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Partīte bis Páß (Bd. 3, Sp. 662 bis 664)
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Artikelverweis Die Partīte, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Eine Partey, eine Post, nur in einigen Oberdeutschen Gegenden; aus dem Ital. Partita. Eine Partite in das Schuldbuch tragen, eine Post. 2) Betrügliches Verfahren, heimliche, listige Ränke; Praktiken. Partiten machen oder spielen. Durch lauter Partiten reich werden. Opitz übersetzt das: Faciat tuus improba lucra maritus, durch: Partiten mache dann der Mann. Daher der Partitenmacher, die Partitenmacherinn, eine Person, welche mit Partiten umgehet. Im Ital. Partita, im mittlern Latein. Partitum, welches Du Fresne durch suffragationem quae secreto per calculos fit, erkläret, und ohne Zweifel mit partiren von einer noch unbekannten Bedeutung des Zeitwortes partiri in den mittlern Zeiten herstammet; vielleicht einzeln, theilweise wegnehmen, und hernach heimlich, unvermerkt wegstehlen. Wenigstens ist es wohl nicht, wie Frisch will, aus Praktiken verderbt.
 
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Die Parúcke, S. Perrucke.
 
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Die Parze, S. Adelung Parce.

[Bd. 3, Sp. 663]



 
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Parzen, verb. reg. reciproc. welches nur im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes üblich ist. Sich parzen, sich brüsten, sich stolz geberden. Es ist allem Ansehen nach das Intensivum von dem alten baren oder berden, geberden, für bardsen.
 
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Der Pásch, des -es, plur. die -e, ein nur in dem Würfelspiele übliches Wort, wo es einerley Zahl oder gleich viel Augen auf drey Würfeln bedeutet. Einen Pasch werfen. Frischens Ableitung von dem Paschafeste, weil die Kriegsknechte in der Woche vor Pasche um Christi Kleider gewürfelt, könnte wohl nicht seltsamer seyn. Da es eine gleiche Zahl bedeutet, so stammet es ohne Zweifel von dem noch Nieders. paß, gleiches Maß habend, und der Paß, das rechte Maß, her. S. diese Wörter und 1 Paschen.
 
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Das Páscha, das Osterfest, S. Adelung Passa.
 
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1. Páschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, mit Würfeln spielen, würfeln. Die ganze Nacht paschen. Von dem vorigen Worte Pasch.
 
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2. Páschen, verb. reg. act. welches vorzüglich in Oberdeutschland gebraucht wird, auf eine heimliche, verbothene Art handeln; doch nur von der heimlichen Einführung verbothener oder mit Abgaben belegter Waaren, welches eben daselbst auch schwärzen, im Niedersächs. aber smuggeln, genannt wird. Waaren in die Stadt paschen. Sie aus dem Lande paschen, heimlich mit Hintergehung der obrigkeitlichen Gefälle. Vermuthlich aus dem mittlern Lat. passare, entweder so fern es vorbey gehen, oder auch so fern es übertreten, Franz. outrepasser, bedeutet; oder auch von passen, lauern, wie schmuggeln von schmiegen.
 
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Das Pasquíll, des -es, plur. die -e, eine Schrift, worin man jemanden fälschlich ehrenrührige Handlungen Schuld gibt, besonders, wenn man eine solche Schrift ohne seinen Nahmen bekannt macht; die Lästerschrift, Schandschrift. Die ungegründete Beschaffenheit der dem andern Schuld gegebenen dessen guten Nahmen aufhebenden Verbrechen, und nächst dem die Verschweigung des Nahmens des Verfassers sind die wesentlichen Unterscheidungsmerkmahle eines Pasquilles. Fehlt eines dieser Stücke, so ist es eine bloße Schmähschrift. Daher der Pasquillánt, des -en, plur. die -en, Fämin. die Pasquillántinn, eine Person, welche Pasquille verfertiget und ausbreitet, und in weiterer Bedeutung ein jeder grober Verleumder, eine Person, welche andere auch mündlich unwahrer ehrenrühriger Handlungen beschuldiget; der Lästerer. Pasquillántisch, einem Pasquille ähnlich, gemäß, in demselben gegründet. Die Pasquināde, plur. die -n, aus dem Ital. Pasquinara, eine Lästerung, und in engerer Bedeutung, eine witzige Lästerung.
   Anm. Alle diese Wörter stammen aus dem Italiänischen, und dem daselbst in den neuern Zeiten geformten Lateinischen Worte Pasquillus, her. Pasquin oder Pasquino ist der heutige Nahme einer verstümmelten und sehr unkenntlichen Bildsäule zu Rom nahe bey dem Platze Navone, an welche man ehedem alle nahmenlose Schmähschriften und beißende witzige Einfälle anzuheften pflegte. Die Bildsäule, von welcher man nicht weiß, was sie vorstellet, hat den Nahmen von einem witzigen Schneider Pasquino, welcher ehedem in ihrer Nachbarschaft wohnete, und in dessen Werkstätte sich alle Liebhaber von Neuigkeiten versammelten, und daselbst alles Gute und Böse, was in Rom vorging, durchhechelten. Er starb, nachdem ihm sein boßhafter Witz tausend Verdruß zugezogen hatte, und hinterließ der gedachten Bildsäule so wohl seinen Nahmen, als auch das Amt, dasjenige bekannt zu machen, was die witzigen Köpfe der Stadt gern bekannt machen wollen, ohne sich selbst zu erkennen zu geben. Gemeiniglich antwortet Pasquin auf die Fragen, welche Marforio an ihn thut. Dieses ist eine andere eben

[Bd. 3, Sp. 664]


so verstümmelte Bildsäule in einem von den Höfen des Capitolik, deren Nahme so viel als Martis Forum bedeuten soll, wo sie ehedem gestanden hat.
 
