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Papieröhl bis 1. Die Pappel (Bd. 3, Sp. 651 bis 653)
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Artikelverweis Das Papieröhl, des -es, plur. inus. eine braune einem Öhle ähnliche Feuchtigkeit, welche zurück bleibt, wenn man reines Papier auf einem zinnernen Teller verbrennet.
 
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Die Papierschêre, plur. die -n, eine lange Schere, Papier damit zu schneiden, und besonders zu beschneiden.
 
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Der Papierschirm, des -es, plur. die -e, bey den Kupferstechern, ein mit Papier überzogener Rahm, hinter welchem man das Auge wider die Blendung des Sonnenlichtes verbirgt.
 
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Die Papierstaude, plur. die -n, ein Staudengewächs, welches in Ägypten in und am Nil sehr häufig wächset, und aus dessen Rinde oder vielmehr Haut die älteste und erste Art des Papieres

[Bd. 3, Sp. 652]


verfertiget wurde, welches daher auch seinen Nahmen bekommen hat. Im Griech. παπυρος, bey dem Plinius Papyrus.
 
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Der Papiertorf, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art lockern Torfes, welcher aus dünnen dem Papiere ähnlichen Blättern bestehet; der Blättertorf.
 
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Der Papíst, des -es, plur. die -en, Fämin. die Papístinn, ein nur in der harten und verächtlichen Sprechart übliches Wort, ein Glied der Römischen Kirche, einen Römisch-Katholischen zu bezeichnen; eigentlich ein Anhänger des Papstes, wofür ehedem auch das Wort Päpstler üblich war, und es zum Theile noch ist.
 
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Die Papisterēy, plur. inus. gleichfalls nur im harten und verächtlichen Verstande, die ganze Römisch-katholische Religion, so fern dieselbe großen Theils auf der Willkühr ihres sichtbaren Oberhauptes, des Papstes, beruhet; das Papstthum, ehedem die Päpstlerey, Ital. Papisteria, Paperia.
 
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Papístisch, adj. et adv. zum Papstthum, d. i. zur Römischen Kirche gehörig, derselben ähnlich, in derselben gegründet; gleichfalls nur im harten und verächtlichen Verstande für das anständigere katholisch, Römisch-katholisch, oder auch nur Römisch schlechthin. Die papistische Religion. Papistische Grundsätze. Papistische Gebräuche. Ehedem auch Päpstisch oder Pabstisch. Allein für, dem Papste gehörig, in dessen Würde gegründet, von ihn herkommend, die papistischen Länder, die papistische Würde, ist es völlig veraltet, indem dafür jetzt päpstlich üblich ist.
 
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Die Pappe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n. 1) Ein dicker Brey, vorzüglich im gemeinen Leben. So wird der dickliche Mehlbrey, womit man Kinder zu nähren pflegt, ehe sie Zähne bekommen, und welcher auch Muß heißt, Kinderpappe, Mehlpappe, und nur Pappe schlechthin genannt. Dem Kinde Pappe einstreichen. Bey den Buchbindern und einigen andern Handwerkern ist die Pappe ein dicker Brey von groben Mehle, welcher statt des Kleisters gebraucht wird; Buchbinderpappe. S. Pappen. Im Schiffsbaue ist die Pappe oder der Papp eine Art der Schiffstheerung, um die Schiffe auf weiten Reisen vor den Seewürmern zu verwahren, da er denn aus Harz, Talg, Schwefel, Thran und gestoßenem Glase zusammen gesetzet wird. 2) Mehrere bis zu einer gewissen Dicke zusammen gepappte oder gekleisterte Blätter Papier. Pappe machen, mehrere Blätter Papier zusammen pappen, um diese dicke Masse hervor zu bringen. Jetzt wird diese Pappe ohne Pappe und Kleister sogleich auf den Papiermühlen aus einer schlechtern Papiermasse verfertiget. Ein Buch in Pappe binden, ein Bogen, ein Stück Pappe. Bey den Buchbindern ist dafür auch Pappendeckel üblich, welches so wohl collective für Pappe, als auch von einzelnen Stücken und Bogen Pappe gebraucht wird.
   Anm. So fern dieses Wort Brey bedeutet, lautet es in einigen niedrigen Mundarten auch Päppe. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Papp. Das Ital. Pappa, das Engl. Pap, das Latein. Pappa bey dem Varro, bedeuten gleichfalls Brey, besonders aber Kinderbrey. Es kann seyn, daß dieses Wort aus der Sprache lallender Kinder entlehnet worden, welchen die Sylbe ba, bab, pap am leichtesten auszusprechen sind, daher sie auch alle ihnen besonders wichtigen Gegenstände damit zu nennen pflegen. S. auch Papa. Es kann aber auch seyn, daß es den Laut nachahmet, welchen ein zahnloser Mund bey dem Essen des Breyes und anderer weichen Speisen von sich gibt. S. Pappen. Im Niederdeutschen und einigen andern Mundarten lautet dieses Wort mit dem eingeschalteten verwandten m Pampe, Pimpe, S. Schlampampen.
 
