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Pabst bis Pachtgut (Bd. 3, Sp. 633 bis 635)
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Artikelverweis  Pabst, S. Adelung Papst.
 
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Der Pacht, des -es, plur. die Pächte. 1) * Ein jeder Vertrag, oder Contract; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Oberdeutschen gangbar ist, und wofür man im gemeinen Leben der Hochdeutschen in manchen Fällen noch Pact saget, S. dieses Wort. Einen Pacht mit den Satan machen. Den Pacht halten, erneuern, aufheben, den Vertrag, Contract. Es ist in dieser Bedeutung unstreitig aus dem Latein. Pactum entlehnet. Da die älteste Art Gesetze zu machen in einem verabredeten Vertrage zwischen dem Landesherren und seinen Unterthanen bestand, so wurde ein Gesetz in den ältesten Zeiten sehr häufig Pactum genannt, wovon in des Du Fresne Glossario Stellen genug vorkommen. Nach diesem Vorgange nannte man im 13ten und den folgenden Jahrhunderten auch im Deutschen ein Gesetz den oder die Pacht, oder mit der blasenden Aussprache einiger Provinzen, der oder die Pfacht, bey dem Stryker die Phacht, womit denn zuweilen auch das göttliche Gesetz bezeichnet wurde. 2) In engerer Bedeutung, ein Vertrag, in welchem man die Nutzung einer Sache einem andern gegen einen Theil des Ertrages, oder auch gegen eine bestimmte Geldsumme überlässet, in denjenigen Fällen, in welchen das Zeitwort pachten üblich ist; der Pacht-Contract. Ingleichen der Genuß der Nutzung vermöge und Kraft eines solchen Vertrages. Der Pacht der Zölle, der Einkünfte, der Accise, des Zehenten, der Jagd, der Fischerey, der Schenknahrung an einem Orte, der Kühe auf einem Landgute, einer Schäferey u. s. f. Etwas in Pacht nehmen, es pachten. Einem etwas in Pacht geben, im gemeinen Leben, es in Pacht austhun, es verpachten. Etwas in Pacht haben, den Ertrag einer Sache gegen eine bestimmte Vergütung genießen. Der Erbpacht, der erbliche Besitz und Genuß der Nutzungen gegen ein bestimmtes Pachtgeld; zum Unterschiede von einem Zeitpachte, welcher am häufigsten unter dem Pachte schlechthin verstanden

[Bd. 3, Sp. 634]


wird. Der eiserne Pacht, ein Pacht auf eine lange Zeit. Einen Pacht antreten. Aus dem Pachte gehen. In der engsten Bedeutung ist der Pacht der Genuß des Ertrages eines Landgutes oder eines Stückes der Erdfläche gegen eine jährliche verhältnißmäßige Geldsumme. Ein Gut in Pacht haben. Der Pacht eines Ackers, eines Gartens. S. Pachten. 3) Figürlich wird auch das Pachtgeld sehr häufig nur der Pacht genannt. Das Gut gibt hundert Thaler Pacht, trägt dem Besitzer so viel Pachtgeld ein. Den Pacht bezahlen. Mehr Pacht biethen. Viel, wenig Pacht geben. Den Pacht schuldig bleiben.
   Anm. Der Plural ist in der zweyten Bedeutung von mehrern Arten des Pachtes am üblichsten, so wie er in der dritten nur von mehrern Summen Statt findet. Der Pacht in der zweyten Bedeutung heißt im mittlern Lat. Pactum, Apactus, Appaltus, Affictus, Fictum, Fictus, im Ital. Appalto, Fitto, Affitto. Wäre es nicht überwiegend wahrscheinlich, daß es von Pactum entlehnet worden, so würde das mittlere Lat. pacare, zahlen, bezahlen, Ital. pagare, Franz. payer, von welchem Paagium, Pacagium, Pedagium, Franz. Peage, ehedem auch einen Tribut, eine Steuer bedeutete, ein bequemes Stammwort abgeben. Im Deutschen scheinet es jüngern Ursprunges zu seyn, wenigstens kommt es in der ersten Bedeutung eines Gesetzes am frühesten vor. In vielen, besonders Niederdeutschen Gegenden, ist es weiblichen Geschlechtes, die Pacht, dagegen die Hoch- und Oberdeutschen es beständig im männlichen gebrauchen, welches auch dem Lat. Pactum gemäßer ist. In einigen Oberdeutschen Provinzen lautet dieses Wort Pfacht. Übrigens ist statt desselben im Oberdeutschen auch Bestand, und in einigen, besonders Niederdeutschen, Gegenden auch Arrende üblich, aus dem Franz. Arrende. S. Adelung Pachten.
 
