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2. Der Páß bis Páßforme (Bd. 3, Sp. 665 bis 667)
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Artikelverweis  2. Der Páß, des -sses, plur. die Pässe, ein aus dem Latein. Passus, der Schritt, entlehntes Wort. 1. Ein Schritt. 1) Eigentlich, wo es doch nur von einer gewissen Art des Ganges der Pferde üblich ist, welcher in einer zugleich geschehenden niedrigen Bewegung beyder auf Einer Seite befindlichen Füße bestehet, welche mit den andern wechseln, ein zwar bequemer und schneller, aber eigentlich fehlerhafter Gang, welcher auch der Paßgang, der Antritt, der Dreyschlag und der Zelt genannt wird; S. diese Wörter. Im Ital. heißt er gleichfalls Passo. Einen Paß gehen. S. Paßgänger. Der halbe Paß ist eine Mischung von Trab und Paß. 2) Figürlich, ein Fall, ein Umstand, eine jede vorkommende oder vorliegende Sache; doch nur im gemeinen Leben. Ital. Passo. In diesem Passe mag es gut seyn, in diesem Falle. Der Alten und Neuen Gründe, welcher sie sich in diesem Passe bedienen, Opitz, in dieser Materie. 2. Ein enger, beschwerlicher Weg, besonders aus einem Lande in ein anderes; ehedem auch die Clause. 1) Eigentlich; im mittlern Lat. Passus, im Ital. Passo, im Franz. Pas. Der Paß aus Frankreich nach Italien. Alle Pässe besetzen. Einen Paß einnehmen. In der Schiffersprache wird auch eine Meerenge zuweilen ein Paß genannt; daher heißt die Meerenge zwischen Frankreich und England in einigen Gegenden der Paß von Calais, Franz. le Pas de Calais. 2) Figürlich, der Durchgang durch einen solchen Ort, und im weiterm Verstande, der Durchgang durch einen jeden Ort. Freyen Paß haben, freyen Durchgang, im gemeinen Leben. Jemanden den Paß abschneiden, verlegen, verhauen, ihm an dem Durchgange, an seinem Fortgange, an seinem Rückgange hindern. Einem den Paß öffnen. Im Ital. gleichfalls Passo. 3. Ein Freybrief zur ungehinderten Fortsetzung seines Weges; ein Paßport, im Oberdeutschen Paßbrief, Paßzettel, Schwed. Pass. Jemanden einen Paß geben. Einen Paß lösen, bekommen. S. Paßport.
 
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Das Pássa, plur. inus. ein Hebräisches Wort, welches eigentlich Verschonung oder Vorübergang bedeutet, von 05e405e105d7, vorüber gehen, und durch die Griechische Übersetzung des alten Testamentes, wo es πασχα lautet, in die Lateinische und Deutsche Sprache gekommen ist, zunächst das Osterfest der Juden zu bezeichnen, welches zum Andenken der Verschonung von dem Würgengel bey dem Ausgange aus Ägypten gefeyert wurde. Hernach nannte man auch das christliche Osterfest Pasch, Paschen, Pascha, welcher Nahme noch in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Nieder-Deutschlandes üblich ist. Nieders. Paasken, Schwed. Påsk, Isländ. Paska.
 
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Die Passāge, (sprich Passāsche,) plur. die -n, aus dem Franz. Passage, nach welchem Muster es im gemeinen Leben für die Durchreise, für die Stelle aus einem Buche u. s. f. gebraucht wird. Hier wird es nur als ein musikalisches Kunstwort angeführet, wo die willkührlichen Auszierungen oder Veränderungen eines einfachen Gesanges in gewissen dazu tauglichen Stellen, Passagen, und, nach dem Italiänischen Passaggio, auch wohl Passagien (sprich Passadschien) genannt werden.
 
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Das Passagīer, (sprich Passaschier,) des -s, plur. ut nom. sing. ein Reisender, eine reisende Person ohne Unterschied des

[Bd. 3, Sp. 666]


Geschlechtes; aus dem Franz. Passager. Besonders, eine Person, welche mit der Post reiset.
 
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Der Passār-Wind, des -es, plur. die -e, in der Seefahrt und Erdbeschreibung, ein Wind, welcher in manchen Gewässern entweder beständig nach einerley Richtung wehet, oder nur zu gewissen Zeiten einerley Richtung hat, dergleichen in den Indischen Gewässern, und auf dem stillen Meere sehr häufig sind; ein beständiger Wind, im Franz. Musson. Auch im Atlantischen Meere bläset vom October bis zum Januar ein beständiger Nordostwind. Der Nahme rühret vermuthlich daher, weil man diese Winde abwarten muß, wenn man ein solches Meer passieren, d. i. durchsegeln, will.
 
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Der Pássauer, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich eine Person männlichen Geschlechtes, welche aus der Stadt oder dem Bißthum Passau kommt, daher gebürtig ist; Fämin. die Passauerinn. Ingleichen, ein Ding, welches von daher zu uns gebracht wird. So hat man eine Art des Salates oder Laktukes, welche weißer, und gelber großer Passauer genannt wird. Passauer Schmelztiegel. Die Passauer Kunst, die Kunst sich fest zu machen; von einem Scharfrichter zu Passau, welcher 1611 das feige Kriegsheer, welches um die Stadt lag, mit papiernen Zetteln zu tapfern Soldaten machte.
 
