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Parmesān-Käse bis Partēylichkeit (Bd. 3, Sp. 658 bis 660)
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Artikelverweis Der Parmesān-Käse, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art wohl schmeckender Käse, welcher von der Stadt Parma in der Lombardey seinen Nahmen hat. Indessen macht man ihn daselbst nicht allein, sondern in dem ganzen Herzogthum Mailand, besonders in der Gegend von Lodi.
 
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Die Parōle, plur. die -n, aus dem Franz. Parole, das Wort, besonders im Kriegswesen, dasjenige Wort, woran sich die Wachen, Posten, Befehl und Wache habenden Officiers erkennen; die Losung, zum Unterschiede von dem Feldgeschreye, woran sich die

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Parteyen im Felde erkennen. Auf den Feldwachen werden Parole und Feldgeschrey zugleich, auf andern Wachen aber nur die Parole allein ausgegeben.
 
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Der Part, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Part, ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Theil eines Ganzen, oder mehrerer als ein Ganzes betrachteter Dinge Einer Art. Die Waaren in sechs Parte theilen, in sechs Theile. Der Erbpart, das Erbtheil. Besonders der Antheil. Part an etwas haben, Antheil. In Niedersachsen wird der Antheil, welchen jemand an einem gebaueten und ausgerüsteten Schiffe hat, der Part genannt. 1/4 Part, 1/6 Part, 1/8 Part u. s. f. der so vielste Antheil an den sämmtlichen Kosten eines erbaueten Schiffes. Ich für meinen Part, im gemeinen Leben, für meinen Theil, was mich betrifft. Jemanden Part von etwas geben, ihn davon benachrichtigen, in den niedrigen Sprecharten. 2) Ein oder mehrere mit andern streitige Personen, besonders in den Rechten. Der eine Part, der andere Part. Der Gegenpart, der Widerpart. In der bessern Sprechart ist dafür Partey, und in der anständigern Theil, und für Gegenpart Gegner und Gegentheil üblich. S. Adelung Partey. In beyden Bedeutungen ist es in einigen Gegenden sächlichen Geschlechtes, das Part, am häufigsten aber männlichen, wie das Franz. Part, aus welchem es entlehnet worden, obgleich die Aussprache völlig Deutsch ist.
 
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Parten, verb. reg. act. et neutr. aus dem Lat. partiri, welches gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, wo es auf doppelte Art vorkommt. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Theil an etwas haben; in welchem Verstande auch anparten vorkommt. 2) Theilen; Nieders. parten, Holländ. parten.
 
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Das Partếrre, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Franz. Parterre. 1) In den Gärten sind Parterre Luststücke, welche in Felder von verschiedenen Figuren getheilet und mit Blumen, geschnittenen Taxusbäumen u. s. f. ausgezieret werden; das Luststück. 2) In einem Schauspielhause ist das Parterre der untere auf dem Fußboden des Gebäudes befindliche Platz für die Zuschauer; zum Unterschiede von den Logen und der Gallerie.
 
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Die Partēy, plur. die -en, ein aus dem Franz. Partie entlehntes Wort. 1. Mehrere Individua von Einer Art, obgleich von unbestimmter Menge oder Anzahl. 1) Überhaupt, von allen Arten von Körpern; wofür doch auch Partie jetzt üblicher ist. Eine Partey Waaren. Die Waaren nicht anders als in Parteyen verkaufen, nicht stückweise, sondern mehrere Stücke zusammen. Eine Partey oder Partie Menschen, Räuber, Zuschauer u. s. f. ein Haufe. 2) In engerer Bedeutung ist eine Partey ein Haufe mehrerer Menschen Einer Art; doch nur in einigen Fällen. (1) In vielen Fällen werden mehrere zu Einer Verrichtung gehörige Menschen eine Partey genannt. Die Jagdpartey, die zur Jagd oder Jägerey gehörigen Personen. Am kaiserlichen Hofe zu Wien sind die Rüdenpartey, Reiherpartey, Milanpartey, Krähenpartey, Revierpartey u. s. f. so viel besondere Haufen von Jagdbedienten. Im Kriegswesen ist eine Partey ein kleiner Haufe Truppen von unbestimmter Anzahl; ein Detaschement. Parteyen auf Kundschaft ausschicken. Streifende Parteyen. Daher die R. A. auf Partey ausgehen, ausziehen um Beute zu machen, auf Beutemachen ausgehen; auf Partey ausschicken. S. Adelung Parteygänger. (2) Mehrere gleich gesinnte Personen, im Gegensatze derer, welche entgegen gesetzte Gesinnungen hegen; wo es ein gelinder Ausdruck für Secte, Faction, Rotte u. s. f. ist. Eine Republik ist in Parteyen getheilet, wenn es mehrere Haufen widrig gesinnter Personen in derselben gibt. Die Stadt theilte sich in zwey Parteyen, in Ansehung der Gesinnungen. Die Französische Partey, welche es mit Frankreich hält, mit Frankreich gleich gesinnet ist. Jemandes Partey halten, von dessen

