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Parten bis Partiren (Bd. 3, Sp. 659 bis 661)
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Artikelverweis Parten, verb. reg. act. et neutr. aus dem Lat. partiri, welches gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, wo es auf doppelte Art vorkommt. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Theil an etwas haben; in welchem Verstande auch anparten vorkommt. 2) Theilen; Nieders. parten, Holländ. parten.
 
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Das Partếrre, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Franz. Parterre. 1) In den Gärten sind Parterre Luststücke, welche in Felder von verschiedenen Figuren getheilet und mit Blumen, geschnittenen Taxusbäumen u. s. f. ausgezieret werden; das Luststück. 2) In einem Schauspielhause ist das Parterre der untere auf dem Fußboden des Gebäudes befindliche Platz für die Zuschauer; zum Unterschiede von den Logen und der Gallerie.
 
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Die Partēy, plur. die -en, ein aus dem Franz. Partie entlehntes Wort. 1. Mehrere Individua von Einer Art, obgleich von unbestimmter Menge oder Anzahl. 1) Überhaupt, von allen Arten von Körpern; wofür doch auch Partie jetzt üblicher ist. Eine Partey Waaren. Die Waaren nicht anders als in Parteyen verkaufen, nicht stückweise, sondern mehrere Stücke zusammen. Eine Partey oder Partie Menschen, Räuber, Zuschauer u. s. f. ein Haufe. 2) In engerer Bedeutung ist eine Partey ein Haufe mehrerer Menschen Einer Art; doch nur in einigen Fällen. (1) In vielen Fällen werden mehrere zu Einer Verrichtung gehörige Menschen eine Partey genannt. Die Jagdpartey, die zur Jagd oder Jägerey gehörigen Personen. Am kaiserlichen Hofe zu Wien sind die Rüdenpartey, Reiherpartey, Milanpartey, Krähenpartey, Revierpartey u. s. f. so viel besondere Haufen von Jagdbedienten. Im Kriegswesen ist eine Partey ein kleiner Haufe Truppen von unbestimmter Anzahl; ein Detaschement. Parteyen auf Kundschaft ausschicken. Streifende Parteyen. Daher die R. A. auf Partey ausgehen, ausziehen um Beute zu machen, auf Beutemachen ausgehen; auf Partey ausschicken. S. Adelung Parteygänger. (2) Mehrere gleich gesinnte Personen, im Gegensatze derer, welche entgegen gesetzte Gesinnungen hegen; wo es ein gelinder Ausdruck für Secte, Faction, Rotte u. s. f. ist. Eine Republik ist in Parteyen getheilet, wenn es mehrere Haufen widrig gesinnter Personen in derselben gibt. Die Stadt theilte sich in zwey Parteyen, in Ansehung der Gesinnungen. Die Französische Partey, welche es mit Frankreich hält, mit Frankreich gleich gesinnet ist. Jemandes Partey halten, von dessen

[Bd. 3, Sp. 660]


Partey seyn, es mit ihm halten, seine Handlungen und Gesinnung verfechten, seinen Nutzen zu befördern suchen. Können sie glauben, daß ich ihre Partey gegen meine Schwester habe halten müssen? Less. sie vertheidigen. Jemandes Partey nehmen, zu dessen Partey treten, dessen Partey ergreifen, sich zu dessen Partey schlagen. Jemanden auf seine Partey bringen, auf seine Seite. Es mit keiner Partey halten. Sich eine Partey machen, einen Anhang, welcher der Gesinnung oder Absicht anderer entgegen gesetzt ist. In einer Sache Partey nehmen, sich zu einer oder der andern Partey bekennen. Die Gegenpartey, die entgegen gesetzte Partey. In engerer Bedeutung ist eine Religions-Partey ein Haufe mehrerer Menschen, welche in Grundwahrheiten der Religion von andern abgehen. In diesem Verstande sind die Herrenhuther zwar eine Religions-Gesellschaft aber keine Religions-Partey. 2. In einigen Fällen werden auch einzelne Individua Parteyen genannt. Zwey Personen, welche einen Vertrag mit einander schließen, heißen die beyden contrahirenden Parteyen, noch besser aber die contrahirenden Theile. Besonders führen streitige Personen vor Gerichte den Nahmen der Parteyen; im Franz. Parties, im mittlern Latein. Parces. Die Parteyen vergleichen. Beyde Parteyen hören. Die Gegenpartey. Die klagende Partey, der Kläger, die beklagte Partey, der Beklagte. Von einer Person, welche man zu heirathen sucht oder geheirathet hat, ist Partie üblicher, S. dasselbe.
   Anm. Parthey, wie viele schreiben, hat nicht den geringsten scheinbaren Grund, weder in der Abstammung, noch in der Aussprache. Ehedem bedeutete es auch einen Streit, einen Zwist. Sie han ein klein parthey unnder in, im Theuerd. S. Adelung Part und Partie.
 
