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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Die Otter bis Óxhōft (Bd. 3, Sp. 628 bis 630)
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Artikelverweis  1. Die Otter, plur. die -n. 1) Ein Nahme der kleinen, sehr giftigen Schlangen, deren Biß vor andern schädlich ist. Sie sind nicht über zwey Fuß lang, und höchstens eines Daumens dick, haben eine graue oder gelbe Haut mit langen braunen Flecken und einen breiten Kopf; die Viper. In einigen gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes, Adder, Atter, Angels. Aetter, Aetterae, Engl. Adder, und mit dem vorgesetzten müßigen n, in einigen Deutschen Gegenden auch Natter, welches von vielen von Natrix abgeleitet wird, da doch die eigentlichen kleinen giftigen Schlangen keine Wasserschlangen sind, sondern sich in den Schutthausen und um Gebäude herum aufhalten, S. Adelung Natter. Otter und Natter stammen unstreitig von dem alten noch bey dem Notker befindlichen Eitter, Gift, her, Angels. Aetter, Aettor, Gift, S. Eiter.
 
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2. Die Otter, plur. die -n, ein vierfüßiges Thier mit verbundenen Schwimmzehen, dessen Schwanz halb so groß ist, als der ganze Körper. Es kann so wohl im Wasser, obgleich nicht lange, als auch auf dem Lande leben, und hält sich daher gemeiniglich an den Ufern der Flüsse, Seen und Meere auf, wo es von den Fischen, Fröschen und Krebsen lebt; Lutra L. Die Fischotter, zum Unterschiede von der vorigen. Die Flußotter, welche an den Flüssen Europens einheimisch ist. Die Seeotter, welche in Asien und Amerika angetroffen wird.
   Anm. Im Engl. gleichfalls Otter, im Schwed. Utter, im Isländ. Ottr, im Dän. Odder, im Böhm. mit dem vorgesetzten Blaselaute Wycra, im Pohln. Wydra, im Ungar. und Dalmat. Vidra. Da im Isländ. Uddr Feuchtigkeit bedeutet, welches zu dem Latein. udus, feucht, naß, gehöret, und womit auch der eigenthümliche Nahme der Oder, Latein. Viadrus, und vermittelst des vorgesetzten n auch unser naß, Niederdeutsch natt, verwandt sind, so siehet man bald, daß mit dem Nahmen dieses Thieres

[Bd. 3, Sp. 629]


auf den Ort seines Aufenthaltes gesehen wird. Im Oberdeutschen ist dieses Wort männlichen Geschlechtes, der Otter.
 
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Der Otterbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Adelung Otte.
 
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Der Otterfang, des -es, plur. die -fänge, das Fangen der Fischottern; ohne Plural. Auf den Otterfang ausgehen. Ingleichen, ein Ort, wo man Fischottern fänget, und die dazu gemachte Vorrichtung.
 
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Der Otterfänger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Jäger, welcher sich vornehmlich mit dem Fange der Fischottern und mit Abrichtung der Otterhunde beschäftiget.
 
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Der Otterhund, des -es, plur. die -e, eine Art starker Dachshunde, welche zu dem Fange der Fischottern abgerichtet sind.
 
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Die Otterngalle, plur. die -n, die Galle von einer Otter oder Natter, in welchem Verstande dieses Wort in der Deutschen Bibel mehrmahls gebraucht wird, etwas höchst Schädliches und Giftiges zu bezeichnen; ungeachtet die Galle der Ottern wegen ihrer Schädlichkeit sonst eben nicht bekannt ist. S. 1 Otter.
 
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* Das Otterngezücht, des -es, plur. die -e, ein gleichfalls nur in der Deutschen Bibel befindliches Wort, boßhafte Nachkommen boßhafter Ältern zu bezeichnen, in welchem Verstande man jetzt das Wort Schlangenbrut gebrauchen würde. S. 1 Otter.

[Bd. 3, Sp. 630]



 
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Der Otterngift, des -es, plur. inus. das Gift von einer Otter oder Natter. S. 1 Otter.
 
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Ótto, Genit. Otto's oder Ottens, Dativ. Otten, ein alter Germanischer männlicher Taufnahme; vermuthlich von dem alten od, reich, vortrefflich. Im Wallis. ist od vorzüglich, und Udd ein Herr. Der alte Nahme Udo, vielleicht auch Hatto, ist auch kein anderer.
 
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Das Óxhōft, des -es, plur. die -e, ein größeres Maß flüssiger Dinge, besonders des Weines, welches 11/2 Ahm, 6 Anker oder 60 Stübchen hält. Wenn es ein Zahlwort vor sich hat, so bleibt es im Plural, wie so viele dieser Art, unverändert: sechs Oxhoft, nicht Oxhofte. Nieders. gleichfalls Oxhoofd, Engl. Hogshead, Holländ. Oxhoofd. Schwed. Oxhufvud. Es ist durch die Handlung aus Holland zu uns gebracht worden, und von noch dunkler Abstammung. Wachter gerieth auf den seltsamen Einfall, Ox sey hier die letzte Sylbe aus dem Nahmen der Stadt Bourdeaux, Haupt aber bezeichne hier ein Maß. Wahrscheinlicher ist, daß anfänglich nur ein mit einem Ochsenkopfe bezeichnetes ausländisches Weingebinde mit diesem Nahmen beleget worden, der denn nachmahls allen Fässern von ähnlichem Inhalte gemein geworden.

[Bd. 3, Sp. 631]


 

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