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Palier bis 2. Die Palme (Bd. 3, Sp. 640 bis 641)
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Artikelverweis Der Palier, Palieren, S. Polirer, Poliren.
 
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Die Palisade, S. Adelung Pallisade.
 
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Der Pállasch, des -es, plur. die -e, ein kurzes Seitengewehr der Soldaten zu Fuß, welches eine gerade breite Klinge und gemeiniglich einen stumpfen dicken Rücken hat. Das Wort ist, so wie das Gewehr selbst, vermuthlich Slavonischen Ursprunges. In dem Glossar. Chaucico in Leibnitzens Collect. Etymol. kommt Pollesch von einer Streitaxt vor, welches aber aus bal, bol, groß, oder auch von bal, böse, streitend, und Axt zusammen gesetzet ist. Im Schwed. ist Bålyxa und Bolyxa gleichfalls eine große Axt, eine Streitaxt. Indessen kommt doch im mittlern Lat. Balasardus von einem kurzen Degen vor, welcher auch Badelare, Badarellus, und im alten Franz. Bazelaire genannt wird.
 
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Der Pallást, des -es, plur. die Pallste, ein großes prächtiges Gebäude, besonders so fern es einem vornehmen Herrn zur Wohnung dienet. Das ist kein Haus, das ist ja ein Pallast. Sie stehen fest wie ein Pallast, Ps. 73, 4. Und werden Dornen wachsen in ihren Pallästen, Nesseln und Disteln in ihren Schlössern, Es. 34, 13. Ein königlicher, fürstlicher, gräflicher Pallast.
   Anm. Schon im 9ten Jahrh. Palice, bey dem Ottfried mit dem eingeschalteten n, Palinza, beym Notker Falanzo, bey andern

[Bd. 3, Sp. 641]


Palags, Palas, Pfalz u. s. f. Es ist aus dem Lat. Palatium, welches ursprünglich ein jedes Gebäude bedeutet haben mag, da es denn mit Pfahl oder auch mit dessen Verwandten, bal, bol, bo, hoch, groß, verwandt seyn würde. So fern aber Palatium anfänglich der Nahme eines Hügels zu Rom war, gehöret es unstreitig zu dem alten bal, bol, hoch, groß. Im Deutschen liegt der Ton im Singular bald auf der ersten, bald aber auch auf der letzten, im Plural aber alle Mahl auf der letzten Sylbe. Das doppelte l ist so wie in dem folgenden um der Deutschen Aussprache willen nothwendig, obgleich das Lateinische nur ein einfaches hat. Unmittelbar von Palus, ein Pfahl, ist im mittlern Lat. Palacium, Palitium, ein Pfahlwerk, Pallisaden, S. Pfalz.
 
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Die Pallếtte, plur. die -n, aus dem Franz. Pallette, eine Verzierung der Knopflöcher, welche aus Gold-, Silber- oder Seidenfäden bestehet, die um ein Pergament gewunden werden. Daher der Pallett-Macher, das Pallett-Rad, u. s. f.
 
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Pallier, Palliren, S. Adelung Polierer, Poliren.
 
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Die Pallisāde, plur. die -n, ein besonders in der Befestigungskunst übliches Wort, starke hölzerne, oben und unten zugespitzte Pfähle zu bezeichnen, welche fünf bis sechs Schuh über die Erde hervor ragen, und zwey Schuh tief nahe an einander in die Erde gesetzet werden; der Schanzpfahl. Pallisaden um den Graben setzen. Mit Pallisaden verwahren. Es ist aus dem Franz. Palissade und Ital. Palisada, Palizzata, Palicciata, welche von dem Lat. Palus, ein Pfahl, abstammen, und eigentlich ein Pfahlwerk, eine aus mehrern Pfählen bestehende Befestigung, nicht aber einzelne Pfähle bezeichnen, wie man es im Deutschen zu gebrauchen pflegt.
 
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Der Palm, des -es, plur. die -e, S. 2 Palme.
 