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Der Pappeband, des -es, plur. die -bände, der Einband eines Buches, so fern er aus bloßer Pappe bestehet. Ingleichen ein auf solche Art eingebundenes Buch.

[Bd. 3, Sp. 653]



 
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1. Die Pappel, plur. die -n, ein Nahme verschiedener Pflanzen. 1) Des Eibisches, Althea officinalis L. welcher zum Unterschiede von den folgenden Arten wilde Pappel und weiße Pappel genannt wird, und filzige, breite zugespitzte Blätter und einen platten runden Samen hat. 2) Ein anderes ähnliches Gewächs eben dieser Classe, welches auch unter dem Nahmen des Siegmarskrautes bekannt ist, Alcea L. wird sehr häufig nur Pappel schlechthin genannt. Die Rosenpappel, Alcea rosea, ist eine Art derselben. Noch häufiger führet, 3) diesen Nahmen eine andere Pflanze dieser Classe, welche auch Malve heißt, Malva L. und von welcher es verschiedene Arten gibt, worunter doch nur die Graspappel, Käsepappel, Gänsepappel oder Hasenpappel, Malva rotundifolia L. die Waldpappel, Malva sylvestris L. und die weiße Pappel oder das Siegmarskraut, Malva Alcea L. bey uns einheimisch sind. Sie wird auch Pappelkraut, und schon in den Monseeischen Glossen Papulla genannt. Die Gartenpappel der Gärtner ist, so wie die krause Pappel, oder Römische Pappel, vermuthlich auch eine Art derselben. 4) Die Sammtpappel der neuern Pflanzenkenner ist eine Ostindische Pflanze, von welcher es mehrere Arten gibt; Sida L. 5) Roßpappel ist ein Nahme, welchen in einigen Gegenden auch die Pestilenzwurz oder Schweißwurzel führet; Tussilago Petasites L. Und endlich, 6) führen auch die ausländischen Arten des Eibisches, Hibiscus L. den Nahmen der Pappeln, wohin besonders der Syrische Eibisch, Hibiscus Syriacus, gehöret, welcher baumartig ist, und daher auch Syrischer Pappelbaum genannt wird.
   Anm. Da alle diese Pflanzen oder doch wenigstens die meisten und eigentlichsten derselben weiche wollige Blätter haben, so scheinet auch darin der Grund ihrer Benennung zu liegen; zumahl da der Latein. Nahme Malva und Griech. μαλαχ gleichfalls die Ableitung von mollis, weich, molsch, vertragen. Aber auch der runde, großkörnige, platt gedruckte Same, welchen die meisten dieser Pflanzen haben, und welcher im gemeinen Leben Pappelkäse genannt wird, kann eine bequeme Ableitung an die Hand geben, da denn dieses Wort ein Geschlechtsverwandter von dem Latein. Papa, Papilla, Papula, Faba, von dem Schwed. Papp, die Brustwarze, von dem Oberd. Pfebe, von dem gemeinen Nahmen der Hahnbutten, Wiepen, u. a. m. seyn und eigentlich den Samen dieser Gewächse bezeichnen würde. Man müßte denn lieber annehmen wollen, daß diese Gewächse wegen der Ähnlichkeit ihrer rauchen wolligen Blätter mit den Blättern des folgenden Baumes so benannt worden.

 

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