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Der Pachtanschlag, des -es, plur. die -schläge, der Anschlag, oder die Schätzung des jährlichen Ertrages eines Dinges, welches verpachtet werden soll; zum Unterschiede von dem Kaufanschlage.
 
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Der Pachtbauer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bauer, welcher ein Bauergut in Pacht hat. Ingleichen, ein Bauer, so fern er ein anderes Grundstück in Pacht hat, besonders im Gegensatze des Verpachters. Jemandes Pachtbauer seyn müssen, sich von ihm allerley Lasten und Beschwerden müssen aufbürden lassen. Im Nieders. lautet das Wort in dieser Redensart Packbuur, Packbauer; daher unser Hochdeutsches entweder auch von packen abstammet, oder die Niedersachsen, bey welchen das Wort Pacht nicht so gewöhnlich ist, dasselbe von den Oberdeutschen entlehnet haben müssen.
 
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Der Pachtbrief, des -es, plur. die -e, der Brief, d. i. die Urkunde, über einen geschlossenen Pacht, der schriftliche Pacht-Contract.
 
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Der Pacht-Contract, des -es, plur. die -e, der Contract oder Vertrag über die Nutzung einer Sache gegen eine gewisse jährliche Geldsumme; der Pacht, der Pachtvertrag. Ingleichen der schriftliche Aufsatz desselben; der Pachtbrief.
 
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Pachten, verb. reg. act. den Ertrag, die Nutzung einer Sache gegen ein dafür bestimmtes angemessenes jährliches Geld an sich bringen. Die Besserung der Wege pachten. Die Zölle, Accise, den Zehnten eines Gutes u. s. f. pachten. In engerer Bedeutung, den Ertrag eines Landgutes oder einen nutzbaren Theil der Erdfläche gegen ein bestimmtes Pachtgeld an sich bringen. Ein Gut pachten. Einen Acker pachten. Einen Garten pachten. Bey dem Worte miethen ist bemerkt worden, daß das Zeitwort pachten von solchen Gegenständen gebraucht werde, welche erst durch Arbeit oder Mühe nutzbar gemacht werden müssen, miethen aber von solchen, welche sogleich ohne weitere Arbeit gebraucht werden können. Noch genauer und bestimmter lässet sich der Unterschied

[Bd. 3, Sp. 635]


so angeben, daß pachten zunächst die Nutzung im engsten Verstande, d. i. den Gebrauch zur Erwerbung zeitlichen Vermögens, zur Absicht habe, miethen aber auf andere Bedürfnisse gehe. Daher pachtet der Gärtner, welcher den Ertrag nutzen will, einen Garten, welchen der bloße Liebhaber der Gartenlust miethet. Daher werden die Zölle, die Accise und andere Einkünfte gepachtet und verpachtet, aber nicht gemiethet und vermiethet, weil die Absicht des Pachters die Erwerbung zeitlichen Vermögens ist, ungeachtet sie keine mehrere Bearbeitung bedürfen, als ein Pferd, ein Haus oder andere Dinge, welche man miethet.
   Daher die Pachtung. S. Adelung Pacht.
 
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Der Pachter, des -s, plur. die Pächter, Fämin. die Pachterinn, eine Person, welche etwas gepachtet hat, eine Sache pachtweise besitzet. Besonders eine Person, welche ein Landgut vermittelst eines Pacht-Contractes besitzet; der Pachtinhaber, im Oberdeutschen der Beständner, im Nieders. der Heuersmann. In einigen Gegenden, selbst im Hochdeutschen, ändert dieses Wort den reinen Vocal auch im Singular, der Pächter, die Pächterinn.
 
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Die Pachtfrau, plur. die -en. 1) Eine Frau, welche etwas gepachtet hat. 2) Die Ehefrau eines Pachters; besser die Pachterinn.
 
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Das Pachtgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, das verglichene Geld, welches der Pachter für die Nutzung einer gepachteten Sache dem Eigenthümer entrichtet; der Pacht, der Pachtschilling, der Pachtzins, das Bestandgeld.
 
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Das Pachtgut, des -es, plur. die -güter, ein Gut, welches man gepachtet hat, welches man pachtweise besitzt; zum Unterschiede von einem Gute, welches man eigenthümlich besitzet.

 

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