht wird. Einen Ort passieren, durch denselben auf seiner Reise kommen. Man kann die Gasse vor Menschen nicht passiren, nicht durch dieselbe kommen. Daher die Zusammensetzungen durchpassieren, einpassieren, auspassieren.
   2) In engerer Bedeutung, seine Reise, seinen Weg fortsetzen. (a) Eigentlich. Er kann passieren, er kann seinen Weg fortsetzen. Einen Reisenden, einen Wagen, eine Waare nicht passieren lassen, sie auf dem Wege anhalten. (b) Figürlich. α) Das kann passieren, ist erträglich, mittelmäßig. Das laß ich passieren, das laß ich gelten, dawider habe ich nichts einzuwenden. β) Für etwas passieren, gehalten werden. Er passieret für einen ehrlichen Mann. Er passieret noch für einen Junggesellen.

[Bd. 3, Sp. 668]


Er will für einen reichen Mann passieren. γ) Geschehen, sich zutragen. Was passieret neues? Es ist ein rechter Spaß passieret. Schreiben sie mir doch was passieret, was vorgehet.
   2. Als ein Activum, passieren machen, d. i. zubringen; doch nur in den niedrigen Sprecharten, besonders von der Zeit und dem menschlichen Leben. Die Zeit passieren, mit etwas zubringen. Die Zeit mit Lesen, mit Spielen passieren. Sein Leben mit Herumreisen passieren.
 
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Passierlich, adj. et adv. welches gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist. 1) Ein passierlicher Weg, welchen man bereisen kann. 2) Mittelmäßig, was passieren kann. Das ist passierlich. Eine passierliche Wärme, Gesundheit. Er spielt so passierlich. S. Adelung Paßlich.
 
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Der Passierzêttel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Paß für Menschen und Waaren, besonders für letztere, ein Zettel, vermöge dessen eine Waare oder ein Fuhrwerk ungehindert passieren, oder den Weg fortsetzen kann.

 

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