Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Partiren bis 2. Páschen (Bd. 3, Sp. 661 bis 663)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Partiren, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) Für theilen; aus dem Latein. partiri. So wird in dem Salzwerke zu Halle die Sohle partiret, wenn sie in die Kothe vertheilet wird. 2) Betrügliche Kunstgriffe anwenden, durch betrügliche Kunstgriffe erhalten. Die Noth hat ihn partiren lehren, (gelehret,) Matthes. bey dem Frisch. Sich in einen Ort hinein partiren. Sich in jemandes Freundschaft partiren. Etwas heimlich wegpartiren. Sich wegpartiren, wegschleichen. Etwas verpartiren, heimlich verschleppen. Welche insgesammt nur in den niedrigen Sprecharten üblich sind, so wie die Abgeleiteten ein Partirer, eine Partirerinn, die Partirerey u. s. f. S. auch Partite.
   Anm. Frisch leitet es in dieser Bedeutung von dem Ital. barattare, entwenden, betriegen, her, Ihre aber von dem Schwed. Par, Holländ. Part, Betrug, Ränke; welche Ableitung allen Beyfall verdienete, wenn nur nicht die ausländische Endung -iren dawider wäre, und es überwiegend wahrscheinlich machte, daß partiren nur eine Figur von partiri, theilen, ist. Im Bergbaue werden diejenigen, welche die Kuxe verhandeln, im guten Verstande

[Bd. 3, Sp. 662]


Kux-Partirer genannt, ohne Zweifel, weil die solche einzeln verkaufen oder an Mann bringen. Im mittlern Latein. war Particus, soder, wie Grävius bey dem Isidor liefet, Particarius, ein Höke, welcher die Waaren einzeln mit Wucher verkauft. S. Adelung Partite.
 
Artikelverweis 
Der Partisān, des -es, plur. die -e, ein aus dem Franz. Partisan und Ital. Partigiano entlehntes, aber nur noch zuweilen im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Anhänger, welcher es mit jemandes Partey hält. 2) Ein Parteygänger, S. dieses Wort.
 
Artikelverweis 
Die Partisāne, plur. die -n, eine jetzt größten Theils veraltete Art des Gewehres, welches nur noch an einigen Höfen von den Trabanten zur Zierde geführet wird. Es war eine Art Spieße, welche unter dem eigentlichen Eisen zum Stechen noch eine Barte oder kleines zweyschneidiges Beil hatte, und oft mit der Hellebarte verwechselt wird, aber doch von derselben noch unterschieden gewesen zu seyn scheinet, welcher Unterschied von einigen in die mehrere Größe der Partisane, von andern aber in die zweyschneidige Beschaffenheit des unter dem eigentlichen Spieße befindlichen Eisens gesetzet wird. Der Nahme ist ausländisch, so wie das Gewehr selbst. Es lautet im Ital. Partigiana und im Franz. Pertuisane. Aus einem von beyden ist unser Partisane, so wie das Niederdeutsche Bardesan, das Engl. Partisan, und das Schwed. Bardisan, entlehnet. Im Epirotischen heißt dieses Gewehr Patereana. Die Abstammung dieses Wortes hat den Wortforschern viel zu schaffen gemacht. Die meisten haben doch erkannt, daß die erste Hälfte unser altes Barte, ein Beil, ist; obgleich auch dessen Stammwort, das alte und noch jetzt Schwedische bären, bärja, schlagen, streiten, Anspruch darauf machen kann, einige auch den Nahmen von dem Latein. pertusus ableiten. Wachter siehet das mittlere Latein. Barducium, welches durch hastile jaculum, securicula levis, erkläret wird, und wiederum von Barte abstammet, für das Stammwort an. Nach Ihre ist die letzte Hälfte das Wort eisen, Nieders. isen, so daß Partisane eigentlich eine eiserne Barte, oder wenn die erste Hälfte von bären, streiten, schlagen, abstammen sollte, eine Streitaxt bedeuten würde. Ist die letzte Abstammung die wahre, und stammt Hellebarte, wie Wachter will, von einem alten hellen, streiten, ab: so ist sehr wahrscheinlich, daß Partisane der ausländische, Hellebarte aber der Deutsche Nahme eines und eben desselben Gewehres ist. Denn aus der von Frischen angeführten Stelle aus dem Fronsperg folget noch nicht, daß beyde wirklich verschieden gewesen. S. Adelung Barte und Hellebarte.
 
Artikelverweis 
Die Partīte, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Eine Partey, eine Post, nur in einigen Oberdeutschen Gegenden; aus dem Ital. Partita. Eine Partite in das Schuldbuch tragen, eine Post. 2) Betrügliches Verfahren, heimliche, listige Ränke; Praktiken. Partiten machen oder spielen. Durch lauter Partiten reich werden. Opitz übersetzt das: Faciat tuus improba lucra maritus, durch: Partiten mache dann der Mann. Daher der Partitenmacher, die Partitenmacherinn, eine Person, welche mit Partiten umgehet. Im Ital. Partita, im mittlern Latein. Partitum, welches Du Fresne durch suffragationem quae secreto per calculos fit, erkläret, und ohne Zweifel mit partiren von einer noch unbekannten Bedeutung des Zeitwortes partiri in den mittlern Zeiten herstammet; vielleicht einzeln, theilweise wegnehmen, und hernach heimlich, unvermerkt wegstehlen. Wenigstens ist es wohl nicht, wie Frisch will, aus Praktiken verderbt.
 
Artikelverweis 
Die Parúcke, S. Perrucke.
 
Artikelverweis 
Die Parze, S. Adelung Parce.

[Bd. 3, Sp. 663]



 
Artikelverweis 
Parzen, verb. reg. reciproc. welches nur im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes üblich ist. Sich parzen, sich brüsten, sich stolz geberden. Es ist allem Ansehen nach das Intensivum von dem alten baren oder berden, geberden, für bardsen.
 
Artikelverweis 
Der Pásch, des -es, plur. die -e, ein nur in dem Würfelspiele übliches Wort, wo es einerley Zahl oder gleich viel Augen auf drey Würfeln bedeutet. Einen Pasch werfen. Frischens Ableitung von dem Paschafeste, weil die Kriegsknechte in der Woche vor Pasche um Christi Kleider gewürfelt, könnte wohl nicht seltsamer seyn. Da es eine gleiche Zahl bedeutet, so stammet es ohne Zweifel von dem noch Nieders. paß, gleiches Maß habend, und der Paß, das rechte Maß, her. S. diese Wörter und 1 Paschen.
 
Artikelverweis 
Das Páscha, das Osterfest, S. Adelung Passa.
 
Artikelverweis 
1. Páschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, mit Würfeln spielen, würfeln. Die ganze Nacht paschen. Von dem vorigen Worte Pasch.
 
Artikelverweis 
2. Páschen, verb. reg. act. welches vorzüglich in Oberdeutschland gebraucht wird, auf eine heimliche, verbothene Art handeln; doch nur von der heimlichen Einführung verbothener oder mit Abgaben belegter Waaren, welches eben daselbst auch schwärzen, im Niedersächs. aber smuggeln, genannt wird. Waaren in die Stadt paschen. Sie aus dem Lande paschen, heimlich mit Hintergehung der obrigkeitlichen Gefälle. Vermuthlich aus dem mittlern Lat. passare, entweder so fern es vorbey gehen, oder auch so fern es übertreten, Franz. outrepasser, bedeutet; oder auch von passen, lauern, wie schmuggeln von schmiegen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: