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Pǟpstlich bis Paradieshäher (Bd. 3, Sp. 655 bis 657)
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Artikelverweis  Pǟpstlich, adj. et adv. dem Papste ähnlich, ihm gehörig, in dessen Würde gegründet. Die päpstliche Würde. Die päpstliche Krone. Seine päpstliche Heiligkeit. Die päpstliche Gewalt. Der päpstliche Nuntius. Eine päpstliche Bulle.
 
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Die Pāpstmütze, plur. die -n, eigentlich eine zugespitzte Mütze, welche die Päpste als ein Ehrenzeichen ihrer Würde bey feyerlichen Gelegenheiten zu tragen pflegen. Figürlich, eine Art Schnecken mit regelmäßig gewundenen Häusern, welcher in den Muschelsammlungen nächst den beyden Admiralen der größte Werth beygeleget wird, und welche auch die Bischofsmütze heißt; Voluta Mitra L.
 
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Das Pāpstthum, des -es, plur. inus. 1) * Die päpstliche Würde; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch im Oberdeutschen vorkommt. Zum Papstthum gelangen. Unter dem Papstthume Innocentii X, unter dessen päpstlichen Regierung. 2) Diejenige Religion, in welcher der Papst zu Rom für das sichtbare Oberhaupt der Kirche erkannt wird, die Römische Religion, die Römische oder Römisch-katholische Kirche; doch nur im harten und verächtlichen Verstande. Nieders. Pausdoom.
 
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Die Pāpstwiede, oder Pāpstweide, plur. die -n, eine im gemeinen Leben übliche Benennung, 1) des Vogelkirschbaumes oder Stinkbaumes, Prunus Padus L. welcher auch Elsebeere, Hohlkirsche, Papstbaum, und mit einem vermuthlich Wendischen

[Bd. 3, Sp. 656]


Worte auch Patscherpe genannt, S. das letztere. 2) Des Schlingbaumes oder Mehlbaumes, Viburnum Lantana L. welcher im gemeinen Leben gleichfalls Patscherpe genannt wird. In beyden Fällen ist der Grund der Benennung unbekannt.
 
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Par, Parenu. s. f. S. Adelung Paar.
 
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Die Parāde, plur. die -n, aus dem Franz. Parade, und dieß von dem mittlern Lat. Parata. 1) Der Staat, d. i. das feyerliche Gepränge, besonders in Ansehung der Kleider und des Hausgeräthes; ohne Plural. Etwas zur Parade haben, zum Staate. Parade mit etwas machen, Staat. Das dient zur Parade, aber nicht zum Nutzen. In Parade erscheinen, in festlicher Kleidung, in feyerlichem Gepränge. Daher denn dieses Wort mit allen Hauptwörtern zusammen gesetzet wird, welche zur Parade, d. i. zum Staate, bestimmt sind, wofür in vielen Fällen auch das mehr Deutsche Pracht gebraucht werden kann. Das Paradebett, das Prachtbett; das Parade-Pferd, Parade-Zimmer, Parade-Kleid u. s. f. 2) Ein Aufzug in festlicher Kleidung; in welchem Verstande es nur im Kriegswesen üblich ist, wo die Parāde, der feyerliche Aufzug der Soldaten in ihrer besten Kleidung ist. Bey der Parade erscheinen. Daher denn auch die auf solche Art auf die Wache ziehenden Soldaten die Wach-Parade oder auch nur die Parade schlechthin genannt werden, in welchem einigen Falle auch der Plural Statt findet. Daher der Parade-Platz, des -es, plur. die -Plätze, derjenige Platz, auf welchem die Soldaten auf solche Art aufziehen.
 
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Das Paradīes, des -es, plur. die -e, Diminut. das Paradieschen, Oberd. das Paradieslein. 1. Eigentlich, die anfängliche Wohnung der ersten Menschen, welche als ein überaus angenehmer Ort beschrieben wird, und im ersten Buche Mosis der Garten in Eden, der Garten Eden heißt. 2. Figürlich. 1) Ein höchst angenehmer Ort, eine überaus anmuthige Gegend. Sehen sie, wie ich mir meine Einöde zu einem Paradiese zu machen weiß. 2) Der Aufenthalt der Seligen nach diesem Leben, die himmlische Glückseligkeit in dem unmittelbaren Genusse Gottes; in welchem Verstande es schon in der Deutschen Bibel vorkommt.
   Anm. Schon im Isidor und bey dem Ottfried Paradis, nach dem Griech. und Latein. παραδεισος, Paradisus, welches Wort, so Griechisch es auch aussiehet, dennoch aus dem Morgenländischen herzustammen scheinet, weil das Paradies auch im Persischen Fardeus heißt, und die Überlieferung von dem Paradiese der ersten Menschen bey allen alten Völkern angetroffen wird. Ottfried nennet dieses Paradies auch Wunnisam feld, Notker und andere alte Schriftsteller aber Vunno gartin, Wonnegarten, und Ziergarten, wofür es an einem Orte bey dem Notker, vermuthlich nach einer falschen Leseart, Zartkartin heißt. Ehedem wurde auch die Halle vor den großen Stiftskirchen Paradisus, Paravisus, Franz. Parvis, Deutsch auch Perdīs genannt; nicht, wie Frisch will, weil insgemein Adam und Eva im Paradiese daselbst abgebildet wurden, sondern von dem Griech. παραδεισος, welches Hesychius durch τοπον εν τω περιπατοι erkläret. Die folgenden Zusammensetzungen haben dieses Wort theils wegen ihrer angenehmen Beschaffenheit erhalten, theils gründen sie sich auf eine alte Überlieferung, daß dieses oder jenes Ding in dem Paradiese der ersten Menschen befindlich gewesen sey.
 
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Der Paradiesapfel, des -s, plur. die -äpfel. 1) Eine Art schmackhafter rother oder auch weißer Äpfel, deren Bäume niedrig bleiben und oft nur einige Schuh hoch werden, wenig Holz haben, aber desto mehr Früchte tragen; Pyrus Malus pumila Mill. Weil besonders die weißen früh reif werden, so werden sie auch Johannisäpfel genannt. 2) Eine Art Citronen, S. Adams-Apfel.
 
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Der Paradiesbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden ein Nahme des wilden Öhlbaumes, Elaeagnus angustifolia

[Bd. 3, Sp. 657]


L. weil seine gelben Blumen im Frühlinge einen angenehmen Geruch weit um sich her verbreiten.
 
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Die Paradiesfeige, plur. die -n, die eßbare weiße und mehlartige Frucht einer Art der Muse, welche in Ostindien einheimisch ist und bey uns nur in den Gewächshäusern gefunden wird, und dieses Gewächs selbst; Musa paradisiaca L. Die Frucht, welche wie ein halber Mond gekrümmet ist, wird von einigen für die verbothene Frucht im Paradiese gehalten, wie sich denn auch Adam mit den großen Blättern dieses Gewächses nach dem Falle bedeckt haben soll; eine Überlieferung, welche diesem Gewächse den Nahmen einer Feige erworben hat.
 
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Der Paradieshäher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Paradiesvogel.

 

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