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Die Passe, plur. die -n. 1) In der Seefahrt, kleine Kanonen, welche statt der Laffeten nur ein Gestell haben, von hinten geladen, und auf den Mastkörben, den hohen Theilen der Castelle, ingleichen auf Prahmen und Schaluppen geführet werden. Man hat ihrer auch auf Galeren, welche 11/2 Pfund schießen. 2) In den Mühlen, besonders Niedersachsens, ist es ein Werkzeug, vermittelst dessen die Mühle zum Stillestehen gebracht wird; in welcher Bedeutung es ohne Zweifel von passen, warten, stille stehen, abstammet.
 
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* Pässeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, üblich ist, kleine, unerhebliche Hausarbeit thun. Daher wird auch im Bergbaue jemand, der kleine geringe Arbeiten verrichtet, ein Päßler genannt. Wendisch pastuju. Etwa von Bissen, Bißchen, Oberd. ein Bißlein.
 
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1. Passen, verb. reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, und eigentlich unthätig, unwirksam seyn, bedeutet, aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1) In einigen Spielen, besonders in Kartenspielen, passet man, wenn man nicht Spieler ist, kein eigentliches Spiel unternimmt, sondern sich mehr leidentlich verhält. Franz. passer, Ital. passare und far passo. S. Adelung Verpassen und Zupassen. 2) Auf etwas warten, merken, und Acht haben, in welcher ganzen Bedeutung es nur im gemeinen Leben und in den niedrigen Sprecharten gebraucht wird. Ich habe hier schon lange gepasset, gewartet. Er kann passen, warten. Paß auf etwas geben, im Nieders. auf etwas merken, Acht geben. Besonders in einigen engern Bedeutungen, indem es so wohl, auf jemandes Befehle oder Worte warten, bedeutet. Auf jemanden passen, auf dessen Befehle warten, dessen Worte und Ermahnungen befolgen. Er passet nicht auf mich, folget, gehorchet mir nicht. Als auch, zu jemandes Schaden oder Verderben warten und aufmerken, lauern. Die Katze passet auf die Maus, der Räuber auf den Wanderer. Jemanden auf den Dienst passen, ironisch, ihm nachstellen, ihm ein Unglück zuzubereiten suchen.
   So auch das Passen.
   Anm. Hornegk gebraucht enpaizen für nachstellen, wo es aber auch zu einem andern Stamme gehören kann. Übrigens lautet es in der zweyten Bedeutung im Schwedischen gleichfalls passa. Ihre leitet es gleichfalls von Paß, die bequeme, gehörige Zeit ab, da es denn mit dem folgenden Zeitworte einerley seyn würde. Allein

[Bd. 3, Sp. 667]


da man ehedem, wie aus einem alten Vocabul. von 1482 erhellet, auch das Wort Paß für Pause hatte, so ist es entweder ein altes Wort, welches ein Seitenverwandter von Pausa und dem Griech. παυειν, ruhen, unwirksam seyn, ist, oder es ist auch aus Pause entlehnet, und in Paß verderbt worden. S. auch Pause, Aufpassen und Abpassen.
 
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2. Passen, verb. reg. welches zu dem Hauptworte 1 Paß gehöret, und in doppelter Gestalt üblich ist.
   1. Als ein Activum. 1) Messen, besonders mit dem Zirkel messen, der daher im Nieders. der Passer heißt. In diesem Verstande wird es nur im Nieders. gebraucht; indessen hat das Ital. passare und compassare, und das Franz. compasser, eben dieselbe Bedeutung. 2) Eine Sache der Größe nach einem andern Dinge gemäß machen. Der Deckel ist auf den Topf gepasset. Das Kleid ist auf meinen Leib gepasset. S. Adelung Anpassen.
   2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, im Maße zutreffen, das gehörige Maß haben, angemessen seyn. Die Schuhe passen mir nicht. Das Kleid passet sehr gut. Es muß auf ein Haar passen. Der Deckel passet nicht auf den Topf. Ingleichen figürlich, sich schicken, fügen, angemessen seyn. Das passet nicht hierher. Diese Stelle paßt nicht auf unsern Satz. Im Nieders. bedeutet es über dieß noch gefallen, anständig seyn. Den Dieben passet alles. Das paßt mir nun so, gefällt mir so. Ingleichen sich fügen, sich zutragen. Das kann sich wohl ein Mahl passen, zutragen.
   Daher das Passen.
   Anm. Im Schwed. in beyden Gattungen gleichfalls passa, S. 1. Paß.
 
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Die Páßforme, plur. die -n, bey den Kattundruckern, zusammen gesetzte, oder zusammen gepaßte Formen, deren zuweilen zwanzig und mehr kleine zusammen gesetzt werden, die verschiedenen Ranken und mancherley Farben der großen auszufüllen.

 

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