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* Páß, adv. welches nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, gebraucht wird, das rechte Maß habend. Das Kleid ist mir paß. Die Schuhe sind mir nicht paß. In eben diesem Verstande gebraucht Opitz dieses Wort an einem Orte, obgleich nicht auf die schicklichste Art:
   Ihm ist Americus, sein Schüler nachgegangen,
   Hat dieß, was von ihm heißt, zu zwingen angefangen,
   Dem Geitze pas (paß) gemacht. S. das folgende.
 
Artikelverweis 1. * Der
Páß, des -sses, plur. die Pässe, ein gleichfalls nur im gemeinen Leben, besonders Nieder-Deutschlandes, übliches Wort. 1) Ein Maß, ein Ziel, ein Gewicht und ein abgemessenes Ding zu bezeichnen; doch nur in einigen Fällen. Daß der Zirkel ehedem diesen Nahmen geführet haben müsse, erhellet aus dem Franz. Compas. Jetzt heißt er im Holländ. und Nieders. Passer, von dem Zeitworte passen. Ehedem gebrauchte man es auch in einigen Gegenden für den Tact in der Musik, denn Apherdian hat die R. A. nach dem Passe tanzen. Der Wasserpaß ist in einigen Salzwerken das Gewicht des Gefäßes mit süßem Wasser bey dem Probiren der Sohle, gegen welches man eben so viele Sohle abwieget. Im gemeinen Leben hat man eine Art hoher Trinkgläser, welche von einem Raume zum andern mit Reifen versehen sind, welche Reife, so wie der zwischen zwey Reifen eingeschlossene Raum, ein Paß genannt werden. S. Adelung Paßglas. Ein Paßglas mit vier Pässen. Einen Paß austrinken. Da denn auch wohl das Paßglas selbst ein Paß heißt.
   Da soff man nun mit ganzen Pässen
   Auf aller H Wohlseyn los,
   Günth. Diese Gewohnheit, die Trinkgeschirre in gewisse Theile oder Räume abzutheilen, ist alt. Frisch führet eine Stelle aus Alberici Chronik in Leibnitzens Acces. an, wo er sagt: Dunstanus Episcopus in Anglia, ut potationem compatriotarum refrenaret, clavos aureos vel argenteos vafis infigi jussit, ut, dum quisque metam suam cognosceret, non plus subserviente verecundia vel ipse appeteret vel appetere cogeret. In den alten Statuten von Vercelli bey dem Du Fresne ist Passus und Pazellus eine Art eines unbekannten Maßes oder Gewichtes. Falsa pensa, heißt es daselbst, statera, passus, balancia, marchus. Im Holländischen ist Pass und Passe das Ebenmaß, die Symmetrie. 2) In engerer Bedeutung und ohne Plural, das rechte Maß, die rechte bequeme Zeit; wo es nur im Niederdeutschen und den verwandten nördlichern Sprachen mit einigen Vorwörtern gebraucht wird. Die Schuhe sind mir zu Paß, gerecht, haben das rechte Maß. Von Paß seyn, das rechte Maß haben. Zu Paß kommen, zur rechten Zeit. Das kommt mir recht zu Paß, zu gelegener Zeit, zu Statten. Jetzt noch kommt sie zu paß, (zu Paß,) Opitz. Ingleichen figürlich, der gehörige Zustand der Gesundheit und der Glücksumstände. Wohl zu Paß seyn, sich ganz wohl befinden, so wohl der Gesundheit als den Glücksumständen nach. Nicht wohl zu Paß seyn, sich nicht wohl befinden. Den Gegensatz enthält das Nebenwort, unpaß, welches siehe.
   Anm. In der letzten Bedeutung im Holländischen, Englischen und Schwedischen, wo es gleichfalls nur mit einigen Vorwörtern adverbialiter gebraucht wird, auch Pass. Wachter leitet es wunderlich genug von dem Franz. à propos her, Frisch in der letzten Bedeutung von dem alten baß, besser, Ihre aber von dem Franz. passer, erträglich seyn. Alle diese und andere Ableitungen thun dem Worte keine Genüge. Es scheinet, wenigstens in der ersten Bedeutung, eigentlich ein eingegrabenes, eingeschnittenes Mahl,

[Bd. 3, Sp. 665]


oder auch ein spitziges, stechendes Ding, bedeutet zu haben, da es denn zu beißen in dessen weitesten Bedeutung, zu dem Griech. πασσειν, stechen, zu Spitze und andern dieses Geschlechtes gehören würde. Bey verschiedenen Handwerkern bedeutet passig eingegrabene oder getriebene Figuren habend, welches ein Hauptwort Paß, eine gestochene oder gegrabene Figur, voraus setzt. S. Adelung Passig, Paßlich, Passen und Unpaß. Im Niedersächsischen bedeutet es auch noch Achtung, Aufmerksamkeit. Paß geben, aufmerken, wo es aber mit 1 Passen zu Pause gehöret.

 

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