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Pachten bis Pachtlustig (Bd. 3, Sp. 634 bis 635)
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Artikelverweis  Pachten, verb. reg. act. den Ertrag, die Nutzung einer Sache gegen ein dafür bestimmtes angemessenes jährliches Geld an sich bringen. Die Besserung der Wege pachten. Die Zölle, Accise, den Zehnten eines Gutes u. s. f. pachten. In engerer Bedeutung, den Ertrag eines Landgutes oder einen nutzbaren Theil der Erdfläche gegen ein bestimmtes Pachtgeld an sich bringen. Ein Gut pachten. Einen Acker pachten. Einen Garten pachten. Bey dem Worte miethen ist bemerkt worden, daß das Zeitwort pachten von solchen Gegenständen gebraucht werde, welche erst durch Arbeit oder Mühe nutzbar gemacht werden müssen, miethen aber von solchen, welche sogleich ohne weitere Arbeit gebraucht werden können. Noch genauer und bestimmter lässet sich der Unterschied

[Bd. 3, Sp. 635]


so angeben, daß pachten zunächst die Nutzung im engsten Verstande, d. i. den Gebrauch zur Erwerbung zeitlichen Vermögens, zur Absicht habe, miethen aber auf andere Bedürfnisse gehe. Daher pachtet der Gärtner, welcher den Ertrag nutzen will, einen Garten, welchen der bloße Liebhaber der Gartenlust miethet. Daher werden die Zölle, die Accise und andere Einkünfte gepachtet und verpachtet, aber nicht gemiethet und vermiethet, weil die Absicht des Pachters die Erwerbung zeitlichen Vermögens ist, ungeachtet sie keine mehrere Bearbeitung bedürfen, als ein Pferd, ein Haus oder andere Dinge, welche man miethet.
   Daher die Pachtung. S. Adelung Pacht.
 
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Der Pachter, des -s, plur. die Pächter, Fämin. die Pachterinn, eine Person, welche etwas gepachtet hat, eine Sache pachtweise besitzet. Besonders eine Person, welche ein Landgut vermittelst eines Pacht-Contractes besitzet; der Pachtinhaber, im Oberdeutschen der Beständner, im Nieders. der Heuersmann. In einigen Gegenden, selbst im Hochdeutschen, ändert dieses Wort den reinen Vocal auch im Singular, der Pächter, die Pächterinn.
 
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Die Pachtfrau, plur. die -en. 1) Eine Frau, welche etwas gepachtet hat. 2) Die Ehefrau eines Pachters; besser die Pachterinn.
 
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Das Pachtgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, das verglichene Geld, welches der Pachter für die Nutzung einer gepachteten Sache dem Eigenthümer entrichtet; der Pacht, der Pachtschilling, der Pachtzins, das Bestandgeld.
 
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Das Pachtgut, des -es, plur. die -güter, ein Gut, welches man gepachtet hat, welches man pachtweise besitzt; zum Unterschiede von einem Gute, welches man eigenthümlich besitzet.
 
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Der Pachthêrr, des -en, plur. die -en, der Eigenthumsherr einer verpachteten Sache; der Verpachter.
 
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Der Pachtinhaber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Pachtinhaberinn, eine Person, welche etwas pachtweise besitzet; der Pachter, die Pachterinn.
 
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Das Pachtjahr, des -es, plur. die -e, eines von den Jahren, auf welche ein Pacht geschlossen ist.
 
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Die Pachtleute, sing. inus. Leute, d. i. geringe Personen beyderley Geschlechtes, welche etwas in Pacht haben.
 
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Pachtlos, adj. et adv. des Pachtes beraubt. Ein Gut wird pachtlos, wenn der Pachter von demselben abziehet. Ein Pachter ist pachtlos, wenn er keine Sache in Pacht hat.
 
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Pachtlustig, -er, -ste, adj. et adv. in den Kanzelleyen einiger Gegenden, Lust, d. i. Neigung, habend, etwas zu pachten, wie kauflustig, geneigt etwas zu kaufen. S. Adelung Lustig.

 

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