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Die Partēygänger, des -s, plur. ut nom. sing. im Kriegswesen, Soldaten, welche vornehmlich bestimmt sind, auf Partey auszugehen, d. i. dem Feinde durch Beutemachen zu schaden, wozu jetzt vornehmlich die leichten Truppen und besonders die Freybeuter oder Freypartien gebraucht werden. Auch der Anführer eines solchen Haufens, derselbe sey nun eine Compagnie oder ein Bataillon, führet den Nahmen eines Parteygängers. Ital. Partigiano. S. Adelung Partey 1. 2).
 
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Der Partēygeist, des -es, plur. inus. die ungeordnete Neigung, es mit einer von zwey oder mehr widrigen Parteyen zu halten, oder auch dergleichen Parteyen zu stiften.
 
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Partēyisch, -er, -te, adj. et adv. 1) Überhaupt, einer Partey zugethan, es mit einer von zwey oder mehr widrig gesinnten Parteyen haltend; im Gegensatze des parteylos oder unparteyisch. 2) In engerer Bedeutung ist man parteyisch, wenn man sich in der Beurtheilung andrer und in seiner Neigung gegen sie durch außerwesentliche Umstände leiten lässet; ingleichen in dieser Denkungsart gegründet. Beydes im Gegensatze des unparteyisch. Parteyisch seyn. Parteyisch handeln, urtheilen. Ein parteyischer Richter. Eine partheyische (parteyische) Empfehlung der Blutsfreunde, ist, sie mit dem gelindesten Nahmen zu belegen, ein frommer Betrug, Gell.
 
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Partēylich, -er, -ste, adj. et adv. welches von einigen Neuern mit gutem Glücke eingeführet worden, den Übelklang des zischenden parteyisch zu vermeiden; im Gegensatze des unparteylich. Es wird in beyden Bedeutungen des vorigen Wortes gebraucht, besonders im Superlative. Das parteylichste Betragen, für das harte parteyischre.
 
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Die Partēylichkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da man parteylich oder parteyisch ist, in den beyden Bedeutungen des letztern Wortes, und ohne Plural. In engerer Bedeutung ist die Parteylichkeit die Fertigkeit, sich in dem Beurtheilen andrer, in seiner Neigung gegen sie, durch außerwesentliche Umstände bestimmen

[Bd. 3, Sp. 661]


zu lassen; im Gegensatze der Unparteylichkeit. Die Parteylichkeit eines Richters. Die Freundschaft, zu der wir von der Natur eingeladen werden, die so leicht Partheylichkeit (Parteylichkeit) des Herzens und wohl gar Selbstliebe wird, Gell. 2) Ein parteyliches Betragen in einzelnen Fällen.
 
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Partēylos, -er, -este, adj. et adv. welches für unparteyisch oder unparteylich in beyden Bedeutungen des Gegensatzes parteyisch üblich ist. Parteylos seyn, unparteyisch. Daher die Parteylosigkeit, plur. inus. die Unparteylichkeit.
 