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Der Palmbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Asiatischer Baum, welcher nur allein in Ostindien wächset, und einen einfachen geraden Stamm hat, der nur an seinem Gipfel aus Einem Puncte lange schmahle spitzige Blätter treibt, welche, so wie der Baum höher wächset, abfallen, aber den untern Theil an dem Baume sitzen lassen, daher der ganze Stamm mit solchen überbleibseln besetzt ist. Palma L. auch im Deutschen nur schlechthin die Palme. Die Zwergpalme, Weinpalme, (S. Adelung Palmwein,) Schirmpalme, der Sagobaum, der Kokosbaum, der Dattelbaum, der Arekabaum, die Pflaumpalme, die Keulpalme und die brennende Palme, sind Arten dieses Geschlechtes. In der Monseeischen Glosse Palmpouma. Der Nahme ist aus dem Lat. Palma, welches wiederum morgenländischen Ursprunges zu seyn scheinet. Aber so ausländisch er auch seyn mag, so kann er doch die allgemeine Verwandschaft aller Sprachen und den gemeinschaftlichen Ursprung der Wörter nicht verläugnen. Da alle eigentliche Palmarten lange spitzige Blätter haben, so ist sehr wahrscheinlich, daß auch der Baum von dieser Gestalt derselben seinen Nahmen bekommen hat, da dem dieses Wort kein anderes ist, als das folgende 3 Palme. Da indessen bey den Palmen die starke runde Blumenscheide, welche bey einigen über 2. 000 Blüthen enthält, aus dem Gipfel hervor kommt: so kann auch dieser Umstand zu der Benennung Anlaß gegeben haben, da denn das Wort mit 2 Palme zu ball, boll, rund, dem Nieders. Bolle, die Zwiebel, Pölle, der Gipfel, u. s. f. gehören würde.
 
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1. Die Palme, plur. die -n. 1) Der Palmbaum, S. das vorige. 2) Ein Palmzweig, ein Zweig des Palmbaumes. Mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen, Offenb. 7, 9. S. Palmzweig.
 
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2. Die Palme, plur. die -n, ein im gemeinen Leben noch sehr übliches Wort, welches vornehmlich in einer doppelten Bedeutung vorkommt. 1) Die Augen oder Knospen an den Weinstöcken werden in den Weinländern Palmen genannt. Man muß den Weinstock

[Bd. 3, Sp. 642]


heften, ehe die Palmen ausschlagen, sonst wenn die Palmen an den Reben ausschlagen, thut man ihnen leichtlich Schaden, Coler im Hausbuche bey dem Frisch. Ja im Nieders. heißen alle Knospen Palmen, und im männlichen Geschlechte zuweilen Palme. Besonders führen diesen Nahmen diejenigen Blüthknospen an den jungen Zweigen der Weiden, Erlen, Haseln u. s. f. wohin die Bienen im Frühlinge zuerst fliegen. Daher wird der Anfang des Frühlinges, wenn die Knospen an diesen Bäumen hervor kommen, die Palmzeit genannt. 2) In engerer Bedeutung sind die Palmen, besonders in Niedersachsen, die Blüthknospen der Weiden, Erlen, Haseln und anderer Gewächse, welche in viele seidenartige Haare eingehüllet sind, und hernach die so genannten Kätzchen geben. Weil sie um Ostern zum Vorscheine zu kommen pflegen, so pflegt man sie auch Osterpalmen zu nennen. In andern Gegenden heißen sie Minsel, S. dieses Wort. Ein mit solchen Palmen oder Kätzchen versehener Zweig des Weidenbaumes, welchen man in der Römischen Kirche am Palmsonntage in Ermangelung echter Palmzweige zu weihen pflegt, wird gleichfalls die Palme genannt. S. Palmzweig.
   Anm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort die runde, erhabene Beschaffenheit der Knospen ausdruckt, da es denn vermittelst des Ableitungslautes m, von ball, boll, rund, abstammen, und mit Ball, Beule, Bolle, Bühel u. s. f. Eines Geschlechtes seyn würde; wenn nicht vielmehr die wollige Beschaffenheit der meisten Arten von Knospen zu dieser Benennung Anlaß gegeben, da man es vielmehr zu Wolle und Fell rechnen müßte.

 

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