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Partēylich bis Parzen (Bd. 3, Sp. 660 bis 663)
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Artikelverweis  Partēylich, -er, -ste, adj. et adv. welches von einigen Neuern mit gutem Glücke eingeführet worden, den Übelklang des zischenden parteyisch zu vermeiden; im Gegensatze des unparteylich. Es wird in beyden Bedeutungen des vorigen Wortes gebraucht, besonders im Superlative. Das parteylichste Betragen, für das harte parteyischre.
 
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Die Partēylichkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da man parteylich oder parteyisch ist, in den beyden Bedeutungen des letztern Wortes, und ohne Plural. In engerer Bedeutung ist die Parteylichkeit die Fertigkeit, sich in dem Beurtheilen andrer, in seiner Neigung gegen sie, durch außerwesentliche Umstände bestimmen

[Bd. 3, Sp. 661]


zu lassen; im Gegensatze der Unparteylichkeit. Die Parteylichkeit eines Richters. Die Freundschaft, zu der wir von der Natur eingeladen werden, die so leicht Partheylichkeit (Parteylichkeit) des Herzens und wohl gar Selbstliebe wird, Gell. 2) Ein parteyliches Betragen in einzelnen Fällen.
 
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Partēylos, -er, -este, adj. et adv. welches für unparteyisch oder unparteylich in beyden Bedeutungen des Gegensatzes parteyisch üblich ist. Parteylos seyn, unparteyisch. Daher die Parteylosigkeit, plur. inus. die Unparteylichkeit.
 
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Die Partīe, (zweysylbig,) plur. die Partien, (dreysylbig,) ein gleichfalls aus dem Franz. Partie entlehntes Wort, welches in einigen Fällen für das gemeiner gewordene Partey gebraucht wird. 1. Mehrere Individua Einer Art, ohne Bestimmung der Menge oder Anzahl. Eine Partie Waaren. Eine Partie Obstbäume, Bücher u. s. f. Die Waaren nicht anders als in ganzen Partien verkaufen. Von einem unbestimmten Haufen mehrerer Menschen ist Partey üblicher, außer in einigen Zusammensetzungen. So sagt man für Freypartey, Jagdpartey u. s. f. auch häufig Freypartie, Jagdpartie. Auch ist Partie zuweilen noch ein Haufe mehrerer sich gemeinschaftlich erlustigender Personen. Daher sagt man Partie machen, mit von der Partie seyn, einer solchen Gesellschaft beytreten; welche Ausdrücke auch wohl in weiterm Verstande von dem Beytritte zu einer jeden gemeinschaftlichen Bemühung gebraucht werden. Besonders bedeutet dieses Wort in manchen Spielen, z. B. im Billiard, im Kegelspiele u. s. f. ein ganzes Spiel. Eine Partie Billiard, Kegel, spielen. 2. Ein Theil; doch nur in einigen Fällen. 1) Bey den Mahlern werden so wohl die einzelnen Theile einer Figur, als auch die einzelnen Theile eines ganzen Gemähldes Partien genannt. 2) Sehr häufig ist auch die Partie die Heirath in Ansehung der Glücksumstände einer oder beyder heirathenden Personen; wo man ehedem Partey sagte. Eine gute Partie thun oder treffen, reich oder vornehm heirathen. Sie hofft noch eine bessere Partie zu treffen. Wo auch wohl eine der beyden Personen eine Partie genannt wird; welches allem Ansehen nach die erste Bedeutung des Wortes in diesem Verstande ist, gleichsam einer von beyden Theilen. Der Eigennutz wird ihn nagen, da Julchen eine große Parthie (Partie) ist, Hermes.
   Anm. Partey und Partie sind beyde aus dem Franz. Partie; das letzte ist erst in den neuern Zeiten in einigen Bedeutungen eingeführet worden, um theils dem Französischen näher zu kommen, theils auch den unangenehmen Doppellaut ey zu vermeiden. Das h ist in diesem Worte eben so unnöthig als in Partey.
 
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Partiren, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) Für theilen; aus dem Latein. partiri. So wird in dem Salzwerke zu Halle die Sohle partiret, wenn sie in die Kothe vertheilet wird. 2) Betrügliche Kunstgriffe anwenden, durch betrügliche Kunstgriffe erhalten. Die Noth hat ihn partiren lehren, (gelehret,) Matthes. bey dem Frisch. Sich in einen Ort hinein partiren. Sich in jemandes Freundschaft partiren. Etwas heimlich wegpartiren. Sich wegpartiren, wegschleichen. Etwas verpartiren, heimlich verschleppen. Welche insgesammt nur in den niedrigen Sprecharten üblich sind, so wie die Abgeleiteten ein Partirer, eine Partirerinn, die Partirerey u. s. f. S. auch Partite.
   Anm. Frisch leitet es in dieser Bedeutung von dem Ital. barattare, entwenden, betriegen, her, Ihre aber von dem Schwed. Par, Holländ. Part, Betrug, Ränke; welche Ableitung allen Beyfall verdienete, wenn nur nicht die ausländische Endung -iren dawider wäre, und es überwiegend wahrscheinlich machte, daß partiren nur eine Figur von partiri, theilen, ist. Im Bergbaue werden diejenigen, welche die Kuxe verhandeln, im guten Verstande