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Partey seyn, es mit ihm halten, seine Handlungen und Gesinnung verfechten, seinen Nutzen zu befördern suchen. Können sie glauben, daß ich ihre Partey gegen meine Schwester habe halten müssen? Less. sie vertheidigen. Jemandes Partey nehmen, zu dessen Partey treten, dessen Partey ergreifen, sich zu dessen Partey schlagen. Jemanden auf seine Partey bringen, auf seine Seite. Es mit keiner Partey halten. Sich eine Partey machen, einen Anhang, welcher der Gesinnung oder Absicht anderer entgegen gesetzt ist. In einer Sache Partey nehmen, sich zu einer oder der andern Partey bekennen. Die Gegenpartey, die entgegen gesetzte Partey. In engerer Bedeutung ist eine Religions-Partey ein Haufe mehrerer Menschen, welche in Grundwahrheiten der Religion von andern abgehen. In diesem Verstande sind die Herrenhuther zwar eine Religions-Gesellschaft aber keine Religions-Partey. 2. In einigen Fällen werden auch einzelne Individua Parteyen genannt. Zwey Personen, welche einen Vertrag mit einander schließen, heißen die beyden contrahirenden Parteyen, noch besser aber die contrahirenden Theile. Besonders führen streitige Personen vor Gerichte den Nahmen der Parteyen; im Franz. Parties, im mittlern Latein. Parces. Die Parteyen vergleichen. Beyde Parteyen hören. Die Gegenpartey. Die klagende Partey, der Kläger, die beklagte Partey, der Beklagte. Von einer Person, welche man zu heirathen sucht oder geheirathet hat, ist Partie üblicher, S. dasselbe.
   Anm. Parthey, wie viele schreiben, hat nicht den geringsten scheinbaren Grund, weder in der Abstammung, noch in der Aussprache. Ehedem bedeutete es auch einen Streit, einen Zwist. Sie han ein klein parthey unnder in, im Theuerd. S. Adelung Part und Partie.
 
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Die Partēygänger, des -s, plur. ut nom. sing. im Kriegswesen, Soldaten, welche vornehmlich bestimmt sind, auf Partey auszugehen, d. i. dem Feinde durch Beutemachen zu schaden, wozu jetzt vornehmlich die leichten Truppen und besonders die Freybeuter oder Freypartien gebraucht werden. Auch der Anführer eines solchen Haufens, derselbe sey nun eine Compagnie oder ein Bataillon, führet den Nahmen eines Parteygängers. Ital. Partigiano. S. Adelung Partey 1. 2).
 
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Der Partēygeist, des -es, plur. inus. die ungeordnete Neigung, es mit einer von zwey oder mehr widrigen Parteyen zu halten, oder auch dergleichen Parteyen zu stiften.
 
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Partēyisch, -er, -te, adj. et adv. 1) Überhaupt, einer Partey zugethan, es mit einer von zwey oder mehr widrig gesinnten Parteyen haltend; im Gegensatze des parteylos oder unparteyisch. 2) In engerer Bedeutung ist man parteyisch, wenn man sich in der Beurtheilung andrer und in seiner Neigung gegen sie durch außerwesentliche Umstände leiten lässet; ingleichen in dieser Denkungsart gegründet. Beydes im Gegensatze des unparteyisch. Parteyisch seyn. Parteyisch handeln, urtheilen. Ein parteyischer Richter. Eine partheyische (parteyische) Empfehlung der Blutsfreunde, ist, sie mit dem gelindesten Nahmen zu belegen, ein frommer Betrug, Gell.
 
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Partēylich, -er, -ste, adj. et adv. welches von einigen Neuern mit gutem Glücke eingeführet worden, den Übelklang des zischenden parteyisch zu vermeiden; im Gegensatze des unparteylich. Es wird in beyden Bedeutungen des vorigen Wortes gebraucht, besonders im Superlative. Das parteylichste Betragen, für das harte parteyischre.
 
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Die Partēylichkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da man parteylich oder parteyisch ist, in den beyden Bedeutungen des letztern Wortes, und ohne Plural. In engerer Bedeutung ist die Parteylichkeit die Fertigkeit, sich in dem Beurtheilen andrer, in seiner Neigung gegen sie, durch außerwesentliche Umstände bestimmen

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zu lassen; im Gegensatze der Unparteylichkeit. Die Parteylichkeit eines Richters. Die Freundschaft, zu der wir von der Natur eingeladen werden, die so leicht Partheylichkeit (Parteylichkeit) des Herzens und wohl gar Selbstliebe wird, Gell. 2) Ein parteyliches Betragen in einzelnen Fällen.

 

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