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Die Partīe, (zweysylbig,) plur. die Partien, (dreysylbig,) ein gleichfalls aus dem Franz. Partie entlehntes Wort, welches in einigen Fällen für das gemeiner gewordene Partey gebraucht wird. 1. Mehrere Individua Einer Art, ohne Bestimmung der Menge oder Anzahl. Eine Partie Waaren. Eine Partie Obstbäume, Bücher u. s. f. Die Waaren nicht anders als in ganzen Partien verkaufen. Von einem unbestimmten Haufen mehrerer Menschen ist Partey üblicher, außer in einigen Zusammensetzungen. So sagt man für Freypartey, Jagdpartey u. s. f. auch häufig Freypartie, Jagdpartie. Auch ist Partie zuweilen noch ein Haufe mehrerer sich gemeinschaftlich erlustigender Personen. Daher sagt man Partie machen, mit von der Partie seyn, einer solchen Gesellschaft beytreten; welche Ausdrücke auch wohl in weiterm Verstande von dem Beytritte zu einer jeden gemeinschaftlichen Bemühung gebraucht werden. Besonders bedeutet dieses Wort in manchen Spielen, z. B. im Billiard, im Kegelspiele u. s. f. ein ganzes Spiel. Eine Partie Billiard, Kegel, spielen. 2. Ein Theil; doch nur in einigen Fällen. 1) Bey den Mahlern werden so wohl die einzelnen Theile einer Figur, als auch die einzelnen Theile eines ganzen Gemähldes Partien genannt. 2) Sehr häufig ist auch die Partie die Heirath in Ansehung der Glücksumstände einer oder beyder heirathenden Personen; wo man ehedem Partey sagte. Eine gute Partie thun oder treffen, reich oder vornehm heirathen. Sie hofft noch eine bessere Partie zu treffen. Wo auch wohl eine der beyden Personen eine Partie genannt wird; welches allem Ansehen nach die erste Bedeutung des Wortes in diesem Verstande ist, gleichsam einer von beyden Theilen. Der Eigennutz wird ihn nagen, da Julchen eine große Parthie (Partie) ist, Hermes.
   Anm. Partey und Partie sind beyde aus dem Franz. Partie; das letzte ist erst in den neuern Zeiten in einigen Bedeutungen eingeführet worden, um theils dem Französischen näher zu kommen, theils auch den unangenehmen Doppellaut ey zu vermeiden. Das h ist in diesem Worte eben so unnöthig als in Partey.
 
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Partiren, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) Für theilen; aus dem Latein. partiri. So wird in dem Salzwerke zu Halle die Sohle partiret, wenn sie in die Kothe vertheilet wird. 2) Betrügliche Kunstgriffe anwenden, durch betrügliche Kunstgriffe erhalten. Die Noth hat ihn partiren lehren, (gelehret,) Matthes. bey dem Frisch. Sich in einen Ort hinein partiren. Sich in jemandes Freundschaft partiren. Etwas heimlich wegpartiren. Sich wegpartiren, wegschleichen. Etwas verpartiren, heimlich verschleppen. Welche insgesammt nur in den niedrigen Sprecharten üblich sind, so wie die Abgeleiteten ein Partirer, eine Partirerinn, die Partirerey u. s. f. S. auch Partite.
   Anm. Frisch leitet es in dieser Bedeutung von dem Ital. barattare, entwenden, betriegen, her, Ihre aber von dem Schwed. Par, Holländ. Part, Betrug, Ränke; welche Ableitung allen Beyfall verdienete, wenn nur nicht die ausländische Endung -iren dawider wäre, und es überwiegend wahrscheinlich machte, daß partiren nur eine Figur von partiri, theilen, ist. Im Bergbaue werden diejenigen, welche die Kuxe verhandeln, im guten Verstande

[Bd. 3, Sp. 662]


Kux-Partirer genannt, ohne Zweifel, weil die solche einzeln verkaufen oder an Mann bringen. Im mittlern Latein. war Particus, soder, wie Grävius bey dem Isidor liefet, Particarius, ein Höke, welcher die Waaren einzeln mit Wucher verkauft. S. Adelung Partite.

 

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