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Panīer bis Panthēre (Bd. 3, Sp. 644 bis 645)
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Artikelverweis Das Panīer, des -es, oder -s, plur. die -e, ein Wort, welches ehedem die Hauptfahne bey einem Kriegsheere oder einem Haufen desselben bezeichnete, jetzt aber nur noch in der biblischen und dichterischen Schreibart für Banier gebraucht wird; welches letztere der Abstammung gemäßer seyn würde, von dem Französ. Banniere, Ital. Bandiera, mittlere Lat. Banderia, alle von Bandum, eine Fahne, und dieß von Band. Die Kinder Israel sollen sich lagern, ein jeglicher in sein Lager (in seinem Lager) und bey das (dem) Panier seiner Schaar, 4 Mos. 1, 52. Gegen Abend soll liegen das Gezelt und Panier Ephraim mit ihrem Heer, Kap. 2, 18. Im Nahmen unsers Gottes werfen wir Panier auf, Ps. 20, 6, rüsten uns zum Kriege.
   Wie das Panier, von seiner Hand gefasset,
   Zur drohenden Ägide ward,
   Raml.
 
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Der Panīs-Brief, des -es, plur. die -e, in dem Deutschen Staatsrechte, eine schriftliche Anweisung, welche der Kaiser jemanden auf eine Pfründe zu ertheilen befugt ist; aus dem Lat. Panis.
 
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Das Pankết, S. Adelung Bankett.
 
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Die Panne, plur. die -n, ein nur bey den Falkenjägern übliches Wort, die großen Schwingfedern an den Flügeln der Falken zu bezeichnen, S. Adelung Wanne, von welchem Worte es nur eine verderbte Aussprache ist.
 
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Der Pannerhêrr, S. Adelung Bannerherr.
 
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Die Panse, S. Adelung Banse.

[Bd. 3, Sp. 645]



 
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Der Pansen, S. Adelung Bansen.
 
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Das Panster, des -s, plur. ut nom. sing. im Mühlenbaue, ein hohes unterschlächtiges Wasserrad, welches zwey Mahlgänge treibt; das Pansterrad, zum Unterschiede von dem Staberrade, welches nur halb so hoch ist, und auch nur Einen Mahlgang treibt. Daher die Panstermühle, eine mit einem Pansterrade versehene Wassermühle; das Pansterzeug, das Pansterrad mit seinem Zubehör. S. Stockpanster und Ziehpanster.
   Anm. Obgleich die Stellung der Schaufeln bey dem Pansterrade und Staberrade heut zu Tage einerley ist, indem die Schaufeln bey beyden zwischen den Wangen oder Felgen eingesetzet sind, dagegen ein Straubrad selbige an der Stirn trägt, so scheinet doch ehedem ein Unterschied zwischen denselben Statt gefunden zu haben, woher denn auch die Benennung rühren mag; wenn nicht Panster eigentlich die allgemeine Benennung des Panster- und Staberrades im Gegensatze des Straubrades ist, da denn Panster auf die Vertiefung der Schaufeln und den hohlen Raum zwischen denselben gehen, und zu unserm Banse und Bansen gehören würde, S. diese Wörter. Vermuthlich hat man dieses Wort ehedem von Panzer abgeleitet, wie es denn auch wohl von einigen so geschrieben und gesprochen wird; wenigstens kommt Lorica im mittlern Lateine von einem Theile der Mühle vor. Pro faciendo et poaendo in dicto molendino unam loricam, d. i. ein Pansterrad, in einer ungedruckten Urkunde bey dem Carpentier.
 
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Das Pántalon, (sprich Pantalong,) des -s, plur. die -s, ein musikalisches Instrument in Gestalt eines großen Clavieres, wo die Saiten durch Hämmer geschlagen werden. Es hat seinen Nahmen von Pantaleon Hebenstreit, welcher es um das Jahr 1718 in Sachsen erfand, und die Veranlassung dazu von dem Hackebrete nahm.
 
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Der Panther, des -s, plur. ut nom. sing. oder das Pantherthier, des -es, plur. die -e, ein fünfzehiges vierfüßiges Thier, welches an Gestalt und Grausamkeit dem Tieger gleicht, nur daß es oben runde, und nur allein unten büschelige Flecken hat, dagegen der Tieger über den ganzen Körper mit büscheligen und streifigen Flecken besäet ist; Pardus L. Der Nahme ist aus dem Griech. πανθρ. Er lebt so wie der Tieger in den wärmern Gegenden Asiens, und in Afrika. Nach dem Griech. und Lat. Nahmen Pardus, Pardalis, wird er auch im Deutschen Pardel und Parder, ehedem auch Pard genannt. Alle drey Formen kommen in der Deutschen Bibel vor. Es wird ihn überfallen wie ein Löwe, und aufreiben wie ein Pard, Sir. 28, 27. Die Pardel werden bey den Böcken liegen, Es. 11, 6. Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein Parder seine Flecken? Jer. 13, 23. Weil dieses Thier wie ein Löwe brüllt, so wird es auch Leopard, bey dem Plinius Leopardus, bey dem Stryker Liebart, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno Lebard, bey dem Hornegk Liphart, bey dem Pictorius Lefrat genannt. Von den Bergen der Leoparden, Hohel. 4. 8. Die ältern Schriftsteller hielten den Panther, den Parder und den Leoparden irrig für drey oder doch zwey verschiedene Arten von Thieren, dagegen andere sie mit dem Tieger verwechseln. In Pantherthier für Panther ist die letzte Sylbe unnütz, indem das Wort Thier schon in Panther, Griech. πανθρ, πανθρα, zu liegen scheinet. Im Hochdeutschen ist der Panther üblicher als das Panther. S. auch Parder.
 
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Die Panthēre, plur. die -n, ein im Jagdwesen übliches Wort, ein viereckiges, dreyfaches, auswendig mit Spiegeln und inwendig mit einem subtilen weiten Ingarne versehenes Garn, allerley große und kleine Vögel damit in Menge zu fangen. Es ist in Italien am üblichsten, wird aber auch in den an Italien gränzenden Deutschen Provinzen gebraucht. Der Nahme stammt gleichfalls aus

[Bd. 3, Sp. 646]


Italien her, indem schon Petrus Crescentius der Panthera als eines im Äntenfange üblichen Garnes gedenket. Er ist aus dem Griech. πανθρα, weil allerley Arten von Vögeln damit gefangen werden, so wie παναγρα ein ähnliches Fischernetz bedeutete. In der Nieder-Normandie ist Pantiere ein Garn, womit allerley Seevögel gefangen werden.

 

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