[Bd. 3, Sp. 662]


Kux-Partirer genannt, ohne Zweifel, weil die solche einzeln verkaufen oder an Mann bringen. Im mittlern Latein. war Particus, soder, wie Grävius bey dem Isidor liefet, Particarius, ein Höke, welcher die Waaren einzeln mit Wucher verkauft. S. Adelung Partite.
 
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Der Partisān, des -es, plur. die -e, ein aus dem Franz. Partisan und Ital. Partigiano entlehntes, aber nur noch zuweilen im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Anhänger, welcher es mit jemandes Partey hält. 2) Ein Parteygänger, S. dieses Wort.
 
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Die Partisāne, plur. die -n, eine jetzt größten Theils veraltete Art des Gewehres, welches nur noch an einigen Höfen von den Trabanten zur Zierde geführet wird. Es war eine Art Spieße, welche unter dem eigentlichen Eisen zum Stechen noch eine Barte oder kleines zweyschneidiges Beil hatte, und oft mit der Hellebarte verwechselt wird, aber doch von derselben noch unterschieden gewesen zu seyn scheinet, welcher Unterschied von einigen in die mehrere Größe der Partisane, von andern aber in die zweyschneidige Beschaffenheit des unter dem eigentlichen Spieße befindlichen Eisens gesetzet wird. Der Nahme ist ausländisch, so wie das Gewehr selbst. Es lautet im Ital. Partigiana und im Franz. Pertuisane. Aus einem von beyden ist unser Partisane, so wie das Niederdeutsche Bardesan, das Engl. Partisan, und das Schwed. Bardisan, entlehnet. Im Epirotischen heißt dieses Gewehr Patereana. Die Abstammung dieses Wortes hat den Wortforschern viel zu schaffen gemacht. Die meisten haben doch erkannt, daß die erste Hälfte unser altes Barte, ein Beil, ist; obgleich auch dessen Stammwort, das alte und noch jetzt Schwedische bären, bärja, schlagen, streiten, Anspruch darauf machen kann, einige auch den Nahmen von dem Latein. pertusus ableiten. Wachter siehet das mittlere Latein. Barducium, welches durch hastile jaculum, securicula levis, erkläret wird, und wiederum von Barte abstammet, für das Stammwort an. Nach Ihre ist die letzte Hälfte das Wort eisen, Nieders. isen, so daß Partisane eigentlich eine eiserne Barte, oder wenn die erste Hälfte von bären, streiten, schlagen, abstammen sollte, eine Streitaxt bedeuten würde. Ist die letzte Abstammung die wahre, und stammt Hellebarte, wie Wachter will, von einem alten hellen, streiten, ab: so ist sehr wahrscheinlich, daß Partisane der ausländische, Hellebarte aber der Deutsche Nahme eines und eben desselben Gewehres ist. Denn aus der von Frischen angeführten Stelle aus dem Fronsperg folget noch nicht, daß beyde wirklich verschieden gewesen. S. Adelung Barte und Hellebarte.
 
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Die Partīte, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Eine Partey, eine Post, nur in einigen Oberdeutschen Gegenden; aus dem Ital. Partita. Eine Partite in das Schuldbuch tragen, eine Post. 2) Betrügliches Verfahren, heimliche, listige Ränke; Praktiken. Partiten machen oder spielen. Durch lauter Partiten reich werden. Opitz übersetzt das: Faciat tuus improba lucra maritus, durch: Partiten mache dann der Mann. Daher der Partitenmacher, die Partitenmacherinn, eine Person, welche mit Partiten umgehet. Im Ital. Partita, im mittlern Latein. Partitum, welches Du Fresne durch suffragationem quae secreto per calculos fit, erkläret, und ohne Zweifel mit partiren von einer noch unbekannten Bedeutung des Zeitwortes partiri in den mittlern Zeiten herstammet; vielleicht einzeln, theilweise wegnehmen, und hernach heimlich, unvermerkt wegstehlen. Wenigstens ist es wohl nicht, wie Frisch will, aus Praktiken verderbt.
 
Artikelverweis 
Die Parúcke, S. Perrucke.
 
Artikelverweis 
Die Parze, S. Adelung Parce.

[Bd. 3, Sp. 663]



 
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Parzen, verb. reg. reciproc. welches nur im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes üblich ist. Sich parzen, sich brüsten, sich stolz geberden. Es ist allem Ansehen nach das Intensivum von dem alten baren oder berden, geberden, für bardsen.

 

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