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Paradīes bis Paradóx (Bd. 3, Sp. 656 bis 657)
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Artikelverweis Das Paradīes, des -es, plur. die -e, Diminut. das Paradieschen, Oberd. das Paradieslein. 1. Eigentlich, die anfängliche Wohnung der ersten Menschen, welche als ein überaus angenehmer Ort beschrieben wird, und im ersten Buche Mosis der Garten in Eden, der Garten Eden heißt. 2. Figürlich. 1) Ein höchst angenehmer Ort, eine überaus anmuthige Gegend. Sehen sie, wie ich mir meine Einöde zu einem Paradiese zu machen weiß. 2) Der Aufenthalt der Seligen nach diesem Leben, die himmlische Glückseligkeit in dem unmittelbaren Genusse Gottes; in welchem Verstande es schon in der Deutschen Bibel vorkommt.
   Anm. Schon im Isidor und bey dem Ottfried Paradis, nach dem Griech. und Latein. παραδεισος, Paradisus, welches Wort, so Griechisch es auch aussiehet, dennoch aus dem Morgenländischen herzustammen scheinet, weil das Paradies auch im Persischen Fardeus heißt, und die Überlieferung von dem Paradiese der ersten Menschen bey allen alten Völkern angetroffen wird. Ottfried nennet dieses Paradies auch Wunnisam feld, Notker und andere alte Schriftsteller aber Vunno gartin, Wonnegarten, und Ziergarten, wofür es an einem Orte bey dem Notker, vermuthlich nach einer falschen Leseart, Zartkartin heißt. Ehedem wurde auch die Halle vor den großen Stiftskirchen Paradisus, Paravisus, Franz. Parvis, Deutsch auch Perdīs genannt; nicht, wie Frisch will, weil insgemein Adam und Eva im Paradiese daselbst abgebildet wurden, sondern von dem Griech. παραδεισος, welches Hesychius durch τοπον εν τω περιπατοι erkläret. Die folgenden Zusammensetzungen haben dieses Wort theils wegen ihrer angenehmen Beschaffenheit erhalten, theils gründen sie sich auf eine alte Überlieferung, daß dieses oder jenes Ding in dem Paradiese der ersten Menschen befindlich gewesen sey.
 
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Der Paradiesapfel, des -s, plur. die -äpfel. 1) Eine Art schmackhafter rother oder auch weißer Äpfel, deren Bäume niedrig bleiben und oft nur einige Schuh hoch werden, wenig Holz haben, aber desto mehr Früchte tragen; Pyrus Malus pumila Mill. Weil besonders die weißen früh reif werden, so werden sie auch Johannisäpfel genannt. 2) Eine Art Citronen, S. Adams-Apfel.
 
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Der Paradiesbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden ein Nahme des wilden Öhlbaumes, Elaeagnus angustifolia

[Bd. 3, Sp. 657]


L. weil seine gelben Blumen im Frühlinge einen angenehmen Geruch weit um sich her verbreiten.
 
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Die Paradiesfeige, plur. die -n, die eßbare weiße und mehlartige Frucht einer Art der Muse, welche in Ostindien einheimisch ist und bey uns nur in den Gewächshäusern gefunden wird, und dieses Gewächs selbst; Musa paradisiaca L. Die Frucht, welche wie ein halber Mond gekrümmet ist, wird von einigen für die verbothene Frucht im Paradiese gehalten, wie sich denn auch Adam mit den großen Blättern dieses Gewächses nach dem Falle bedeckt haben soll; eine Überlieferung, welche diesem Gewächse den Nahmen einer Feige erworben hat.
 
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Der Paradieshäher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Paradiesvogel.
 
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Das Paradiesholz, des -es, plur. inus. S. Adelung Aloe 1.
 
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Paradiesisch, adj. et adv. dem Paradiese oder anfänglichen Aufenthalte der ersten Menschen ähnlich, im höchsten Grade angenehm und schön.
   Mit dir stieg für mich
   Ein paradiesisch Glück am Horizont herauf,
   Gieseke.
 
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Das Paradieskorn, des -es, plur. die -körner, die dem Pfeffer ähnlichen gewürzhaften Samenkörner einer Art des Cardamomes, welche in Madagaskar und Guinea einheimisch ist, und die so wohl als eine Arzeney, als auch als ein Gewürz gebraucht werden, und die Pflanze, welche sie trägt; Amomum Grana Paradisi L.
 
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Der Paradiespapagey, des -es, plur. die -e, eine Art Papageye aus Cuba, welche blaßgelb sind und einen rothen Hals und Bauch haben; Psittacus Paradisi Klein.
 
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Der Paradiesvogel, des -s, plur. die -vögel, eine Art Waldvögel, welche nach dem Klein zu den Hähern gehöret, deren Schnabel halb mit zarten, weichen Flaumfedern bedeckt ist. Der Schwanz bestehet aus sehr langen Federn; dieser, die Brust und der Unterleib sind roth, die Kehle lasurblau, das übrige aber gelb; Paradisea L. Pica Paradisi Klein. bey andern Manucodiata, bey einigen Deutschen Schriftstellern Paradieshäher. Weil die Indianer ihm die Füße abzuschneiden, ihn auszustopfen und auf ihren Mützen zu tragen pflegen, so ist daher die Fabel entstanden, daß er keine Füße habe. Er ist in Ostindien einheimisch; ehedem aber glaubte man, daß er sich in dem ehemahligen Paradiese aufhalte. Der Paradiesvogelkönig ist eine Art dieser Vögel, nur daß er weit größer ist. Einige Schriftsteller, z. B. Seba, nennen alle Vögel mit langen Schwänzen Paradiesvögel; z. B. den morgenländischen Schwarzkamm, Upupa Manucodiata Klein. welcher eine Art Wiedehopfe ist.
 
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Paradóx, -er, -este, adj. et adv. einer allgemein angenommenen Meinung entweder wirklich, oder nur zum Scheine widersprechend, wobey es doch unentschieden bleibt, ob die allgemeine Meinung wahr oder falsch ist; aus dem Griech. und Latein paradoxus.

 

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